Bei den meisten Reflexen leuchtet es sofort ein, warum sie da sind. Andere sind kuriose Überbleibsel unserer Evolution. So wie der Moro-Reflex, der so heißt, weil ihn der deutsche Kinderarzt Ernst Moro als Erster beschrieb. „Kippt bei einem Positionswechsel der Kopf eines Babys nach hinten, wird es ruckartig die Arme ausstrecken und sofort wieder anziehen“, beschreibt Lise Eliot diese Reaktion, die viele Eltern erschreckt, weil sie so heftig ist. „Die Moro-Reaktion können wir schon im achten Schwangerschaftsmonat beobachten. Sie zeigt, dass sich die Gleichgewichtsorgane ausgebildet haben. Sonst würde das Baby ja gar nicht wissen, dass es gerade kippt.“
Wozu der Reflex einst gut war, wird klar, wenn wir Affenkinder beobachten. Da sorgt dieser Reflex dafür, dass sie nicht herunterfallen, wenn sich die Mutter bewegt, sondern sie sich stärker festklammern.
Wahrscheinlich erfüllte der Magnetreflex einst eine ähnliche Funktion: Drückt man einem Baby auf die Fußsohlen und zieht die Hand langsam zurück, wird es während der ersten zwei Lebensmonate die Beine strecken und so versuchen, den Kontakt halten.
Zusammen mit dem Greifreflex des Fußes, bei dem sich die Zehen schon bei leichtem Druck zusammenkrallen, haben sich so wohl auch Menschenbabys in grauer Vorzeit an der Mutter festgehalten.

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