Stillstreik: Wenn das Baby die Brust verweigert

Wenn das Baby plötzlich nicht mehr gestillt werden möchte und in den „Stillstreik“ geht, machen sich Mütter häufig große Sorgen. Ein Stillstreik kann viele Ursachen haben und ist phasenweise völlig normal. Hilfreiche Tipps, wenn Ihr Baby die Brust ablehnt.


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Was tun, wenn das Baby in den Stillstreik geht?


Ein Thema, das Mütter häufig unter Druck setzt, ist das Stillen. Häufig braucht es seine Zeit, bis sich das Team Mutter – Baby aufeinander eingestimmt hat und selbst dann gibt es Phasen, wo das Baby plötzlich nicht mehr trinken möchte. In diesem Fall spricht man vom „Stillstreik“, der „Brustschimpfphase“ oder der „Brustverweigerung“.

Wenn das Baby die Brust verweigert


© iStock
Viele Mütter kämpfen mit Zweifeln, alles richtig gemacht zu haben oder machen sich große Sorgen, dass etwas mit ihrem Baby nicht stimmt. Dazu kommt die große Angst, das Baby könne nicht genügend Nahrung zu sich nehmen, wenn es nicht trinkt! Der wichtigste Rat hier lautet: Bewahren Sie Ruhe. Gerade zu Anfang der Stillphase läuft das Stillen oft etwas holprig und auch nach einigen Monaten kann es Phasen geben, in denen Ihr Baby plötzlich nicht mehr an Ihrer Brust trinken will. Die Brustverweigerung kann bis zu sechs Wochen andauern. Gerade im dritten Monat sind kurze Stillstreiks, die relativ rasch wieder in den normalen Stillablauf übergehen, häufig.
Daran erkennen Sie einen Stillstreik
Wichtig ist, dass Sie einen Stillstreik nicht mit dem Abstillen verwechseln. Folgende Punkte deuten auf einen Stillstreik beziehungsweise eine Brustverweigerung hin:

• Ihr Baby verweigert die Brust, indem es sichtbar ablehnend darauf reagiert. Es weint und schreit, sobald Sie es an die Brust halten oder unterbricht das Trinken nach wenigen Sekunden. Ihr Säugling wirkt unzufrieden und angespannt.

• Ihr Baby ist extrem unruhig beim Stillen und lässt immer wieder von Ihrer Brust ab, setzt erneut zum Trinken an, stößt sich wieder ab und wirkt zunehmend frustriert.

• Obwohl Sie es immer wieder versuchen, beruhigt sich Ihr Baby nicht und lehnt die Brust zum wiederholten Mal ab.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob es sich wirklich um einen Stillstreik handelt, sprechen Sie mit Ihrer Hebamme. Sie kann Sie beruhigen, Ihnen Hilfestellung und nützliche Tipps geben.
Das können die Gründe für die Brustverweigerung sein
Ein möglicher Grund für die Probleme beim Stillen kann sein, dass Ihr Baby Zähne bekommt. Während die Zähnchen langsam im Kiefer angelegt werden, ist Ihr Baby besonders schmerzempfindlich und weist deshalb die Brust zurück. Auch Erkältungskrankheiten können beim Baby zum Stillstreik führen. Wenn das Näschen verstopft ist, wird das Trinken unmöglich. Geben Sie zwei Tröpfchen Muttermilch in die Nasenlöcher Ihres Babys – das wirkt Wunder!

Am häufigsten tritt der Stillstreik im dritten Lebensmonat auf. Das liegt daran, dass sich Ihre Brust am Ende des dritten Monats verändert und sich für Ihr Baby anders anfühlt als bisher. Die Brust ist vor der Mahlzeit weicher als bisher, die Brustdrüsen sind nicht mehr so stark durchblutet wie direkt nach der Geburt und der Milchspendereflex verändert sich, was Ihr Baby irritieren kann.

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Diese Animation zeigt, was genau beim Saugen an der Brust geschieht und worauf es dabei ankommt.


Eine weitere mögliche Ursache ist die sogenannte Saugverwirrung: Wenn Mütter das Stillen mit Fläschchen kombinieren, haben manche Babys zunächst Probleme, sich umzustellen. Das Ergebnis: Ihr Baby lehnt (zeitweise) Ihre Brust ab. Legen Sie Ihr Baby in diesem Fall wieder häufiger an die Brust.

In manchen Fällen ist die Form der Brustwarzen der Grund für die Ablehnung der Brust. Hohl- oder Flachwarzen können zu einer falschen Saugtechnik führen oder erschweren dem Baby, die Brust zu finden. In diesem Fall ist eine zurückgelehnte Stillposition zu empfehlen. Anwendungen mit kühlen Tüchern können ebenso helfen, die Brustwarzen weiter hervortreten zu lassen. Häufig werden Stillhütchen empfohlen, die jedoch nur zum Einsatz kommen sollten, wenn alle anderen Tricks scheitern, da sie die Milchproduktion hemmen können. Bei Flach- oder Schlupfwarzen kommen auch häufig Brustwarzenformer oder eine Niplette zum Einsatz. Diese erzeugen einen leichten Unterdruck, der den Warzen zu einer besseren Form verhelfen soll. Stillhilfen sind eine Möglichkeit, doch das richtige Anlegen und die richtige Stillposition sind entscheidender und führen wahrscheinlicher zum Erfolg.

Außerdem ist möglich, dass sich der Geschmack der Muttermilch verändert hat, zum Beispiel durch stark gewürztes oder knoblauchhaltiges Essen, exzessiven Sport oder die Einnahme von Medikamenten. Viele Babys reagieren zudem sehr empfindlich auf einen veränderten Körpergeruch. Benutzen Sie zum Beispiel seit kurzem ein neues Waschmittel, tragen Sie ausnahmsweise Parfüm oder haben Sie das Deodorant gewechselt, riecht Ihr Babys das sofort und verweigert gegebenenfalls deshalb die Brust.

Nicht zu vernachlässigen ist, wie Sie das Stillen erleben. Ihre Emotion übertragen sich auf Ihr Kleines und haben eine große Wirkung auf das Stillverhalten. Leiden Sie zum Beispiel unter wunden und verletzten Brustwarzen, wird das Stillen für Sie zur Qual – und das spürt Ihr Baby. Die Anspannung des Schmerzes beeinflusst die Stillbeziehung enorm und kann sogar zur Brustverweigerung führen. Lesen Sie hier, was Sie gegen wunde Brustwarzen tun können:

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Deshalb ist es so wichtig, Ruhe zu bewahren, auch wenn Ihr Baby die Brust verweigert. Die eigene Verunsicherung und Anspannung überträgt sich auf das Baby, was den Stillstreik verstärkt – ein Teufelskreis entsteht. Haben Sie Geduld mit sich und Ihrem Baby und vermeiden Sie grundlose Selbstvorwürfe. Brustverweigerung und Stillstreiks sind ein sehr häufiges Phänomen und können wie beschrieben eine Vielzahl an Ursachen haben, die nichts damit zu tun haben, ob Sie etwas falsch machen.
Das können Sie bei einem Stillstreik tun
Rein praktisch empfiehlt es sich, einem Milchstau und einer Brustentzündung durch Abpumpen der Muttermilch entgegen zu wirken. Das entlastet Sie und hält die Milchbildung aufrecht.

Ermutigen Sie Ihr Baby weiterhin, an der Brust zu trinken. Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre, einen ruhigen Raum, wo Sie ihr Baby ungestört stillen können. Vielleicht entspannt Sie und Ihr Baby sanfte Musik oder ein leises Glockenspiel? Auch eine Veränderung der Stillsituation kann Wunder bewirken. Eine Möglichkeit kann sein, Ihr Baby zu stillen, während Sie langsam umhergehen oder in einem Schaukelstuhl sitzen. Ein abgedunkelter Raum kann ebenfalls entspannend wirken. Geben Sie nicht auf und probieren Sie es weiter. Es handelt sich um eine Übergangsphase, die Sie und Ihr Baby gemeinsam meistern dürfen. Versuchen Sie trotz der Verunsicherung das Stillen geduldig und ruhig anzugehen. Hilfreich sein können auch gemeinsame Rituale, die die Bildung zwischen Mutter und Kind stärken, zum Beispiel liebevolle Kuscheleinheiten im Bett, Baden oder Spielen.

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Eine große Hilfe ist die Unterstützung durch einen Partner und die Familie oder holen Sie sich Rat bei einer Hebamme, einem Stillberater oder Ihrem Arzt. Falls Sie Sorge habe, dass Ihr Baby nicht genügend Nahrung zu sich nimmt, suchen Sie einen Kinderarzt auf. Dieser kann Sie, indem er die Gewichtszunahme Ihres Babys kontrolliert, höchstwahrscheinlich beruhigen. Sprechen Sie über Ihre Sorgen, denn wer selbst drinsteckt, kommt häufig aus den Zweifeln nicht mehr heraus. Ein paar ermutigende Worte von außen helfen ungemein, auf den Boden der Tatsachen zurück zu kommen und sich nicht weiter hineinzusteigern. Vergessen Sie nie, dass es nicht Ihre Schuld ist, sondern einfach eine Phase der ersten Lebensmonate. Eine Stillberaterin kann Ihnen außerdem verschiedene Stillpositionen zeigen, die das Stillen für Sie und Ihr Baby erleichtern.

Sophia Gesierich

von Sophia Gesierich




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