Den Babybrei kochen oder kaufen?

Streitthema Babybrei: Sollte man den Brei lieber selbst kochen oder kann man auch ohne schlechtes Gewissen zum Gläschen im Supermarkt greifen? Und worauf sollte man beim Zubereiten und Aufbewahren achten? Unser kleiner Brei-Ratgeber.


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Der Streit um den Brei


In Sachen Babyerziehung und -ernährung gibt es leider unsagbar viele Streitthemen. Eines davon ist die Zubereitung des Babybreis. Kaum stellt man ganz unschuldig die Frage „Kochen oder kaufen?“, schon herrscht Krieg. Mütterkrieg. Da treffen vermeintliche „Rabenmütter“ auf „Übermuttis“, es fallen Begriffe wie „Industriefraß“ und „Gehirnwäsche“… Stop! Wir machen da nicht mit. Und Sie hoffentlich auch nicht. Denn schließlich wollen wir alle das Beste für unser Kind. Wie das in Sachen Babybrei aber aussieht, das darf und sollte jede Familie für sich allein entscheiden. Denn Ärzte und Wissenschaftler sind sich einig: Selbstgekocht oder gekauft, beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Doch keine der beiden Möglichkeiten stellt per se die bessere oder schlechtere Wahl dar.

Babybrei: Kochen oder kaufen?

Selberkochen oder kaufen? Beide Varianten haben Vor- und Nachteile.


© iStock / vision net ag
Brei selbst kochen heißt: Sie haben die volle Kontrolle

Die allgemeine Empfehlung in den meisten Baby-Ratgebern lautet: Den Brei wenn möglich selbst kochen. Denn das Selberkochen hat einen großen Vorteil: Die Eltern haben die volle Kontrolle darüber, was im Brei landet und was nicht. So können einzelne Zutaten behutsam eingeführt und Unverträglichkeiten frühzeitig erkannt werden. Außerdem können Sie beim selbstgekochten Brei sicher sein, dass keine Zusätze wie Zucker, Salz, Gewürze oder Aromen enthalten sind - schließlich sind Sie der Koch! Und ganz ehrlich: Das Breikochen ist kein Hexenwerk, vor allem nicht in den ersten Beikost-Wochen. Ein bisschen Gemüse (und Fleisch) dünsten, pürieren und mit einem Teelöffel Öl verrühren – schon ist der Brei fertig, bestenfalls sogar auf Vorrat für die nächsten Tage.

Noch einen Vorteil sehen Ernährungsexperten im selbstgekochten Brei: Anders als bei der automatisierten Herstellung schmeckt Selbstgekochtes jedes Mal ein bisschen anders. Ursache dafür ist das Gemüse selbst, das je nach Herkunft und Jahreszeit mal mehr und mal weniger intensiv schmeckt. Auch minimale Schwankungen in der Menge der Zutaten oder in der Kochdauer lassen den Breigeschmack variieren. Das trainiert den Geschmackssinn und fördert die Akzeptanz gegenüber neuen Geschmäckern.
Der große Nachteil am Selberkochen: Die Zutaten müssen möglichst frisch eingekauft, geschält, geschnitten, gekocht und püriert werden. Auch wenn sich der Arbeitsaufwand im Großen und Ganzen in Grenzen hält, kocht sich der Brei leider nicht von selbst. Dazu kommt der Abwasch. Was man nicht unterschätzen darf: Kein Baby ist wie das andere. Manche Babys fordern ihre Eltern mehr als andere, da kann das Selberkochen und alles was damit zusammenhängt zu einem weiteren Stressfaktor werden. Und so gut man es mit seinem Kind meint, wenn das Zubereiten der Mahlzeiten Kraft und Nerven raubt, dann sollte man vielleicht lieber zum Gläschen greifen. Schließlich braucht Ihr Kind nichts mehr als geduldige und ausgeglichene Eltern.

Ein weiterer Nachteil: Häufig wird die empfohlene Jod-Zufuhrmenge im selbstgekochten Brei nicht erreicht. Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) empfiehlt daher beim Milch-Getreide-Brei hin und wieder zu einer industriell-hergestellten und mit Jod-angereicherten Variante zu greifen.

➤ Das gibt es beim Selberkochen zu beachten:

•  Bio-Produkte sind die bessere Wahl, aber auch herkömmliche Lebensmittel
   eignen sich für Babys.
•  Achten Sie bei der Auswahl des Gemüses auf einen niedrigen Nitratgehalt.
•  Bereiten Sie den Brei möglichst frisch zu. Wenn Sie auf Vorrat kochen, frieren
   Sie den Brei portionsweise ein.
•  Haltbarkeit: Für Säuglinge unter sechs Monaten max. 24 Stunden im Kühlschrank.
   Für Babys älter als sechs Monate zwei bis drei Tage im Kühlschrank. Im
   Gefrierfach hält selbstgekochter Brei zwei bis drei Monate.
•  Schon einmal erwärmten Brei nicht noch einmal erwärmen, da sich sonst Keime
   vermehren und Vitamine verloren gehen.
Brei kaufen spart Zeit und Arbeit, geht aber ins Geld
Die industrielle Herstellung von Babynahrung unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben, die in der sogenannten Diätverordnung geregelt sind. Demnach dürfen Nahrungsmittel für Säuglinge und Kleinkinder keine Rückstände von Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln oder anderen potenziellen Schadstoffen enthalten. Lebensmittel, die mit bestimmten Stoffen dieser Art in Berührung gekommen sind, dürfen für die Herstellung häufig gar nicht erst verwendet werden. Zudem gelten hohe Hygienestandards für die Herstellung von Babynahrung. Die Einhaltung derer wird streng kontrolliert. Industrielle Babykost ist also in der Regel sicher und praktisch schadstofffrei.

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Dazu sind Gläschen viel schneller und bequemer zuzubereiten. Sie werden in der Mikrowelle oder im Wasserbad erhitzt und sind innerhalb weniger Minuten fertig. Und sie sind super praktisch für unterwegs und auf Reisen. Außerdem können Sie die Gläschen auf Vorrat kaufen und müssen so nicht alle paar Tage los um frische Zutaten einzukaufen. Aber: Dafür ist die Gläschenkost auch teurer als das Selberkochen.

Ein weiteres großes Aber: Es gibt kein grundlegendes gesetzliches Verbot für Zusatzstoffe in Babykost sondern nur Einschränkungen und Begrenzungen. Und das ist es, was Verbraucherschützern sauer aufstößt. Babys brauchen weder Süßungsmittel noch Salz oder Aromen in ihrem Brei. Jedoch schmecken gewürzte und aromatisierte Speisen intensiver und sind damit oft reizvoller als naturbelassene. Und sie trimmen die jungen Geschmacksnerven auf den unnatürlichen Geschmack. Naturbelassene Lebensmittel schmecken früher oder später einfach fad und werden nicht mehr gern gegessen.

Ernährungsexperten kritisieren weiterhin die zum Teil unsinnigen Altersempfehlungen der Hersteller industrieller Beikost. Nicht immer sind die enthaltenen Zutaten für Kinder des aufgedruckten Alters schon sinnvoll. Und häufig verleitet die unübersichtliche Sortenvielfalt dazu, dem Kind zu früh zu viele verschiedene Lebensmittel anzubieten.

Doch – und das ist das Gute – Sie als Verbraucher haben letztendlich die Wahl. Informieren Sie sich über die Empfehlungen zur gesunden Baby-Ernährung und lesen Sie die Inhaltsstoffe der Babykost vor dem Kauf gut durch. Verweigern Sie Produkte mit übermäßig vielen Zutaten und Zusätzen einfach. Je weniger Zutaten auf dem Etikett aufgeführt sind, desto besser.

➤ Das gibt es beim Kauf zu beachten:

•  Vermeiden Sie Produkte mit Zusätzen wie Zucker, Salz und Aromen (auch
   keine natürlichen Aromen!).
•  Wählen Sie Produkte mit möglichst wenigen Zutaten.
•  Lassen Sie sich nicht allein von aufgedruckten Altersempfehlungen verleiten,
   sondern informieren Sie sich vor dem Kauf über altersgerechte Lebensmittel.
•  Auch hier gilt: Bereits einmal erwärmter Brei sollte nicht wieder erwärmt werden.
   Ist die Menge eines Gläschens für Ihr Baby zu viel, entnehmen Sie vor dem
   Erwärmen die benötigte Menge mit einem sauberen Löffel.
•  Angebrochene und nicht erwärmte Gläschen halten sich im Kühlschrank maximal
   drei Tage.

Babybrei kochen oder kaufen: Vor- und Nachteile


© iStock / vision net ag
Also: Ob kochen oder kaufen, Sie entscheiden!

Und überhaupt müssen sich beide Varianten ja nicht ausschließen. In vielen Familien gibt es beides – selbstgekocht, wenn es die Zeit und die Situation zulassen und gekauft, wenn es gerade nicht so ist. Unser Tipp: Probieren Sie das Selberkochen zumindest einmal aus und Sie werden sehen, wie unkompliziert es ist. Kochen Sie die Breimahlzeiten auf Vorrat und frieren Sie sie ein – so haben Sie die Arbeit nur einmal für mehrere Tage. Zudem können spezielle Dampfgarer und Mixer für Babynahrung die Zubereitung erleichtern - sie sind aber natürlich kein Muss.

Und wenn es einmal schnell gehen muss oder Sie nicht kochen möchten, dann lassen Sie sich bitte kein schlechtes Gewissen einreden, wenn Sie zum Gläschen greifen. Achten Sie beim Kauf einfach darauf, dass möglichst wenige Zusätze darin enthalten sind. Kaufen Sie nur die Produkte, deren Inhaltsstoffe Sie beim Selberkochen auch verwenden würden.

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