Känguruhen: Kuscheltherapie für Frühchen

In Deutschland kommen jährlich etwa sieben Prozent aller Neugeborenen als Frühgeborene zur Welt, insgesamt sind das 50.000 Babys im Jahr. Wenn Mütter und Väter ihre Frühchen nahe am Körper tragen und wärmen, wirkt sich das positiv auf die Entwicklung der zu früh auf die Welt gekommenen Kinder aus. Auch noch Jahrzehnte später!


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Wärme und Nähe wirken Wunder bei Frühchen


Dass Mama und Papa mit dem frisch geschlüpften Nachwuchs viel kuscheln und schmusen ist eigentlich ganz normal. Wenn der aber zu früh auf die Welt kommt, klein und zerbrechlich ist – und zudem noch an zahllose Kabel angeschlossen ist, wird dieser Körperkontakt deutlich schwieriger. Studien zeigen aber: Viel Körperkontakt in den ersten Lebenswochen ist unglaublich wichtig für die Winzlinge.


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Känguruhen: Wichtig für Frühchen

Beim Känguruhen (kangarooing) darf das Baby ohne Kleidung, nur mit einer Windel bekleidet, auf der nackten Brust von Mama oder Papa liegen und Liebe und Wärme tanken. Von unten wärmen Mama oder Papa, quasi als "lebende Brutkästen", von oben schützt eine Decke das Frühchen vor Wärmeverlust. Je nachdem wie die Frühchen-Station ausgestattet ist, stehen dafür gemütliche Liegen oder spezielle Stühle zur Verfügung. Wenn die Ärzte keine Bedenken haben, darf das Baby so mehrere Stunden täglich bei seinen Eltern liegen und dem vertrauten Herzschlag lauschen. Namensgeber für den innigen Körperkontakt, dem von der Wissenschaft so viel Bedeutung für die Entwicklung von Frühchen beigemessen wird, ist – logisch! - das Känguru: Kängurubabys sind allesamt Frühchen, sie kommen nach nur 30 Tagen Tragezeit auf die Welt. Grade mal so groß wie ein Gummibärchen, unbehaart und völlig hilflos. Die kommenden sechs Monate wachsen und gedeihen die kleinen Känguru-Babys dann in Mamas Beutel - bis sie bereit für die ersten Sprünge an Mamas Seite sind. Und was bei den Kängurus wunderbar funktioniert, ist auch für zu früh zur Welt gekommene Menschenkinder die beste Methode für eine gute Entwicklung: Ganz nah bei Mama.

Babys profitieren lebenslang von der Känguru-Methode


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Sanfte Berührungen fördern die Entwicklung

● Wenn das Baby bei seiner Mutter ruht, wird seine Herzfrequenz stabiler und es kann die Körpertemperatur besser halten.

● Sanfte Berührungen fördern die Hirnaktivität und helfen dadurch dem Gehirn und dem kleinen Körper beim Wachsen.

● Die Sauerstoffsättigung steigt.

● Känguruhen fördert die für Frühchen so wichtige Gewichtszunahme.

● Die Kinder werden ruhiger und schlafen besser.

● Känguruhen erleichtert das Stillen.

● Babys, die im Krankenhaus viel Körperkontakt zu den Eltern haben, werden im Durchschnitt früher aus dem Krankenhaus entlassen.

● Und: Frühchen, die viel Körperkontakt genießen dürfen, sind im Jugend- und Erwachsenenalter weniger aggressiv und hyperaktiv. Und ihr IQ liegt deutlich über dem der Vergleichsgruppe.

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Känguruhen ist auch wichtig für die Eltern

Von der Känguru-Methode profitieren die Kleinen – aber auch die Großen: die Eltern. Sie lernen so früh, eine Beziehung zu ihrem zarten Baby aufzubauen und Berührungsängste abzubauen. Ein ganz wichtiger Faktor für die Mütter, die häufig gegen die Befürchtung ankämpfen, dass sie während der Schwangerschaft etwas falsch gemacht haben. Zudem fehlen den verfrühten Eltern die letzten Wochen der Schwangerschaft, um sich gedanklich voll und ganz auf das Baby einzustellen. Das wird durch den intensiven Körperkontakt nachgeholt. Wenn viel gecremt, gestreichelt, gewickelt, gefüttert und gekuschelt wird, hilft das am allerbesten für die Beziehungs- und Bindungsentwicklung.
Studien haben zudem gezeigt: Durch das Känguruhen wird bei der Mutter die Milchbildung angeregt, damit funktioniert das Stillen besser – noch ein positiver Effekt für die Entwicklung des kleinen Erdenbürgers.

Eltern sind anfangs oft skeptisch und trauen sich an das zarte Wesen nicht so recht ran. Sie haben die Befürchtung, dass sie sich nicht geschickt genug anstellen und ihrem Kind vielleicht weh tun. Diese Sorge ist unbegründet: Eltern nehmen und berühren das Baby intuitiv ganz richtig. Zudem wird den frühen Eltern auf der Frühchen-Station Schritt für Schritt gezeigt, wie sie ihr Kind am besten hochnehmen, berühren, streicheln.
Davon profitieren Baby und Eltern
➤ Verbringen Sie so viel Zeit wie möglich bei und mit Ihrem Kind – und versuchen Sie, so gut wie möglich für Ihr Baby da zu sein.

➤ Versuchen Sie die alltäglichen Handgriffe im Klinik-Alltag selbst zu übernehmen.

Singen und erzählen Sie Ihrem Baby viel! Ihre Stimme kennt Ihr Kind aus der Zeit in Ihrem Bauch, sie beruhigt und fördert das Vertrauen. Wenn Sie nicht so recht wissen, was Sie erzählen sollen: Lesen Sie Ihrem Kind vor. Eine CD mit von Ihnen gelesenen Geschichten hilft auch die Zeit zu überbrücken, in der Sie nicht in der Klinik sein können.
Schaffen Sie ein Begrüßungs- und Abschiedsritual. Ihr Baby bekommt so Sicherheit und Routine.

➤ Großflächige Berührungen (Hand um den Kopf, auf den Rücken oder unter die Fußsohlen) tun Ihrem Kind besonders gut. Wichtig bei Frühchen ist, dass Sie langsam und ruhig streicheln. Hektische Bewegungen irritieren Ihr Kind.

➤ ➤ Literatur-Tipp: Zu früh geboren - Informationen für Frühchen-Eltern (Bundesverband "Das frühgeborene Kind" e.V.)

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Quellen:
Bundesverband "Das frühgeborene Kind" e.V.
Pediatrics: Kangaroo Mother Care and Neonatal Outcomes: A Meta-analysis




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