Tasten und Gleichgewicht:
Der Tastsinn ist bei der Geburt recht gut entwickelt, aber längst nicht ausgereift. Neugeborene wissen zwar, dass sie berührt werden, können aber nicht genau orten, wo. Es dauert etwa ein Jahr, bis die zuständigen Hirnregionen die richtige Verkabelung und die nötige Erfahrung haben, um das zu bestimmen. Damit sich Tast- und Gleichgewichtssinn optimal entwickeln, brauchen sie Bewegung.
„Im Grunde unseres Wesens sind wir Traglinge“, sagt Kinderpsychiater Gunther Moll. „Durch die Anstöße, die Berührungen erhält das Gehirn entscheidende Impulse.“ Eltern sollten also viel mit ihren Kindern hopsen, tanzen und kuscheln: „Der Gleichgewichtssinn ist direkt mit den emotionalen und kognitiven Zentren verbunden. Je mehr er angeregt wird, desto besser.“
Sehen:
Das Sehen ist bei der Geburt am schlechtesten entwickelt. Kein Wunder: Im dunklen Mutterleib gibt es nichts Interessantes zu entdecken. Obwohl unsere Augen als Erste aller Sinnesorgane angelegt werden - schon in der vierten Schwangerschaftswoche -, brauchen sie mit am längsten, ehe sie wirklich einsatzbereit sind. Daher sehen Babys die Welt zunächst wie durch eine Milchglasscheibe, ohne Farbe oder Tiefenschärfe.
Erst im etwa achten Monat können Babys klar fokussieren und mit etwa einem Jahr so gut sehen wie Erwachsene. Diese eher langsame Entwicklung kommt den anderen Sinnen zugute. Denn ist der Sehsinn erst ausgereift, wird er zur primären Informationsquelle, der alle anderen Sinne buchstäblich in den Schatten stellt.
Motorik:
Wie jede Schwangeren weiß, absolviert ein Kind schon im Bauch ein umfangreiches Muskel-Trainingsprogramm. Trotzdem ist ein Neugeborenes zunächst nicht in der Lage, seine Bewegungen zu koordinieren, da die nötigen Hirnverbindungen erst geknüpft werden müssen. Die motorischen Zentren verdrahten sich von oben nach unten. Zuerst kommen Kopf, Mimik und Hals, dann die Arme und schließlich die Beine.
Diese Reihenfolge ist immer gleich, daher bewältigen Kinder überall auf der Welt die Kunst des Greifens oder Krabbelns etwa zur gleichen Zeit in ihrer Entwicklung. Die motorische Entwicklung beeinflusst die der anderen Sinne: „Sobald es greifen oder krabbeln kann, verändert sich die Sichtweise eines Babys und macht neue Erfahrungen möglich“, sagt die US-amerikanische Neurobiologin Lise Eliot.

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