Erstaunlich groß ist mittlerweile das Angebot an organisierten Kursen in der Frühförderung, strukturierten Veranstaltungen und zielgerichteten Projekten:
Allein der führende Anbieter von Kinder-Englischkursen, Helen Doron, hat 23.000 kleine Teilnehmer. Das Mindestalter für diese Frühförderung beträgt 3 Monate. Wäre so etwas eine besonders wertvolle Frühförderung für Kinder? Eine 2. Sprache, von Anfang an? Schaden kann so eine Frühförderung sicher nicht, meinen Entwicklungspsychologen. Gleichzeitig weisen sie aber auch darauf hin, dass manche Eltern dazu neigen, das Leben ihrer Kinder verkehrt herum zu denken: Von hinten nach vorn.
Ein Beispiel: Niemand kann so einfach eine Sprache lernen wie Kinder. Andere Kinder wachsen schließlich zweisprachig auf, und in der Welt von morgen ist Englisch total nützlich. Also warum nicht gleich spielend lernen, die berühmte lernoffene Phase nutzen und so durch Frühförderung Zukunftskapital bilden?
Das klingt logisch, ist es aber nicht - kritische Geister wie die in Zürich lehrende Bildungsforscherin Prof. Elsbeth Stern raten gar, das Geld für die Frühförderung lieber auf ein Sparbuch zu legen. Belege dafür, dass Kurse der Frühförderung auch nur in die Nähe dessen kommen, was eine echte zweisprachige Umgebung vermittelt, gebe es nämlich nicht.
Gegen Frühförderung im Bereich Sprache spricht nichts, einen Tick akzentfreier klingt das Englisch durch die Frühförderung in 20 Jahren wahrscheinlich schon. Vokabular und Grammatik allerdings holen jene Kinder ohne entsprechende Frühförderung, die Englisch „erst“ in der Schule lernen, vollständig auf.

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