Schon Babys brauchen Freunde

Der Kontakt zu Gleichaltrigen fördert die Entwicklung Ihres Babys - auch, wenn es einige Zeit dauert, bis die Kleinen wirklich miteinander spielen.


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Schon Babys interessieren sich für Gleichaltrige



In der Gruppe spielt es sich am schönsten.

In der Gruppe spielt es sich am schönsten.


© iStock
Zugegeben, in den ersten beiden Lebensjahren können Babys noch nicht wirklich viel mit anderen Kleinkindern anfangen. Das heißt aber nicht, dass sie ihnen egal sind, denn Menschen sind von Geburt an soziale Wesen. Babys suchen zum Teil schon ab einem Alter von etwa drei Monaten Blickkontakt zu anwesenden Gleichaltrigen. Etwas später wenden sie sich ihnen zu und versuchen nach ihnen zu greifen. Ab einem Alter von etwa sechs Monaten lächeln die Kleinen ihre Spielkameraden schon mal freundlich an, quieken vergnügt oder bewegen sich auf sie zu. Ganz Mutige berühren den Anderen auch. Mit einem freundschaftlichen Tätscheln oder einer Aufforderung zum Spielen hat das aber nichts noch zu tun. Eher wird nach der Kleidung gegriffen und an den Haaren gezogen. Babys handeln dann ganz in ihrem Entdeckertrieb - sie erforschen das andere kleine Wesen. Oder mopsen ihm das Spielzeug.

Sozial interagieren, das heißt kommunizieren oder miteinander spielen, das ist in dem Alter noch nicht möglich, denn dafür fehlen den kleinen jetzt noch die Fähigkeiten. Aber: Ein bisschen nachmachen geht dafür schon! Ab einem Alter von neun Monaten schauen sich Babys die eine oder andere Sache von Gleichaltrigen ab und ahmen sie nach.
Spieltreffen können die sozialen Fähigkeiten fördern
Freundschaft spielt bei Kindern unter drei Jahren zwar kaum eine Rolle, aber: „Selbst kleine Babys sitzen lieber zu zweit als alleine auf dem Boden“, erklärt Kerstin Gutmann-Waetzel vom Verein „Eltern werden – Eltern sein“ in Freiburg. Auch, wenn sie dann mehr nebeneinanderher als miteinander spielen. Regelmäßige Spieltreffen können für Ihr Baby also insoweit eine Bereicherung sein, als dass sie eine spannende Abwechslung zum Alltag bieten, Anreize zur Nachahmung schaffen und dabei helfen, sich an andere Kinder zu gewöhnen. Letzteres gilt vor allem für Einzelkinder. Gut geeignet sind dafür PEKiP- oder Krabbelgruppen, oder aber regelmäßige Treffen mit befreundeten Familien und ihren Babys.

Babys brauchen Freunde - zum Teilen lernen

"Ich geb' dir das, willst du es?" Die erste Kontaktaufnahme erfolgt oft über Spielzeug.


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Erstes gemeinsames Spielen frühestens ab zwei Jahren

Im dritten Lebensjahr erlangen Kleinkinder allmählich die sozialen Fähigkeiten, um andere Kinder als mögliche Spielkameraden zu begreifen. Das ist jedoch ein längerer Prozess und klappt nicht von heute auf morgen. Aber je öfter Kinder jetzt mit Gleichaltrigen zusammen sind, desto vertrauter werden sie mit ihnen und desto eher werden sie vorsichtig Kontakt zueinander aufnehmen. Spielzeuge spielen dabei übrigens eine wichtige Rolle – oft sind sie die Vermittler und werden sich gegenseitig angeboten. Nimmt der Gegenüber es an, sind beide Kinder meist schon zufrieden und beschäftigen sich wieder allein. Spielen kann man das noch nicht nennen, aber der erste wichtige Schritt in die richtige Richtung ist gemacht.

Bald lassen sich dann schon erste Verhaltensweisen beobachten, die ganz typisch für Kinderfreundschaften sind: das gegenseitige Helfen und Trösten, die Suche nach Körperkontakt oder das freiwillige Teilen von Spielsachen und Essen. Das Spielen mit anderen Kindern wird von nun an immer wichtiger und mit drei Jahren können die Kleinen dann schon die ersten richtigen Freundschaften schließen.

Tipps für Eltern
  • 1 / 5
    Streit ums Spielzeug

    Weil Kleinkinder unter drei Jahren noch nicht wirklich teilen können, laufen die Spieltreffen oft nicht ohne Streit und Weinen ab. Aber das ist ganz normal, weiß die Kinderpsychologin Julia Bögel: „Kinder nehmen in dieser Entwicklungsphase ihr Spielzeug fast wie einen Teil des eigenen Körpers wahr und können daher nicht abgeben.“ Belehrungen der Eltern a la „Jetzt darf der Emil kurz spielen und dann du“ bringen da meist noch nichts. Lenken Sie Ihr Kind lieber mit anderem Spielzeug ab.

  • 2 / 5
    Anreize zum gemeinsamen Spielen schaffen

    Um den Streit ums Spielzeug weitgehend vorzubeugen, bieten sie den Spielkameraden statt einiger kleiner Spielsachen lieber ein großes „Spielprojekt“ an, zum Beispiel einfach einen großen Pappkarton mit Gucklöchern oder ein Spielzelt. Damit lässt es sich zu zweit besser spielen, als mit einem Sandkasten-Bagger, der immer dann interessant wird, wenn ihn gerade der andere in der Hand hat.

  • 3 / 5
    Nicht zu viele Freunde auf einmal

    Zwei, maximal drei Spielkameraden reichen für Babys und Kleinkinder unter drei Jahren vollkommen aus. Mehr Kinder überfordern die Kleinen noch. Auch in Krabbelgruppen und größeren Spieltreffen beschäftigen sich die Kinder nicht mit allen anderen, sondern eher mit einigen wenigen.

  • 4 / 5
    Spieltreffen sollten nicht zu lange dauern

    Nach spätestens einer bis eineinhalb Stunden brauchen die Kleinen eine Abwechslung oder Ruhe um sich zurückzuziehen und die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Daher sollten die Spieltreffen nicht viel länger dauern.

  • 5 / 5
    Den Kontakt ankurbeln

    Manchmal hilft es den Kleinen, wenn die Mamas das Eis zwischen ihnen brechen. Am einfachsten geht das wenn die eigene Mama mit dem fremden Kind spielt, ihm einen Ball zu rollt zum Beispiel. Wenn die Atmosphäre zwischen den Mamas und zwischen den Mamas und den „fremden“ Kindern stimmt, kommt das Vertrauen und die Sympathie zwischen den Kleinen fast von allein.



Warum ist der Kontakt zu Gleichaltrigen so wichtig?
Weil Kinder dabei so unglaublich viel lernen, was Eltern allein kaum alles beibringen könnten! Im gemeinsamen Spiel probieren sich die Kleinen aus und machen ihre eigenen wichtigen Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen. Sie lernen, auf andere zuzugehen und Kontakt aufzunehmen, sich in andere hineinzuversetzen und Rücksicht zu nehmen, zu helfen und zu trösten. Gleichzeitig lernen sie, sich auf andere zu verlassen, Teil eines Teams zu sein. Sie lernen es, Kompromisse zu schließen, aber auch sich mal durchzusetzen, mit Frust umzugehen und Geduld zu haben.

Das alles sind wichtige soziale Kompetenzen, die Kinder im gemeinsamen Spiel trainieren. Und jeder Kontakt mit Gleichaltrigen von Geburt an bereitet sie darauf vor.

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