Dr. Ulrich Rabenschlag über das Zeitgefühl beim Baby und wie sich Eltern am besten darauf einstellen können:
Baby&Co: Haben Babys schon im Bauch einen Schlafrhythmus?
Dr. Ulrich Rabenschlag: Ja, aber keinen Tag-Nacht-Rhythmus. Das Gehirn ist erst sehr spät in der Schwangerschaft so weit entwickelt, dass es überhaupt schlafen kann – etwa ab der 36. Woche. Die Ruhepausen des Fötus treten immer dann auf, wenn die Mutter aktiv ist. Und das Ungeborene wird selbst aktiv, wenn die Mutter schläft. Das ist eine von der Natur eingerichtete Schutzreaktion, um zu gewährleisten, dass das Baby mit genügend Sauerstoff versorgt ist.
Wenn das Baby dann auf der Welt ist – in welchem Alter beginnt es sich an einen Tag-Nacht-Rhythmus zu gewöhnen?
In den ersten 3 Monaten gibt es noch keine Regelmäßigkeit, erst ab dem 4. Monat entwickelt sich das Schlafzentrum langsam so weit, dass sich so etwas wie ein Rhythmus zeigt. Aber darauf kann man sich noch nicht verlassen – mal schläft das Baby 3 Tage hintereinander um die gleiche Stunde ein, dann wieder einige Tage lang zu einer anderen Zeit. Das Reifungstempo des Schlafzentrums ist genetisch bedingt. Kinder und ihre Schlafgewohnheiten zu vergleichen bringt also nichts – oder höchstens Frust. In den ersten 3 Monaten sollte sich die Mutter möglichst ganz an den Rhythmus ihres Babys anpassen und schlafen, wenn es schläft, um dann in den Wachphasen genug Kräfte zu haben.
Wie viel Schlaf ist in den ersten 3 Monaten normal?
Durchschnittlich schlafen Babys in diesem Alter 15 Stunden plus/minus 2 Stunden. Aber es gibt auch „Ausreißer“ in beide Richtungen: Manche Säuglinge schlafen sogar 20 Stunden am Tag, anderen reichen 11 Stunden aus. Das ist eher selten, aber beides kein Grund zur Besorgnis.
Ab wann kann man Babys langsam an einen Tag-Nacht-Schlafrhythmus gewöhnen?
Ab etwa dem 4. Monat verlagert sich der Schlaf langsam in die Dunkelheit. Bei dieser „Anpassungsarbeit“ können Eltern ihre Babys sanft unterstützen, indem sie sie zwischen 21 und 23 Uhr zum letzten Mal füttern und wickeln und dann mit einem Ritual ins Bettchen legen. Es ist aber noch zu früh, um das Einschlafen zwingend zu erwarten. Erst ab dem 6. Monat können Kinder langsam feste Schlafenszeiten mitmachen.
Hilfreich sind in dieser Phase ein geordneter Tagesablauf und Reizabschirmung am Abend. Jetzt ist auch wichtig, dass der Schlafort immer derselbe ist. Wenn das Baby nicht in den Schlaf findet, kann man es mit Singen, leisem Sprechen, Streicheln oder leichtem Massieren beruhigen. Sie sollten Ihr Baby aber nicht wieder aus dem Bett heben. Das Kind soll lernen, in der Horizontalen allein einzuschlafen. Schläft es an der Brust oder auf dem Arm ein, wird dieser notwendige Lernprozess verhindert.
Ist jetzt der richtige Moment gekommen, Schlaf-Programme auszuprobieren?
Es gibt verschiedene Programme, die Eltern helfen sollen, mit ihren Kindern feste Einschlafzeiten einzuüben. Aber man sollte damit frühestens beginnen, wenn das Kind ein Jahr alt ist.
Ist ein Schnuller als Einschlafhilfe sinnvoll?
Ich bin der Meinung, dass ein Baby keinen Schnuller braucht. Es gibt keinen Grund, ihm einen zu geben. Aber wenn der Einsatz eines Schnullers den Eltern eine Erleichterung bringt, finde ich es legitim. Die Wünsche der Eltern und ihr Wohlbefinden sind schließlich auch sehr wichtig.

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