Bedürfnis nach Familienähnlichkeiten


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Bedürfnis nach Familienähnlichkeiten

Sobald ein Baby auf die Welt kommt, ist es für alle ein großes Vergnügen, sie festzustellen: „Die Augen von Papa, die Mimik von Opa!“ „Und diese Händchen! Wie die große Schwester!“ „Und diese heitere Gelassenheit - ganz die Mama!“ Seien Sie jetzt ganz tapfer: Es ist zum Teil nichts als Einbildung. Gerade bei einem Baby kann man noch nicht sehr viele Familienähnlichkeiten feststellen. Und schon gar keine bedeutsamen Charakterzüge. Aber wenn es eine Täuschung ist, ist es immerhin eine sinnvolle. „Es ist ein Ur-Bedürfnis des Menschen, Familienähnlichkeiten festzustellen“, meint der Entwicklungspsychologe Professor Franz Neyer von der Uni Vechta, der erforscht, wie Blutsverwandtschaft auf unsere Beziehungen wirkt. Ähnlichkeit schafft Nähe und erzeugt Bindung. Auf diese Weise wird das Neugeborene in die Familie aufgenommen. Die Überzeugung: „Da ist jemand, der zu uns gehört“, lässt die Anstrengungen der ersten Monate leichter ertragen und stärkt die Beziehung. Das gilt besonders für die zwischen Vater und Kind. Denn während die Mutter sich ganz sicher sein kann, dass sie die Mutter ist, besteht beim Vater (rein theoretisch zumindest) immer die Möglichkeit, dass es doch das Baby eines anderen ist. Die Wissenschaft bestätigt das. Nach Studien der amerikanischen Universität Virginia in Richmond sind etwa fünf bis zehn Prozent aller Babys so genannte „Kuckuckskinder“. Für Väter sind Ähnlichkeiten daher häufig besonders wichtig, da sie der sichtbare Beweis dafür sind, dass sie der Erzeuger ihres Nachwuchses sind.