Gefühlszentrale in Babys Gehirn bei Geburt noch unfertig

Zwar scheinen schon sehr junge Babys durch weinen und lachen Gefühle auszudrücken, bewusst erleben tun sie diese jedoch erst ab dem ca. sechsten Lebensmonat.


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Gefühlszentrale in Babys Gehirn bei Geburt noch unfertig


Wie alles andere, sind auch die Gefühlszentralen des Gehirns bei der Geburt noch unfertig. Die meisten Eltern würden schwören, dass sich schon die Kleinsten freuen, sie zu sehen, und alle Elternherzen schmelzen, wenn Babys mit etwa sechs Wochen anfangen zu lächeln. Und das alles soll nicht echt sein? Nein, ist es nicht: Babys können zwar ab dem ersten Tag Gefühle ausdrücken, aber sie nicht bewusst fühlen.

Der Grund dafür ist, dass die äußeren Zeichen unserer Gefühle von den tieferen Strukturen des limbischen Systems im Großhirn gesteuert werden, die bei der Geburt schon recht gut entwickelt sind. Um diese Gefühle jedoch bewusst wahrzunehmen, müssen erst die nötigen Verbindungen zu den Stirnhirnregionen entstehen. Das passiert erst etwa ab dem 6. Monat nach der Geburt. Um die Gefühle dann auch steuern zu können, braucht es wiederum andere Verbindungen. Die werden erst ab dem zweiten Lebensjahr geknüpft.
Keine wirklichen Gefühle nach der Geburt
"Der Gedanke, dass unsere Babys in den ersten Monaten keine wirklichen Gefühle erleben, ist für viele Eltern etwas verstörend“, sagt Lise Eliot. „Beruhigend ist vielleicht, dass Babys daher während der Geburt keine Angst verspüren können und nicht traurig sind, wenn man sie etwas länger schreien lässt.“ Das sollte aber immer die Ausnahme sein, so die Forscherin. Denn für die Entwicklung ist es keineswegs egal, ob ein Kind in einer liebevollen Umgebung aufwächst oder nicht.


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Obwohl das bewusste Gedächtnis erst viel später einsetzt, verändern alle emotionalen Erlebnisse die physische Struktur des Gehirns. „Schlechte Erfahrungen sind da wie Narben“, sagt Eliot. „Für die Entwicklung unseres Gefühlslebens sind die ersten drei Jahre entscheidend, wobei das erste Jahr besonders wichtig ist.“ Studien haben gezeigt, dass die Gehirne von vernachlässigten Kindern bei der Verarbeitung bestimmter Impulse schwächere oder gar keine Reaktionen zeigen und bis zu 30 Prozent kleiner sind als die von Kindern, die stets gut versorgt und geliebt wurden.


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