Kann ich mein Baby verwöhnen? Liebe und Zuwendung fürs Baby

Kann man Babys überhaupt zu sehr verwöhnen? Ja, aber auf keinen Fall mit viel Liebe und Zuwendung, sondern wenn ihm Aufgaben abgenommen werden, die es schon selbst meistern kann.


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Schreien lassen gefährdet Baby-Eltern-Bindung


Die Theorie „Verwöhn das Baby nicht so, lass es ruhig mal schreien, das stärkt die Lunge“ ist längst überholt. Ein Baby hat immer Gründe, wenn es schreit. Wer das missachtet, riskiert, das Urvertrauen des Babys zu verletzen. Und dass das Trösten das Weinen noch verstärkt, gilt zumindest nicht für ein Baby unter einem Jahr - im Gegenteil. „Weinende Kinder brauchen Trost und sollen ihn auch bekommen“, sagt Hartmut Kasten, Professor für Entwicklungspsychologie und Frühpädagogik.
Kann man ein Baby überhaupt verwöhnen?

Liebe und Zuwendung fürs Baby


© Thinkstock
Kann man denn Babys unter zwei Jahren überhaupt zu sehr verwöhnen? „Durchaus“, sagt Kasten, „das fängt ja schon mit dem Zucker an, den viele Eltern ihren Säuglingen in den Tee geben.“

Es stellen sich dann die Fragen:

•    Was heißt eigentlich „verwöhnen“?
•    Wann wird aus Zuwendung
      Verhätschelung?

„Verwöhnt nennen wir Kinder, die mehr bekommen, als sie brauchen, und mehr, als für sie gut ist. Kinder, die es gewohnt sind, dass immer jemand an ihrer Stelle tut, was sie längst selbst tun könnten“, sagt der Erziehungswissenschaftler Markus Höffer-Mehlmer. „Schon Babys wollen selbstständig werden. Sie wachsen nicht nur am Behütetsein. Wer seinem Kind zu wenig zutraut, verwöhnt es und hält es in Abhängigkeit.“ Babys brauchen beides, zärtliche Zuneigung und Herausforderung:

Manche Eltern verwöhnen ihre Babys aber aus Bequemlichkeit - weil „Nein“ zu sagen sie mehr Kraft kostet als nachzugeben. Andere sind überlastet, haben ein schlechtes Gewissen, weil sie zu wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen, oder wollen nicht zu streng sein. Sie tun den Babys mit ihrer Nachgiebigkeit jedoch nichts Gutes, warnen Kinderpsychologen, weil sie Lernanreize verhindern und die Babys davon entbinden, Durchhaltevermögen zu entwickeln. 

„Bei den ganz Kleinen stehen körperliche Bedürfnisse im Vordergrund - da ist es nur natürlich, auf sie einzugehen und sie nicht allein zu lassen“, meint die Psychologie-Professorin Sabina Pauen. Aber es schade einem Baby auch nicht, wenn es mal fünf Minuten schreit - solange sein Vertrauen ausreichend durch Liebe bestärkt werde. Denn mit Zuneigung und Zärtlichkeit kann man ein Baby nie genug verwöhnen.

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Das Baby auch "einfach mal machen" lassen

Viele Eltern verwöhnen ihre Babys, ohne es zu merken, indem sie ihnen abnehmen, was die Babys schon alleine schaffen. So können sich viele Anderthalbjährige selbst die Jacke ausziehen, einen Reißverschluss aufmachen, Treppen steigen, sich die Hände waschen oder die Tür schließen. In all dem sollte man sie bestärken, sie ermutigen, etwas auszuprobieren.

„Vergessen Sie Ihren fürsorglichen Service, sonst schaffen Sie damit nicht nur passive und verwöhnte Kinder, sondern fördern ihre Bequemlichkeit und Hilflosigkeit“, schreibt der Sozialpädagoge Peter Angst in seinem Buch „Verwöhnte Kinder fallen nicht vom Himmel“. Man müsse auf die Kräfte der Kinder vertrauen, so der Schweizer. „Sie lernen vorwiegend über das eigene Tun. Wer etwas für Kinder tut, was sie selbst tun können, nimmt ihnen eine wichtige Lernerfahrung.
Loben statt strafen
Ab und zu genügt ein strenger Blick und ein kurzes „Nein“ - auch wenn ein Kind die verbale Botschaft noch nicht versteht. „Die negative Mimik und Körpersprache kommen sofort beim Kind an“, sagt Sabina Pauen. „Nur können Babys das anfangs noch nicht übertragen. Sie verstehen das ,Nein' vielleicht für die eine Steckdose, aber nicht für die nächste einen Meter weiter.“ Dann muss man eben wieder „Nein“ sagen.

„Man muss mit Kindern immer auf ihrer Augenhöhe reden“, formuliert Hartmut Kasten eine wichtige Regel. Klar, das erfordert Feingefühl von den Eltern, die ihr Erziehungsverhalten stets der Entwicklungsstufe des Kindes anpassen müssen. Während Neugeborene noch die Vollzeitbetreuung brauchen, lernen etwa ältere Babys mit der Zeit, eine kleine Verzögerung bis zur nächsten Mahlzeit auszuhalten oder sich ein Weilchen auf einer Decke zu beschäftigen, bevor sie hochgehoben werden. Wichtig ist, dass Eltern die Schritte zur Selbstständigkeit beobachten, die sich ständig verändernden Bedürfnisse und Möglichkeiten ihres Kindes wahrnehmen und natürlich danach handeln.

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