Problematische Bindungen erkennen und Hilfe annehmen

In manchen Fällen sorgen Umstände dafür, dass sich das Urvertrauen beim Baby nicht entwickeln kann. Woran Sie problematische Bindungen erkennen und wo Sie dann Hilfe finden.


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Keine Scheu: Hilfe annehmen bei problematischer Bindung
Uns Menschen ist die Fähigkeit zur Bindung angeboren. „Aber Beziehungen sind immer voller Schwierigkeiten - unter Umständen auch die zum eigenen Baby“, sagt Carola Bindt.

Zu einer Bindungsstörung kann es z.B.l kommen, wenn die Eltern Trennung, Trauer oder starken Stress durchleben. Und immerhin 10 bis 15 Prozent aller Mütter leiden nach der Geburt an einer Wochenbett-Depression, die es ihnen schwer macht, sich angemessen um ihr Baby zu kümmern und so Urvertrauen beim Baby aufzubauen. Auch eine unsichere Beziehung zu den eigenen Eltern führt unter Umständen dazu, dass junge Eltern Schwierigkeiten haben, sich auf ihr Baby einzulassen. Bindungsprobleme werden dann von Generation zu Generation weitergegeben.


Urvertrauen: So erkennen Sie problematische Bindungen


© Thinkstock
Die Expertin für prä- und perinatale Psychologie Ilka-Maria Thurmann rät: „Wer das Gefühl hat, es läuft etwas schief, sollte sich nicht scheuen, professionelle Hilfe zu suchen. Oft ist es eine große Erleichterung, wenn schon einige Sitzungen den Knoten zum Platzen bringen.“ Diese Erfahrung macht auch Carola Bindt bei ihrer Arbeit an der Hamburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik: „Es ist überhaupt keine Schande, Schwierigkeiten zu haben. Deshalb ist man noch keine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater, sondern man liebt sein Kind genauso von Herzen wie die allermeisten Eltern.“

Erste Ansprechpartner bei Problemen sind der Kinderarzt, Frühberatungsstellen oder niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater.

So zeigen sich unsichere Kind-Eltern-Bindungen


Die Wissenschaft unterscheidet zwischen sicher-gebundenen Kindern, unsicher-vermeidenden und unsicher-ambivalenten Kindern.

Unsicher-vermeidende Kinder wirken auf den ersten Blick völlig unproblematisch. Sie brauchen keinen Trost, wenn das Knie aufgeschrammt ist, und Trennungen nehmen sie klaglos hin. Kehrt die Mutter zurück, reagieren sie kaum, sondern spielen weiter. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass diese Kinder in solchen Momenten weit mehr Stresshormone bilden als sicher-gebundene Kinder. „Diese Kinder brauchen von ihren Eltern besonders viele emotionale Angebote, die ihnen das Gefühl vermitteln: ,Da ist jemand für mich da. Ich kann um Hilfe bitten'“, sagt Carola Bindt.

Unsicher-ambivalente Kinder zeigen stärker ihre Gefühle. Aber sie lassen sich im Gegensatz zu sicher gebundenen Kindern nur schwer von ihren Müttern oder Vätern beruhigen. Und sie reagieren häufig zwiespältig: Sie suchen die Nähe ihrer Eltern, reagieren dann aber mit Wut und machen sich wieder los. Durch permanentes Quengeln und Jammern fordern sie dauernde Aufmerksamkeit. „Solchen Kindern hilft es, wenn sie einen sehr geregelten Alltag haben und sehr viel Zuverlässigkeit erfahren. Rituale sind für sie besonders wichtig“, so Carola Bindt.


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Grundsätzlich reagiert ein Baby, das sich der Liebe ihrer Eltern nicht ganz sicher ist, schneller gereizt, hat eine niedrigere Frustrationsschwelle und ruht weniger in sich selbst. Man geht heute davon aus, dass immerhin etwa 60 Prozent der Kinder eine sichere Bindung zu ihren Eltern haben. Etwa 40 Prozent aber erleben eine unsicher-vermeidende oder unsicher-ambivalente Beziehung. Hier können die Eltern, notfalls mit professioneller Unterstützung, gegensteuern.