
Vom Reflex zur präzisen Bewegung: Wie sich das Greifen entwickelt, was Babys dafür lernen müssen - und wie Eltern diese Entwicklung beim Baby fördern.
Mit dem Greifen beginn das Baby, seine Umwelt gezielt zu erkunden. Das kann ein Baby allerdings erst ab dem 5. Lebensmonat.
Ein neugeborenes Baby kommt mit einem Greifreflex zur Welt. So kommt es, dass ein wenige Tage altes Baby die Hand in die Nähe eines Gegenstands bringen, den sie dicht vor Augen haben - sie können für wenige Wochen Blick und Handbewegung koordinieren. Doch bis zum Ende des 3. Lebensmonats verschwindet der Reflex wieder.
Aber der Reihe nach: Obwohl das Sehvermögen nach der Geburt noch nicht sehr gut ausgebildet ist, wird es schneller perfektioniert als die Motorik: „Im Gegensatz zur landläufigen Meinung zeigt die Forschung, dass Sehen und Hören in den ersten Monaten vor der Motorik und dem Greifen dominieren“, sagt der Münchner Entwicklungspsychologe Prof. Rolf Oerter.
Daher sehen gerade die ersten Greifversuche auch etwas ungelenk aus. Manchmal entsteht der Eindruck, die Kleinen wollten mit dem ganzen Körper versuchen, an den Gegenstand ihres Interesses zu kommen. So kann der Anblick eines bunten Holztierchens wahre Begeisterungsstürme auslösen: Das Baby rudert wie wild mit den Armen, während es fröhlich dabei strampelt und prustet.
Wenn ein wenige Wochen altes Baby nach etwas greifen will, bewegt es immer den ganzen Arm. Und beugt oder streckt es ihn, beugt und streckt es gleichzeitig die Finger. Entwicklungspsychologen sprechen von der „synergetischen Kopplung“. Die verschwindet mit etwa 2 Monaten: Dann ballt das Baby seine Hand zur Faust, wenn es den Arm streckt. Der schwedische Entwicklungspsychologe Claes von Hofsten stellte in Studien fest, dass ein 3 Monate altes Baby schon die Händchen öffnen, wenn es ein Objekt mit den Augen fixiert und gleichzeitig die Arme bewegt. Es versucht also danach zu greifen, allerdings ohne Erfolg.
Vorübergehend ist ein Baby jetzt mit der Hand-Auge-Koordination einigermaßen überfordert. Im Alter zwischen 2 und 4 Monaten kann es daher auch vorkommen, dass ein Baby etwas in den Blick nimmt und gleichzeitig etwas anderes betastet. Der Tastsinn wird ein Baby ohnehin jetzt immer wichtiger: Sie können sogar Gegenstände durch Anschauen wiedererkennen, die sie vorher nur mit den Händen erfühlt haben.

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