
Krippe, Tagesmutter oder Kindergarten? Welche Form der Kinderbetreuung zu ihrem Baby am besten passt - und worauf Sie achten sollten.
Wer sich heute für sein Baby auf die Suche nach einer Tagesmutter, Krippe oder Kita macht, findet immer mehr qualitativ gute Angebote. Und es ist beschlossene Sache, die Zahl der Krippenplätze besonders in Westdeutschland stark zu erhöhen, denn zurzeit liegt die Versorgung dort gerade mal bei 2 %. Das Tagesbetreuungsausbaugesetz von 2005 verspricht bis Ende 2010 einen Zuwachs um 230 000 Betreuungsplätze - sei es in Krippen oder bei Tagesmüttern.
Erzieherinnen und Kleinkindpädagogen freuen sich über die große Aufmerksamkeit, die ihre Arbeit endlich erfährt. So haben die Bundesländer etwa eine Qualitätssicherung für Tageseltern eingeführt und fördern deren Ausbildung. Auch die Anstrengungen der Politik haben sich verstärkt - mit dem Effekt, dass Eltern, die eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung suchen bzw. fordern, heute die öffentliche Meinung und die besseren Argumente auf ihrer Seite haben.
Während aber die Kinderbetreuung tagsüber für die Kleinsten in anderen Ländern längst selbstverständlich ist und sich die Eltern dort höchstens fragen, welche Einrichtung die beste für ihr Kind ist, stellen sich bei uns immer noch viele Eltern die Grundsatzfrage: „Sollen wir das überhaupt machen?“
Die gute Nachricht: Die Betreuung der unter Dreijährigen lässt sich meist so einrichten, dass Mütter und Väter keine großen Bedenken haben müssen. Zwar sagt die Bindungsforschung, dass sich Babys bei einer festen Bezugsperson geborgen fühlen müssen, um gesund aufwachsen zu können, aber aus dieser Verankerung heraus können Babys auch Geborgenheit in einer Zweit- oder Drittbeziehung entwickeln - und sogar Gewinn daraus ziehen.
Fein raus ist, wer auf ein betriebliche Kinderbetreuung zurückgreifen kann: Baby zur Arbeit mitbringen, in den Pausen besuchen und zwischendurch stillen - ein in Deutschland leider noch seltenes Privileg. Üblich sind zwei Formen der Kinderbetreeung:
Beide sind oft Teil einer „Kindertagesstätte“, die aber in manchen Bundesländern nur so heißt, wenn sie ganztags geöffnet ist. Es kann also gut sein, dass man auch im Kindergarten eine Krippengruppe findet.
Hans Jochmann plädiert dafür, zunächst einen Krippenplatz für sein Baby zu suchen. Er schätzt das Engagement der Tagesmütter. Aber er hebt auch hervor, dass in den Einrichtungen die öffentliche Kontrolle größer und die Ausbildung des Personals meist besser sei. Auch neue pädagogische Erkenntnisse würden dort schneller umgesetzt. Dennoch ist sich Jochmann sicher: Tagesmütter sind unverzichtbar. So hat er sich mit ihnen vernetzt, um auch solche Babys und Kinder kurzfristig versorgen zu können, denen er auf Anhieb keinen Platz anbieten kann.
Nachdem sich Eltern beim Jugendamt, im Freundeskreis oder Internet einen Überblick über das Angebot der Kinderbetreuung vor Ort verschafft haben, sollten sie die Alternativen kritisch prüfen, rät Kindergarten-Chef Jochmann: „Sehen Sie sich um. Die räumlichen Voraussetzungen sind sehr wichtig. Und fahren Sie Ihre Antennen für das Atmosphärische weit aus. Denken Sie daran, wie sensibel Kinder für Stimmungen, das Klima und zwischenmenschliche Umgangsformen sind. Sprechen Sie auch ausführlich mit dem Fachpersonal und der Einrichtungsleitung. Fühlen Sie sich ernst genommen? Natürlich sollten Sie auch erkunden, wer sich im Alltag um Ihr Kind kümmert und welche Erzieherin mit ihm eine enge persönliche Bindung eingehen wird. Diese Voraussetzungen müssen einfach stimmen.“
Ähnlich argumentiert die Frühpädagogin Marion Musiol: „Der enorme Fortschritt, den wir in den vergangenen Jahren in der frühkindlichen Lernforschung gemacht haben, sagt uns: Schon die Kleinsten wollen pädagogische Angebote, wollen Anregung, wollen lernen. Aber sie können nur lernen, wenn sie sich aufgehoben und sicher fühlen. Deswegen betonen wir die Beziehung zu den Betreuenden so sehr.“
Also: Es ist zweifellos gut, wenn schon größeren Babys technisches Verständnis vermittelt und Experimente angeboten werden - Priorität hat aber das seelisch-emotionale Wohlbefinden. Auch das soziale Lernen verliert durch den aktuellen Trend zum „mehrsprachigen Physiker in Windeln“ nicht an Bedeutung. So fällt es Babys in der Trotzphase leichter, sich von den Größeren in der Gruppe Grenzen aufzeigen zu lassen, als das bei den eigenen Eltern der Fall wäre - nach wie vor einer der Vorzüge kindlicher Teamarbeit.
Findet sich also bei genauem Hinschauen keine Einrichtung, der Eltern ihr Baby vorbehaltlos anvertrauen können, ist es Zeit, sich nach einer Tagesmutter umzusehen. Auch in diesem Fall empfiehlt sich eine genaue Prüfung, denn die Qualität der Betreuung ist hier in besonderem Maß abhängig von der Bezugsperson. Es gibt leider immer noch Tagesmütter, die den lieben langen Tag Kassetten für das Baby abspielen und den Speiseplan auf Nudeln mit Ketchup genormt haben. Es gibt aber auch eine Menge wahrer Goldstücke, denen es auf Anhieb gelingt, dem Baby Wohlbefinden und Geborgenheit zu vermitteln. Nehmen Sie sich also genug Zeit zum Kennenlernen - und bringen Sie im Zweifelsfall auch den Mut auf, Nein zu sagen.

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