
Fremdeln beim Baby ist ein Zeichen von Reife. Wie Sie auf Fremdeln beim Baby entspannt reagieren
Fremdeln entsteht nicht durch Kindererziehungsfehler, sondern ist Ausdruck eines wichtigen neuen Entwicklungsschrittes. „Die Sinneswahrnehmung der Kinder wird in dieser Zeit differenzierter“, erklärt Diplom-Psychologin Sybille Weber. „Das Kind ist von nun an fähig, zwischen Vertrautem und Fremdem zu unterscheiden. Nicht mehr jedes Lächeln wird darum freudig erwidert. Das reifere Kind wechselt vom blinden Vertrauen zu einem gesunden Misstrauen gegenüber Neuem.“
Dieses Misstrauen, auch Fremdeln genannt, ist zugleich eine pfiffige Kindersicherung der Natur. Denn die neu erwachten Ängste sorgen dafür, dass das Baby stets in der Nähe von vertrauten Menschen bleibt. Eine Bezugsperson, meist ist es die Mutter, fungiert dabei als sicherer Hafen. Diese Rettungsinsel darf anfangs nie ganz außer Sichtweite sein. Das kann Mamas ganz schön fordern, schützt ihr gerade mobil gewordenes Baby aber vor Situationen, denen es allein nicht gewachsen sind.
Dieses Fremdel-Wissen entlastet mich. Nach und nach schaffe ich es, meine ängstliche und ablehnende Einstellung gegenüber Charlottes neuen Wesenszügen abzulegen. Und schon funktioniert alles besser. Kaum habe ich beschlossen, meine Tochter nicht mehr mit Sätzen wie „Küss doch mal die Omi“ zu quälen, entspannt sich mein Baby spürbar. Je unverkrampfter ich akzeptiere, dass mein Lottchen eben bei Mama auf den Arm will, desto schneller ist sie auch schon wieder heruntergeklettert.
Diese schnellen Erfolge machen mir Mut. Ich entwickle langsam Spaß an meiner Aufgabe als Beschützerin. Ich schärfe mein Gespür für die Bedürfnisse meiner Tochter und lasse mich von ihr leiten:
Charlotte zeigt es mir ganz deutlich, und wir 2 bilden bald ein inniges Team: In der Straßenbahn oder bei Besuchen nehme ich sie nun Bauch an Bauch auf den Schoß und beschreibe ihr mit leiser, verschwörerischer Stimme, was für spannende Menschen und Dinge ich sehe. Das finden wir beide lustig und es dauert meist nicht lang, bis mein kleines Klammeräffchen selbst einen Blick riskiert. Das Ergebnis meiner neuen Mutterrolle ist beglückend: Umso mehr ich für mein Kind da bin und ihm gebe, was es braucht, desto selbstsicherer und unternehmungslustiger wird es.

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