Babys lernen vom 1. Tag an, wie Eltern mit ihren Wünschen umgehen, sagt Psychologin Pauen. „Gebe ich der Lust des Neugeborenen auf die Brust ständig nach? Oder sage ich: nur 20 Minuten alle 2 Stunden?“ Auf beides könne sich das Baby einstellen. „Bekommt ein Kind aber alles beim kleinsten Mucks, lernt es: Aha, so funktioniert die Welt. Umso größer ist der Frust, wenn es später mal nicht mehr so läuft.“
Sabina Pauen setzt ihren Kindern deshalb Grenzen: „Ich persönlich möchte, dass meine Kinder eine gewisse Frustrationstoleranz entwickeln, und weiß, dass ich ihnen dafür gelegentlich auch einmal einen Wunsch verwehren muss.“
Einige Baby-Ratgeber behaupten, die Baby-Erziehung beginne erst nach dem 1. Lebensjahr. „Sie beginnt schon mit der Geburt“, meint dagegen Sabina Pauen. Babys entwickeln allerdings erst gegen Ende des 1. Lebensjahres ein Bewusstsein dafür, dass andere auf ihr Verhalten reagieren. „Das Kind schaut dann gezielt auf die Reaktion seiner Eltern, wenn es etwas Verbotenes tun will oder sich nicht sicher ist, ob es etwas Bestimmtes tun darf.“
Die Entwicklungspsychologin ist zwar für Grenzen, nicht aber für Strafen: „Sinnvoller ist immer das positive Vormachen.“ Ab etwa 12 Monaten beginnen Babys, komplexes Verhalten zu imitieren. „Deshalb lohnt es, Vorbild zu sein“, sagt Pauen. Statt dem Baby den Teller wegzunehmen, wenn beim Essen was danebengeht, zeigt man ihm besser, wie man richtig isst und ohne zu kleckern aus einem Becher trinkt.
Viele Eltern verwöhnen ihre Babys, ohne es zu merken, indem sie ihnen abnehmen, was die Babys schon alleine schaffen. So können sich viele Anderthalbjährige selbst die Jacke ausziehen, einen Reißverschluss aufmachen, Treppen steigen, sich die Hände waschen oder die Tür schließen. In all dem sollte man sie bestärken, sie ermutigen, etwas auszuprobieren.
„Vergessen Sie Ihren fürsorglichen Service, sonst schaffen Sie damit nicht nur passive und verwöhnte Kinder, sondern fördern ihre Bequemlichkeit und Hilflosigkeit“, schreibt der Sozialpädagoge Peter Angst in seinem Buch „Verwöhnte Kinder fallen nicht vom Himmel“. Man müsse auf die Kräfte der Kinder vertrauen, so der Schweizer. „Sie lernen vorwiegend über das eigene Tun. Wer etwas für Kinder tut, was sie selbst tun können, nimmt ihnen eine wichtige Lernerfahrung.“

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