Während des ganzen ersten Lebensjahres und noch Monate darüber hinaus werden im Gehirn Milliarden Nervenzellen miteinander verknüpft, andere Verbindungen werden wieder abgeschaltet. Viele Lernprozesse müssen allein dem Sehen gewidmet werden. Nur weniges ist bereits fest „vorinstalliert“. Darunter aber das Allerwichtigste: Die Fähigkeit, Gesichter zu erkennen.
Das gelingt schon von Geburt an. Ganz zuverlässig können die Neugeboren „Punkt-Punkt-Komma-Strich“, also die Grundgestalt des menschlichen Antlitzes, von allen möglichen anderen geometrischen Figuren unterscheiden. Forscher haben damit allerlei Experimente gemacht, zum Beispiel Strich und Pünktchen auf Pappgesichtern einfach vertauscht. Das mögen Babys aber gar nicht - das reflexhafte, anrührende Lächeln, mit dem sie ein Gesicht für sich einnehmen möchten, wird dann verweigert.
Auch das Verfolgen von Gegenständen gelingt von Anfang an: Wer etwas Auffälliges langsam durch das Gesichtsfeld eines Babys „schweben“ lässt, sieht, wie die Äuglein schon exakt folgen können. Aber der Sinn für Proportionen, das Sehen von Blau- und Gelbtönen und der Tiefe des Raums, die Koordination von Hand und Auge beim Greifen, das alles muss geübt und erlernt werden.

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