Babys können ihre Freunde noch nicht selbst einladen. Dann tun Sie es! Freunde fördern die Entwicklung Ihres Babys. Und auch Sie profitieren.

Sie geben sich Küsschen, nehmen sich gegenseitig Spielzeug weg, krabbeln aufeinander zu, ziehen sich an den Haaren. Und manchmal sitzt jeder in seiner Ecke und spielt vor sich hin, ohne den anderen nur eines Blickes zu würdigen. Trotzdem lieben Babys den Kontakt zu Gleichaltrigen. Und brauchen ihn sogar für ihre Entwicklung! Umso besser, denn so können auch die Mamas Kontakte knüpfen und gegenseitig Babysitter spielen. Mit unseren Tipps gewinnen Sie leicht das Vertrauen eines anderen Babys – und das seiner Mutter.
Zuerst müssen sich die neuen Freunde an die fremden Menschen und die neue Umgebung gewöhnen. Nehmen Sie es aber nicht gleich auf den Arm. „Das Kind muss erst einmal Vertrauen schöpfen“, sagt Kerstin Gutmann-Waetzel vom Verein „Eltern werden – Eltern sein“ in Freiburg. Vielleicht wollen die kleinen Freunde die Umgebung zunächst auf ihre Art erkunden: etwas umherrobben, Teppichfransen begutachten und sich am Couchtisch hochziehen. Am Anfang bleiben Babys meist noch in der Nähe seiner Mutter, dann trauen sie sich weiter weg. „So gewinnen sie nach und nach Selbstsicherheit“, sagt die Hamburger Psychologin Saskia zur Nieden.
Deshalb ist es auch so wichtig, dass sich die Mütter zunächst einmal zu ihren Babys auf den Boden setzen. „Denn dann können die Kinder beim Spielen in der neuen Situation auf die vertraute Nähe zurückgreifen und haben Blickkontakt zur Mutter.“ Schön ist es, wenn sich Babys und Mütter nun regelmäßig treffen, etwa ein bis zweimal in der Woche. Wann die Freunde reif dafür sind, auch mal ohne Mama dazubleiben, zeigen sie selbst. Dann quieken sie beim Kommen freudig, entfernen sich schnell von ihrer Mutter, erkunden alleine die Räume und lassen sich von der Gastgeber-Mama auf den Arm nehmen.
Wichtig ist auch, dass sich die Mütter wohlfühlen. „Kinder spüren das und sind dann viel entspannter“, sagt Gutmann-Waetzel. Ideal also, wenn zwischen den Frauen die „Chemie“ stimmt. Babys unter einem Jahr sollten ihren Rhythmus und ihre Gewohnheiten beibehalten können. Werden die kleinen Freunde müde und fühlen sich noch nicht heimisch, ist es das Beste, wenn die Mütter sie wieder in den Kinderwagen packen und nach Hause fahren. Sind die Kinder schon über ein Jahr alt, ist es dagegen Zeit, auch einmal Neues auszuprobieren. Servieren Sie etwa einen Obstteller als Snack. „Das kann auch zum schönen gemeinsamen Ritual werden“, sagt Saskia zur Nieden.
Freundschaft spielt bei Kindern unter einem Jahr noch kaum eine Rolle. Dennoch: „Selbst kleine Babys sitzen lieber zu zweit als alleine auf dem Boden“, erklärt PEKiP-Gruppenleiterin Gutmann-Waetzel. Auch, wenn sie dann mehr nebeneinanderher als miteinander spielen. Mit zunehmendem Alter ändert sich das. Wenn Babys vier Monate alt sind, nehmen sie sich gegenseitig wahr. Mit acht Monaten schauen die Kleinen Dinge voneinander ab. Ab etwa einem Jahr beobachtet das eine Baby das andere lächelt es an oder greift nach ihm.
Sechs Monate später „schenken“ sich die Babys Spielzeug. Mit etwa zwei Jahren beginnen Kinder, gemeinsam zu spielen. Meist entwickeln Babys und Kleinkinder eigene Spielideen. Etwa, einen Stift und einen Plastikbecher aneinanderzuschlagen. Aber sie freuen sich auch über Anregungen. Zum Beispiel Salzteig kneten oder gemeinsam Bilderbücher anschauen. Und natürlich lieben sie Spielsachen. Zu viele davon sollte man aber nicht auf dem Boden ausbreiten. „Zwei bis drei Dinge sind völlig ausreichend“, sagt Saskia zur Nieden.
Und was tun, wenn Streit aufkommt? „Wichtig ist, Trost und Schutz zu geben“, sagt Psychologin zur Nieden. Hat ein Kind das andere etwa mit einem Klotz gehauen, kann es sein, dass beide Kinder weinen: das eine, weil es Schmerzen hat, das andere, weil es erschrocken ist. Da hilft, beide in den Arm zu nehmen. Natürlich kann ein Baby auch mal eifersüchtig werden, wenn Mama ein anderes Kind tröstet. Doch das ist eine Erfahrung, die die Entwicklung sozialer Kompetenz fördert. Sympathie und Vertrauen des Gastkindes kommen ganz von allein, wenn die Atmosphäre stimmt. Und dafür sorgen schon Kleinigkeiten. „Liebt ein Baby Bälle, ist das Eis schon gebrochen, wenn man ihm einen Ball zurollt“, sagt Kerstin Gutmann-Waetzel. Und dem Beginn einer schönen „Sandkasten-Freundschaft“ steht nichts mehr im Weg!
Prof. Dietrich Petersen, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie aus Langen-Debstedt, über den Umgang mit Eifersucht bei Babys.
baby&co: Können Babys eifersüchtig werden?
Prof. Dietrich Petersen: Nach einer Studie der Universität Texas zeigen schon sechs Monate alte Kinder Eifersucht. Vermutlich ist das wichtig zum Überleben: „Wie sichere ich die Aufmerksamkeit der Mutter, damit ich Nahrung bekomme?“
Müssen Kinder schon früh mit Frust umgehen lernen?
Säuglinge nicht. Mit zunehmenden Alter allerdings muss sich ein Kind zu einem „sozialen Wesen“ entwickeln und lernen, dass es Aufmerksamkeit teilen muss und kann. Die Entwicklung einer Frustrationstoleranz beginnt etwa mit drei Jahren.
Hilft Trost bei Eifersucht?
Trost hat viel mit Schuldgefühlen zu tun. Als hätte man dem Kind etwas damit angetan, ihm kurzzeitig die Aufmerksamkeit zu entziehen! Das ist aber – das passende Alter vorausgesetzt – überhaupt nicht der Fall. Vielmehr macht das Kind die Erfahrung: Meine Mutter kommt wieder, und ich habe das mit meiner Unlustreaktion selbst bewirkt. Reagieren Sie also besser mit viel Lob, wenn Ihr Kind mal kurz zurückstecken musste. Sprechen Sie es normal an und interessieren Sie es für etwas Neues.

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