Generell gehen verantwortungsvolle Ärzte nicht allzu großzügig mit der Gabe von Antibiotika um - schon wegen der möglichen Nebenwirkungen. Die Bakterientöter können Durchfall auslösen, denn der Organismus nimmt die Wirkstoffe über den Darm auf. Und weil die Wirkstoffe nicht zwischen „guten“ und „bösen“ Bakterien unterscheiden können, beseitigen sie auch die nützlichen Keime der Darmflora.
Zudem sollen Babys, die in ihrem ersten Lebensjahr mit Antibiotika behandelt wurden, ein etwas erhöhtes Risiko haben, später an Asthma und Allergien zu erkranken. Das ergab eine Untersuchung kanadischer Wissenschaftler mit knapp 30000 Kindern.
Und: Antibiotika stehen im Verdacht, Babyzähne zu beeinträchtigen - auch dann, wenn die sich noch vollständig im Kiefer befinden. Vor allem zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat können manche Antibiotika die Zahnschmelzbildung von Säuglingen stören, fanden US-Forscher der Universität Iowa heraus.
Alles Gründe, warum der Kinderarzt in jedem einzelnen Fall gut überlegen muss, ob ein Antibiotikum erforderlich ist oder nicht. Bei einer einfachen Erkältung brauchen Kinder keine Antibiotika, erklärt der Spezialist an der Hamburger Kinderklinik: „Viele Kinder haben Fieber. Und erst zusätzliche Symptome oder weitere Diagnostik wie zum Beispiel ein Röntgenbild oder eine Blutentnahme helfen, harmloses von gefährlichem Fieber zu unterscheiden und so hoffentlich Medikamente einzusparen.“
Dringend rät der Kinderarzt davon ab, das Medikament eigenmächtig abzusetzen, weil es dem Kind besser geht. „Immer die vorgeschriebene Einnahmedauer einhalten - meist 5 bis 7 Tage“, sagt Dr. Hinrichs. Denn: „Nicht nur ein unnötiger Einsatz von Antibiotika kann dazu beitragen, dass Bakterien resistent werden und das Medikament wirkungslos bleibt sondern auch eine Unterdosierung.“ In einem solchen Fall reicht die Konzentration des Medikaments nicht aus, um die Erreger komplett abzutöten.
Wenn Antibiotika bei Babys oder Kleinkindern nicht wirken, hat das jedoch meist andere Gründe als resistente Bakterien. „Dann wurde die Infektion nicht durch Bakterien, sondern durch Viren ausgelöst“, so Dr. Hinrichs. „Vielleicht hat der Arzt auch nicht das richtige Medikament gefunden. Je nach Bakterienstamm, den es zu bekämpfen gilt, wirkt nicht jedes Antibiotikum gleich gut.“

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