Klumpfuß – Wenn Babys Füßchen verdreht sind

Bei einem Klumpfuß handelt es sich um eine Fehlstellung des Fußes, mit der Babys relativ häufig geboren werden. Alle Infos zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.


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Verformte Babyfüßchen: Das steckt dahinter

Normalerweise kann ein Klumpfuß gut behandelt werden - bleibende Schäden hat das Kind meist keine


© iStock
Die frischgebackenen Eltern halten ihr kleines Wunder zum ersten Mal im Arm und das Glück könnte kaum größer sein. Doch beim Blick auf die Füßchen des Kleinen erschrecken Mama und Papa: Die Füße des Babys sind stark verformt. Der Arzt erklärt: Das Baby hat einen Klumpfuß. Was das bedeutet und wie die Fußfehlstellung behandelt werden kann, haben wir im Folgenden für Sie zusammengestellt. 

Was ist ein Klumpfuß?


Als Klumpfuß (Pes equinovarus) bezeichnet man eine Fußfehlstellung, bei der mehrere Fehlstellungen zusammen kommen. Herausstechendstes Merkmal ist, dass der Fuß nach innen gedreht ist. Dies wird als Supinationsstellung bezeichnet. Dabei zeigen die Fußsohlen nach innen und/oder oben. Die Unterschenkelmuskulatur ist deformiert.

Zusätzlich können auch noch andere Fehlstellungen auftreten:

• Die Sichelfußstellung des Vorfußes, bei der der Vorfuß nach innen abweicht.
• Der Spitzfuß, bei dem ein Hochstand der Ferse vorliegt.
• Der Hohlfuß, bei dem der Spann extrem gewölbt ist.

Dabei können ein Fuß oder beide Füße betroffen sein. Ein Klumpfuß ist auch keine Seltenheit, sondern kommt relativ häufig vor. Durchschnittlich kommen etwa eins  bis drei von 1000 Kindern mit dieser Fußfehlbildung zur Welt. Jungen sind doppelt so häufig betroffen wie Mädchen.

In den meisten Fällen ist der Klumpfuß angeboren, kann in selteneren Fällen aber auch später erworben werden. Dies nennt sich neurogener Klumpfuß und wird meist durch eine Störung der Nervenversorgung verursacht – wie zum Beispiel durch eine Myelodysplasie oder eine Kinderlähmung.

Klumpfuß: So sieht er aus

Unter einem Klumpfuß versteht man eine Fehlbildung und Versteifung der Fußgelenke, Fußmuskeln sowie Fußwurzeln, die zur Innendrehung der Fußsohle beitragen


© vision net ag
Was sind die Ursachen für einen Klumpfuß?

Die Gründe, warum ein Klumpfuß entsteht, sind bislang noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen können:

Ungünstige Lage in der Gebärmutter: Liegt das ungeborene Kind in der Gebärmutter verdreht, kann es sein, dass das Wachsen der Beine eingeschränkt wird.
Zu wenig Fruchtwasser: Das Baby kann sich nicht richtig entwickeln und sich in der Gebärmutter nicht genug bewegen.
Eine frühkindliche Hirnschädigung durch Sauerstoffmangel: Diese kann unter anderem zu einem Klumpfuß führen.
Amniotisches-Band-Syndrom: So werden angeborene Geburtsschäden genannt, die während der Schwangerschaft entstehen, wenn stark klebende fibröse Bänder Körperteile des ungeborenen Kindes abschnüren.

Bei der Entstehung des Klumpfußes können also mehrere Faktoren eine Rolle spielen: Manche davon genetisch – Klumpfüße können also zum Teil vererbbar sein, manche davon begünstigt durch Umwelteinflüsse – wie Rauchen oder Virusinfektionen während der Schwangerschaft.

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Behandlung bei einem Klumpfuß

Mamas und Papas müssen sich nicht allzu große Sorgen machen, wenn ihr Nachwuchs mit einem Klumpfuß zur Welt kommt. Wird früh genug mit der Therapie angefangen und diese kontinuierlich fortgesetzt, können sehr gute Ergebnisse erzielt werden und der Nachwuchs wird später nichts mehr von der Fehlstellung spüren. Wichtig ist, gleich nach der Geburt mit der Behandlung zu beginnen und den Befund regelmäßig kontrollieren zu lassen. Bleibt der Klumpfuß unbehandelt, wird der Betroffene nur unter Schmerzen gehen oder stehen können.

Es gibt verschieden Möglichkeiten einen Klumpfuß zu behandeln:

➤ Ponseti-Methode
Mittlerweile hat sich die Methode des spanischen Arztes Ingacio Ponseti zur am häufigsten angewandten Behandlung von Klumpfüßen entwickelt. Mit dieser Methode kann in den meisten Fällen eine komplette Korrektur des Fußes ohne Operation erreicht werden. Der Säugling erhält wenige Tage nach der Geburt – denn zu diesem Zeitpunkt ist das Körpergewebe noch besonders flexibel – einen geschlossenen Gipsverband, der regelmäßig gewechselt wird. In der Regel kann die Fußfehlstellung nach drei bis acht Gipsen vollständig korrigiert werden. Nach etwas drei Wochen wird der Gipsverband durch spezielle Schienen ersetzt, die anfänglich ganztags getragen werden müssen. Nach und nach wird die Tragezeit verkürzt bis die Schiene nur noch beim Schlafen getragen werden muss. Bis zu einem Alter von drei Jahren ist es für den Therapieerfolg notwendig, dass die Schiene konsequent getragen wird. Unterstützt wird die Methode durch regelmäßige Krankengymnastik, vor allem im ersten Lebensjahr des Kindes.

➤ Bonnet-Dimeglio-Methode
Die Methode der Physiotherapeutin Frédérique Bonnet-Dimeglio wird oft auch die „französische Methode“ genannt und umfasst eine dynamische Bewegungstherapie. Ein spezialisierter Kinder-Physiotherapeut behandelt das Neugeborene anfangs vier- bis fünfmal wöchentlich und nach der Korrektur noch drei- bis viermal pro Woche. Schrittweise wird das verklebte Gewebe gelöst und die Muskulatur stimuliert. Zusätzlich werden Tapingverbände und Gipsschalen verwendet, um den Therapieerfolg sicher zu stellen. Da diese Behandlungsmethode nur von wenigen, gut ausgebildeten Physiotherapeuten übernommen werden kann, ist sie noch nicht sehr weit verbreitet.

➤ Operative Methode
Oft wird eine non-invasive Behandlung mit einem kleineren OP-Eingriff kombiniert, bei dem die Achillessehne verlängert wird. Auch wenn die konservative Methode nicht erfolgreich war oder wenn der Klumpfuß wieder kommt, kann ein operativer Eingriff nötig werden. Dieser sollte im Alter von ca. drei Monaten erfolgen. Bei der Operation wird die Achillessehne verlängert und die Aufrichtung der zwei verantwortlichen Muskel – Talus und Calcaneus – korrigiert. Mittlerweile sind es nur noch zehn bis 15 Prozent der mit anderen Methoden behandelten Kinder, die noch eine größere Operation benötigen.

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von Nicole Metz




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