Beim Sehen lernen kann es allerdings auch Komplikationen geben:
„Etwa bei jedem dreißigsten Kind findet sich bei späteren Untersuchen eine sogenannte Amblyopie“, sagt Wolfgang Cagnolati, der an der Technischen Fachhochschule Berlin Augenoptik und Optometrie lehrt.
„Das ist eine Sehschwäche, die sich in der kindlichen Entwicklung herausbildet, also nicht von vornherein angelegt ist. Ein Auge kann organisch gesund sein, aber wenn Sie es nicht adäquat durch Lichtreize stimulieren, entwickelt es eine Sehverschlechterung.“
Eine entscheidende Ursache für eine Verschlechterung ist das Schielen. Deshalb wird bei den U-Untersuchungen besonders darauf geachtet, dass die beiden Blickachsen richtig stehen. Fehler können unterschiedliche Ursachen haben - etwa die ungleiche Entwicklung der Augenmuskeln oder auch eine ausgeprägte Form der Weitsichtigkeit, bei der die Versuche, das Bild scharfzustellen, das Schielen bewirken. Generell lässt sich Schielen aber sehr gut behandeln.
Silberblick in den ersten drei Monaten nicht ungewöhnlich
Allerdings ist es in den ersten drei Lebensmonaten normal, dass die Abstimmung der Augen noch nicht genau funktioniert. Zum einen, weil der Bewegungsapparat der Augen noch nicht so weit ist. Vor allem aber, weil das Gehirn die beiden Einzelbildchen noch nicht aufeinanderlegen kann. Das übt es viele tausend Male. Mit sechs, sieben Monaten ist der gelegentliche Silberblick dann passé.
Wenn nicht, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, einen Arzt nachschauen zu lassen. Manches, was uns Große sehr stören würde, etwa eine Weitsichtigkeit, kann bei den Kleinsten allerdings auch jetzt noch ganz normal sein - der Augapfel ist dann bis ins zweite Lebensjahr noch etwas zu kurz gewachsen, holt das aber auf.
Brille bei Kurzsichtigkeit
Schwieriger ist es, wenn er sein Wachstumsziel „übertrifft“, denn so entsteht Kurzsichtigkeit. Gegen sie hilft eine Brille, verordnet vom Augenarzt. Die Allerkleinsten brauchen sie extrem selten. Für die etwas Größeren gibt es die Sehhilfen heute in einer riesigen Auswahl. Generelle Regel: Robust, mit passendem Sitz und nicht zu groß.
Doch wie gesagt - bei 29 von 30 gesunden Babys wird sich das Sehen störungsfrei und selbstständig entwickeln. Und ganz unabhängig davon passiert bei den meisten Babys noch etwas: ihre Augenfarbe ändert sich. Tatsächlich kommt die überwiegende Mehrheit der Kinder mit blauen Augen zur Welt.
Doch oft bleibt es nicht dabei: Die Gene sorgen dafür, dass die endgültige Farbe erst zwischen dem sechsten und neunten Monat festgelegt ist. Aber welche es auch sein wird - ob Grau, Grün, Braun oder doch Blau: Am besten, es gibt gaaanz viel zu gucken!

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