
Papa oder Mama - zu einem Elternteil fühlt sich das Baby mehr hingezogen. Wir zeigen Ihnen, wie das Baby von beiden Eltern gleichermaßen profitiert
Ein Baby lernt früh, die Eltern zu unterscheiden
Jedes Baby fühlt sich zunächst bei der Mama wohler. Auf ihrem dem Arm riecht es vertraut, hier gibt es Wärme, Geborgenheit und etwas zu essen. „Beide sind psychisch aufs Engste miteinander verbunden. Das Baby empfindet die Mutter als Teil seiner selbst“, sagt die Freiburger Psychologin Ursula Kodjoe. Doch schon ab dem 4. oder 5. Monat fängt das Baby an, sich umzuschauen, was es sonst noch so gibt auf der Welt, und findet - im Idealfall - seinen Papa. Der ist ganz anders als die Mama: die Hände sind kräftiger, die Stimme tiefer und die Bewegungen meist schneller und wilder. Trotzdem ist er vertraut.
Um selbstständig zu werden, muss das Baby sich von seiner Mama abgrenzen. „Dieser wichtige Entwicklungsschritt hin zur eigenen Persönlichkeit fängt bereits im Alter von 6. Monaten an und wird dann sozusagen zur Hauptaufgabe des 2. und 3. Lebensjahres“, so Ursula Kodjoe. Den sicheren Hafen jedoch ganz allein zu verlassen, das ist ganz schön unheimlich. Und so ist es für Kinder sehr beruhigend, wenn sie hier einen starken, verlässlichen Partner an der Seite haben: Papa.
Zumal der Papa oft der bessere Tobe- und Spielkumpane ist, weil er seinen Kindern meist schneller zutraut, ganz allein die obersten Sprossen des Klettergerüsts zu erklimmen oder die volle Milchflasche zum Esstisch zu tragen. Schon von Anfang an sei Oliver mit seiner Tochter ganz anders umgegangen als sie, sagt Diana Becker, viel wilder und raufiger. Und jetzt? „Für Amelie ist es sicher aufregender, mit Oliver auf den Spielplatz zu gehen als mit mir“, gibt ihre Mutter zu. „Wenn ich sehe, was er sie alles ausprobieren lässt, stockt mir manchmal der Atem.“
Papa ist auch ein gutes Vorbild bei dem riesigen Problem, dem sich ein Baby in seinem Unabhängigkeitsstreben stellen muss: Wie löse ich mich von der Mama, ohne sie zu verlieren? Doch wenn die Eltern sich gut verstehen und liebevoll miteinander umgehen, kann sich das Baby abgucken, dass es durchaus möglich ist, eng mit Mama verbunden zu bleiben und trotzdem eine unabhängige Person zu sein. So wie Papa eben.
„Die meisten Kinder merken früh, was sie von Mama oder Papa erwarten können, und wenden sich, je nach Anlass, mal an den einen, mal an den anderen“, erklärt der Hamburger Psychologe Michael Thiel. So wird meist Mama zum sicheren Hafen und zur emotionalen Tankstelle. Papa hingegen steht in den meisten Familien für Spaß, Abenteuer und Unabhängigkeit. Natürlich gibt es auch Familien, in denen der Papa umsorgt, während die Mama eher für Action gut ist. Doch egal wie: Kinder teilen die Rollen gern sehr genau zwischen beiden Eltern auf. Mit dem einen wird mehr geschmust und gemalt, der andere muss als Klettergerüst und Welterklärer herhalten. Als Folge wird, je nach Entwicklungsschritt, mal Mama und mal der Papa wichtiger.

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