Richtig Abstillen: Sanfter Abschied von Mamas Brust

Abstillen ist ein sensibles Thema für Mutter und Kind. Neben dem „Wann“ ist vor allem das „Wie“ entscheidend. Wir informieren Sie über Empfehlungen von Hebammen und der Nationalen Stillkommission zum natürlichen Abstillen und geben Tipps zur Entwöhnung des Babys und zur Reduzierung der Milchproduktion.


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Wann abstillen?

Im Idealfall sind sich Mama und Baby einig, wann es Zeit zum Abstillen ist.


© Thinkstock
Irgendwann ist es soweit und Sie müssen sich mit dem Thema Abstillen auseinandersetzen. Im Idealfall sind Mutter und Kind dazu bereit und der Umstieg auf das Fläschchen oder den Brei klappt ohne Probleme. Aber leider ist das Timing nicht immer so wunderbar. In den meisten Fällen ist es die Mama, die das Stillen früher oder später aufgeben möchte oder muss. Der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit, schwere Krankheiten oder der Arbeitseinstieg sind mögliche Gründe. Egal, warum Sie sich fürs Abstillen entscheiden: Wichtig ist, dass Sie die Entscheidung bewusst und für sich allein treffen, ohne dass Sie sich von irgendwem dazu unter Druck gesetzt fühlen.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Abstillen?


Es spricht nichts gegen das Abstillen im Laufe des ersten Jahres, ebenso wie gegen das Weiterstillen über das erste, zweite und dritte Jahr hinaus. Es ist eine ganz individuelle Entscheidung, die jede Mutter für sich und Ihr Baby allein treffen muss. Daher gibt es auch keinen richtigen Zeitpunkt zum Abstillen.

Die Nationale Stillkommission (NSK) am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt das Stillen für mindestens die ersten sechs Lebensmonate. Solange überwiegen die Vorteile der Muttermilch für das Baby gegenüber der industriell hergestellten Babymilch. Aber: Auch jede weitere Stillmahlzeit nach dem 6. Monat nützt noch der Gesundheit Ihres Kindes. Spätestens ab dem 7. Lebensmonat sollte die Beikost eingeführt werden. Im besten Fall laufen Beikost und Stillmahlzeiten noch eine Weile nebenher, bevor die Beikost die Muttermilch langsam ablöst, ganz ohne Fläschchen und Ersatzmilch.

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Einen besten Zeitpunkt zum Abstillen gibt es nicht, einen schlechten dagegen schon. Ein solcher wäre es zum Beispiel, wenn Ihr Baby gerade krank oder durch irgendeine Umstellungen aufgewühlt und quengelig ist. Verschieben Sie das Abstillen dann nach Möglichkeit auf eine etwas ruhigere Phase.

Übrigens: Eine Krankheit der Mutter ist nicht zwangsläufig ein Grund zum Abstillen. Für viele Erkrankungen gibt es Medikamente, die sich nicht auf die Qualität der Muttermilch auswirken und dem Kind nicht schaden. Wichtig ist, dass Sie sich bei Ihrem Arzt genau darüber informieren, welche Medikamente geeignet sind und ob es gegebenenfalls Alternativen gibt, die das Stillen weiterhin ermöglichen.

Ebenfalls keine zwingenden Gründe zum Abstillen sind:

• eine Brustentzündung, die frühzeitig bemerkt und behandelt wird
• wenn das Baby zahnt
• das Wiedereinsetzen der Periode nach der Geburt
• eine erneute Schwangerschaft
• der Wiedereinstieg in den Beruf: Stillende Mütter haben bei Arbeitszeiten und
  -bedingungen ähnliche Rechte wie schwangere Frauen. Dazu kommt das Recht
   auf Stillpausen von täglich mindestens 2 x 30 Minuten, in denen gestillt oder
   Milch abgepumpt werden kann.

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Natürlich abstillen heißt langsam abstillen

Beim Abstillen laufen zwei Prozesse gleichzeitig ab: Das Baby soll von der Mutterbrust entwöhnt und die Milchproduktion reduziert werden. Beides klappt am besten, wenn die Umstellung langsam und nicht abrupt geschieht.

Die Empfehlung lautet daher: Maximal eine Stillmahlzeit pro Woche durch eine Flaschenmahlzeit ersetzen bzw. mit Beikost ergänzen. Planen Sie sechs bis acht Wochen Zeit ein, wenn Sie möglichst natürlich abstillen möchten. Für die erste zu ersetzende Mahlzeit wählen Sie am besten nicht die erste oder die letzte Stillmahlzeit des Tages. Eine Mahlzeit in den Nachmittagsstunden, zu der Sie ohnehin weniger Milch haben, macht sich besser für den ersten Versuch. Das letzte Stillen vor dem Schlafengehen ist meistens die letzte Stillmahlzeit, die ersetzt wird. Sie dient in vielen Familien noch einige Zeit weiter als Einschlafritual.

Abstillen vor dem Ende des 6. Monats

Wenn Sie vor dem Ende des 6. Lebensmonats abstillen möchten, ist die Muttermilch mit industriell hergestellter Babymilch zu ersetzen, bis Ihr Kind vollständig auf Brei oder feste Nahrung umgestellt ist. Generell heißt es, dass Mutter- oder Ersatzmilch im ersten Lebensjahr die wichtigste Mahlzeit und Kalorienquelle sein sollte.
 

Natürlich abstillen

Ab jetzt gibt es das Fläschchen.


© Thinkstock
Wählen Sie eine Stillmahlzeit aus, mit der Sie beginnen möchten. Legen Sie Ihr Baby ganz normal an, lassen es sich aber nicht satt trinken. Bieten Sie nach dem Stillen gleich das Fläschchen an. Manchmal klappt es auch andersherum besser, also erst die Flasche und dann die Brust. Probieren Sie aus, welche Variante für Sie und Ihr Baby die bessere ist. Sollte sich Ihr Baby mit dem Fläschchen gar nicht anfreunden können, bitten Sie Ihren Partner, die Flaschenfütterung zu übernehmen und dafür vielleicht sogar in einen anderen Raum zu gehen. Die veränderte Situation kann Ihrem Kind dabei helfen, das Fläschchen leichter zu akzeptieren.

Fahren Sie die folgenden Tage genau so fort und reduzieren Sie die Stillzeit immer mehr, sodass sich Ihr Baby mehr und mehr an der Ersatzmilch und letzten Endes ausschließlich daran satt trinkt. Vier bis fünf Tage später können Sie nach diesem Schema eine weitere Stillmahlzeit in Angriff nehmen. Wählen sie dafür nicht die unmittelbar nächste Stillmahlzeit des Tages, sondern lassen Sie anfangs eine volle Stillmahlzeit zwischen den zugefütterten Mahlzeiten.

Abstillen nach Ende des 6. Monats 

Wenn Sie nach Ende des 6. Lebensmonats abstillen möchten, können Sie vielleicht sogar ganz auf industrielle Ersatzmilch verzichten. Voraussetzung dafür ist, dass Sie noch einige Zeit weiterstillen, auch wenn Ihr Baby schon fleißig Brei isst. Nicht umsonst heißen die ersten Breimahlzeiten auch BEIkost – sie werden zusätzlich zur Muttermilch gefüttert und nicht anstelle dessen. Welcher Brei sich zur ersten Beikost eignet, erfahren Sie hier: ➤ Zufüttern: Babys nach dem Stillen an Brei gewöhnen

Auch hier legen Sie Ihr Baby erst ganz normal an, lassen es sich aber nicht vollständig satt trinken. Bieten Sie ihm danach zwei, drei Löffel Brei an. Danach können Sie Ihr Baby nochmal anlegen. Nach und nach erhöhen Sie die Breimenge und reduzieren die Stillzeit. Auch hier gilt: Klappt es so nicht, bieten Sie erst den Brei und dann die Brust an. Steigern Sie die Menge der Beikost und der Doppel-Mahlzeiten kontinuierlich und gleichmäßig. Das heißt, Sie müssen nicht erst eine Stillmahlzeit vollständig ersetzen, bevor Sie etwa eine Woche später bei einer weiteren zufüttern. Stillen Sie Ihr Kind im ersten Jahr trotz Breimahlzeiten weiterhin nach Bedarf.

Tipps zum Entwöhnen des Babys
  • 1 / 7

    Machen Sie es sich zum Stillen nicht mehr gemütlich, sondern eher etwas ungemütlich. So verliert das Stillen etwas an Reiz für Ihr Kind. Setzen Sie sich auch nicht mehr an Ihren üblichen Stillplatz und packen Sie das Stillkissen weg. 

  • 2 / 7

    Tragen Sie stillunfreundliche Kleidung. Das heißt keine Still-BHs mehr und mehere Lagen Oberteile. So kommen Sie nicht in Versuchung, "mal schnell anzulegen" und Ihr Kind merkt, dass das Trinken an der Brust jetzt nicht mehr so einfach ist.

  • 3 / 7

    Dieser Tipp klingt komisch, hilft aber dabei, dass Ihr Kind das Stillen "vergisst": Vermeiden Sie es, sich vor Ihrem Baby aus- oder umzuziehen. Es sollte Ihre Brüste möglichst nicht sehen.

  • 4 / 7

    Wenn Ihr Baby gern in bestimmten Situationen gestillt wird, verändern Sie Ihre Tagesroutine, um diese Situationen zu vermeiden. Das heißt, gehen Sie zum Beispiel oft nach draußen, wenn Ihr Kind es gewohnt ist, nur drinnen gestillt zu werden.

  • 5 / 7

    Versuchen Sie Ihr Baby abzulenken, wenn es an die Brust will. Bieten Sie ihm stattdessen etwas anderes zu trinken oder zu essen an.

  • 6 / 7

    Ihr Partner und andere Vertrauenspersonen sind gefragt. Sie sollten so oft es geht das Füttern übernehmen, damit Ihr Baby nicht nur Sie als Nahrungsquelle sieht.

  • 7 / 7

    Denken Sie daran: Für Ihr Baby bedeutet das Stillen nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch Geborgenheit, Trost und Zuneigung. Es ist daher wichtig, dass Sie Ihrem Kind in der Phase des Abstillens besonders viel Zuwendung und Körperkontakt schenken, damit ihm die so wichtige Nähe zu Ihnen durch das Abstillen nicht verloren geht.


Vorteil des natürlichen Abstillens ist es, dass sowohl das Verdauungssystem Ihres Babys als auch Ihr Körper Zeit haben, sich an die veränderte Situation anzupassen: Je satter Ihr Baby durch Ersatzmilch oder Beikost wird, desto kürzer und weniger intensiv wird es an Ihrer Brust saugen. Die Milchproduktion wird sich daraufhin ganz von allein reduzieren. Übrigens empfehlen Hebammen auch bei allmählich abgestillten Kindern das Stillen nach Bedarf. Das heißt, bieten Sie Ihre Brust nicht mehr aktiv an, aber verweigern Sie sie Ihrem Baby auch nicht. So ist die Umstellung für Ihr Kind emotional leichter zu verkraften.
Schnelles Abstillen und Tipps bei schweren Brüsten

Nicht immer bleibt genug Zeit, das Abstillen über Wochen oder Monate hinzuziehen. Schwere Erkrankungen der Mutter, eine OP oder sonstige Gründe können manchmal ein schnelles Abstillen nötig machen. Dieser Weg ist für das Baby häufig mit einem emotionalen Trauma verbunden. Hier ist es besonders wichtig, ihm viel Zuwendung und Schmuseeinheiten zu widmen.

Um möglichst schnell und dennoch schonend abzustillen, ersetzten Sie alle zwei bis drei Tage eine komplette Stillmahlzeit. Muss es noch schneller gehen, legen Sie Ihr Kind gar nicht mehr an. Das ist jedoch die härteste Variante für Sie und Ihr Kind und wird von Hebammen nicht empfohlen.

Tipps bei schweren Brüsten und Schmerzen
  • 1 / 6

    Wird der Druck zu groß, streichen Sie etwas Milch aus oder pumpen Sie eine geringe Menge ab, aber nur so viel, bis das Spannungsgefühl nachlässt.

  • 2 / 6

    Tragen Sie einen gut stützenden, aber nicht einengenden BH. Die Brüste hochzubinden, wie eine Empfehlung früher lautete, bringt übrigens nichts, denn die Milchdrüsen bilden sich dadurch nicht zurück.

  • 3 / 6

    Trinken Sie täglich zwei bis drei Tassen Salbei- oder Pfefferminztee, der hemmt die Milchbildung. Auch Petersilie hat eine milchhemmende Wirkung.

  • 4 / 6

    Kühlen Sie die Brust zum Beispiel mit Quarkwickeln.

  • 5 / 6

    Homöopathische Mittel können das Abstillen unterstützen. Fragen Sie eine Stillberaterin, welche Wirkstoffe für Sie infrage kommen.

  • 6 / 6

    Nur im Notfall sollten Sie Medikamente zu sich nehmen, die die Milchproduktion stoppen. Diese haben in den meisten Fällen aber unangenehme Nebenwirkungen. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Arzt beraten.



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