Mama sein macht einsam: "Ich bin Mama – und fühle mich total alleine!“

Babys reicht es völlig aus, wenn sie den ganzen Tag nur mit der Mama zusammen sind. Mamas bekommt die ungewohnte Zweisamkeit oft gar nicht gut. Eine Mutter erzählt von dem Spagat zwischen absolutem Glück und quälender Einsamkeit.


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Zu zweit einsam: Mutter sein ist manchmal ein einsamer Job
Plötzlich ist alles anders: Wo früher ein fordernder Job, eine unterhaltsame Mittagspause mit den Kollegen und am Abend Sport, ein fröhlicher Mädelsabend oder ein feines Essen mit dem Partner auf dem Programm standen, geht es jetzt ganz schön ruhig zu. Der einzige Gesprächspartner ist kein wirklicher: Ein Baby, das noch nicht reden kann... Eine Mutter berichtet von ihrer Einsamkeit im ersten Jahr mit Baby.


© iStock
"Ich bin Mama – und fühle mich total einsam!"
- Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Satz irgendwann selbst einmal aussprechen würde. Aber fangen wir vorne an. Die ersten Wochen mit Carlotta waren total gechilled. Mein Mann hatte einen Monat Elternzeit, wir haben uns gemeinsam an unser neues Leben zu dritt gewöhnt - und zusammen eine wunderschöne Zeit verbracht. Es war Sommer, wir haben mit kleinen Spaziergängen unsere neue Wohngegend erkundet und abendliche Picknicks an der Isar genossen. Der erste Anflug von Panik kam am Abend vor dem ersten Arbeitstag meines Mannes auf: Ab morgen sollte ich alleine sein mit Carlotta, von morgens bis abends. Allein verantwortlich. Ohne helfende Hände, wenn mal wieder alles drunter und drüber ging.

Schnell zeigte sich: Den Alltag mit Baby kriegte ich locker hin. Aber die Anfangs-Euphorie war irgendwie weg. Zumal ich feststellen musste: Sooo viel schlafen selbst Neugeborene nicht… Die Tabellen in Babyratgebern erzählen einem da schöne Märchen! Die Tage waren mit einem Mal so lang. Und die Aufgaben so einseitig: Stillen, Wäsche waschen, Stillen, Wickeln, Einkaufen, Mittagschlaf machen, Stillen, Wickeln, Frühstücken (irgendwann so gegen 13 Uhr), Spaziergang, Stillen, Duschen (so gegen 17 Uhr). Die einfachsten Dinge brauchen ewig. Wäsche aufhängen. Einkäufe erledigen. Und gerade, wenn man sich hingesetzt hat, um endlich die Zeitung zu lesen, wacht Carlotta auf. Abends fragte ich mich regelmäßig: Wo ist heute nur die Zeit geblieben? Was habe ich eigentlich gemacht? Geschafft? Und warum bin ich trotzdem so müde und ohne Energie?

Einsam – trotz Babyglück


Das ist die eine Seite meines Mama-Seins. Die andere ist voll mit Glücksgefühlen, Kribbeln im Bauch - einfach wunderschön: Ich bin total verliebt in mein Töchterchen. Ich liebe es, Zeit mit ihr zu verbringen. Sie anzuschauen, mit ihr zu kuscheln und zu lachen. Aber: Es gibt da eben auch noch die andere Seite. Stunden, in denen mich die Einsamkeit packt. Weil keiner zum Reden da ist. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich Selbstgespräche führe. Hilfe! Jeder potentielle Gesprächspartner muss für eine Runde Smalltalk herhalten, wählerisch bin ich da nicht: Ich quatsche mit dem Briefträger, verwickle unsere Nachbars-Oma ins Gespräch (früher war sie immer diejenige, welche…) und bin enttäuscht, wenn die Schlange beim Bäcker zu lang ist für eine Runde Dorfklatsch mit der Verkäuferin. Abends weiß ich trotzdem nicht, was ich meinem Mann erzählen soll. Die Gesprächsthemen werden weniger. Die Smartphone-Nutzung steigt. Eine aktuelle Studie zeigt: Neu-Mamas stellen jeden Teenie in Sachen Smartphone-Nutzung in den Schatten. Ich bin der lebende Beweis dafür. Der Tipp, den ich gefühlt 200 mal gehört habe: „Geh doch zum Babyschwimmen, Pekip oder zum Krabbeltreff – dort lernst du andere Mamas kennen!“. Stimmt. Aber das ist nicht meine Welt. Zu viel Geplapper über Babythemen und Belangloses. Mein Resumee zu Kursen dieser Art: MIT anderen Mamas ist es nichts – OHNE sie aber auch nicht. Wenn ich Carlotta im Kinderwagen durch die Straßen schiebe und andere Mamas quatschend und lachend auf dem Spielplatz oder im Café sitzen sehe, gibt mir das jedes Mal einen kleinen Stich. Ich bin neidisch auf das ausgefüllte Leben der anderen Mamas. Meines fühlte sich dann mit einem Mal noch leerer an. 

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Irgendwann kam der Umkehrpunkt: Ich traf eine Mama, bei der die Wellenlänge stimmte. Endlich! Und ich merkte: Wenn man bei Mama-Treffen den Radius der Baby-Themen verlässt, erlebt man immer wieder Überraschungen. Nicht alle, aber viele Mamas haben auch genug von Windelgrößen, durchwachten Nächten und Blähungen. Langsam aber sicher wurde die Einsamkeit kleiner – und die Zweisamkeit mit Carlotta größer. Die Kontakte wurden vielfältiger, der Schritt ins Arbeitsleben stand an. Es hatte eine (zu lange!) Weile gedauert, bis ich meine neue Rolle als Mama gefunden habe. Aber ich habe sie gefunden!
Was mir geholfen hat
➤ Viele Telefonate mit meiner Mama, die ihr Glück gar nicht fassen konnte, dass das Telefon plötzlich so oft klingelte.
➤ Musik anmachen und tanzen! Das vertreibt die Stille und die trüben Gedanken im Kopf.
➤ Ein „Programm“ für einsame Tage: Mal wieder ins Museum gehen, mit der Bahn in die nächste hübsche Stadt zum Bummeln fahren, neue Stadtviertel erobern etc.
➤ Sport mit Baby – es gibt spezielle Yoga- und Pilates-Kurse für Mamas mit Babys, Fitness-Studios mit Kinderbetreuung und andere spezielle Mama-Baby-Kurse: www.fitdankbaby.de / www.laufmamalauf.de / www.buggyfit.de / www.kangatraining.de
➤ Müttertreffs (irgendwann trifft man die richtige Mama!)
➤ To do’s für daheim, für die ich früher nie Zeit hatte: Fotobücher gestalten, einen neuen Sommerrock nähen etc.
➤ Den Partner und die Großeltern mehr in die Betreuung einbinden - und abends einfach mal wieder mit den Freundinnen um die Häuser ziehen.
➤ Über die Einsamkeit sprechen. Ihr werdet sehen: Vielen anderen Mamas geht es ähnlich.

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Allen anderen Mamas zum Trost: Die Einsamkeitsphase ist - wie fast alles im Leben - nur eine Phase. Gebt euch die Zeit, die ihr braucht, um eure Rolle zu finden und verzweifelt nicht, wenn die ersten Monate sich manchmal einsam anfühlen. Die nächsten werden dafür umso schöner. Versprochen! Und wenn die Einsamkeit überhand nimmt, zögert nicht, euch Hilfe zu holen.

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Kommentare
  • flower_power

    Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut! Überhaupt wenn man kaum „gleichgesinnte“ im Freundeskreis hat. Das kann ganz schön deprimierend sein, oft fehlt ein erwachsener Gesprächspartner...