Warum Blau für Jungen und rosa für Mädchen?
Warum es sich in unserer Kultur eingebürgert hat, dass Jungen in Blau und Mädchen in Rosa gekleidet werden, dafür gibt es widersprüchliche Erklärungen. Eine These lautet: Wurde ein Junge geboren, galt es, den Stammhalter vor Geistern zu schützen. Über Jahrhunderte hinweg vertraute man dabei auf die Farbe Blau als die Farbe des Himmels, dem Königreich des Guten.
Warum aber zog man Mädchen nicht auch blau an? Vermutlich hatte man schon immer das Bedürfnis, auch für die Umwelt klar erkennbar zu machen, ob der Säugling männlich oder weiblich ist. Und so entschied man sich im alten Europa wohl deshalb bei den Mädchen für Rosa, weil es der Hautfarbe des Babys nahe kam und der Farbton als erdverbunden und rein galt.
Sicher ist: Während sich in den vergangenen Jahrhunderten die Menschen stets einen Stammhalter wünschten und man sich bei Mädchen hauptsächlich darum sorgte, wie man die teure Aussteuer zahlen könnte freuen sich Eltern heute mindestens genauso sehr über ein Mädchen wie über einen Jungen.
In den Industrienationen weniger Jungen
Der Bioethiker Edgar Dahl befragte im Jahr 2003 in einer großen Studie 1094 Männer und Frauen nach ihren Kinder-Wünschen. Der Mehrheit war das Geschlecht ihrer Kinder egal. 30 Prozent wünschten sich mindestens zwei Kinder: und zwar sowohl einen Jungen als auch ein Mädchen. Und nur je ein Prozent der Befragten hoffte, entweder ausschließlich Mädchen oder ausschließlich Jungen zu bekommen.
Seit einigen Jahren werden in vielen Industrienationen immer weniger Jungen geboren. Denn gerade männliche Samenzellen und Embryonen reagieren sensibel auf Umwelteinflüsse wie Stress und Umweltchemikalien.
Italienische Wissenschaftler stellten fest, dass sehr dünne Frauen, die weniger als 54 Kilo wiegen, statistisch gesehen seltener einen Jungen zur Welt bringen. Japanische und dänische Forscher konnten nachweisen, dass Rauchen vor und während der Schwangerschaft die Rate der Jungen stark reduziert.
Doch auch andere Einflüsse wirken auf die männlichen Embryonen. So beobachtete das Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung, dass im Jahr nach dem Mauerfall die Jungen-Geburten messbar abgenommen hatten. Die Forscher erklären dies mit dem in dieser Zeit größeren psychischen Stress für die Menschen.

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