Warum ist das so? Weil die „Trotzphase“ noch längst nicht begonnen hat, und ein Baby nichts tut, um uns zu ärgern, und ebenso wenig darauf wartet, abstrakte Regie-Anweisungen für das Leben von uns aufzunehmen. Es beschäftigt sich nämlich vollauf mit 2 gigantischen Aufgaben:
Und zwar mit vielen, oft merkwürdigen Experimenten.
Die allerdings sind nötig, und für uns Große ist es meistens ziemlich schwierig, genau zu verstehen, was da gerade geübt wird: Ist es die Motorik? Das beidäugige Sehen? Die Beweglichkeit der Finger oder der Lagesinn im Raum? Auch das entnervendste Herumgebrokel an einem Stückchen Brot kann ein total sinnvolles Hirn-Jogging sein.
Oft strapaziert aber ausgedehntes Quengeln und Zetern unsere Nerven. Wenn es dafür keinen offensichtlichen Grund gibt, ist das Verlangen, „Nein! Lass das endlich“ zu sagen, ungemein groß.
Gefahren Vorbeugen
Aber gerade für diesen Fall ist Vorbeugen viel besser als Herumklempnern - denn in der Regel besteht die große Mehrheit der vermeintlich unzufriedenen Babys aus hungrigen, durstigen und übermüdeten Kindern. Die wollen nur eins: wieder zufrieden werden. Und eines ganz sicher nicht: böse sein und uns ärgern. Den Sinn für Gut und Böse bekommen sie nämlich erst viele Monate später. Und mit etwa 2 Jahren werden sie ihn dann nach Kräften trainieren. Deutlich früher aber hat unsere Mahnung: „Nein, lass das sein!“, absolut keinen Sinn.
Das Leben lässt sich allerdings mächtig erleichtern - gegen Quengel- und Chaos-Müdigkeit hilft Eltern ein kleines Beobachtungstraining: Hat das verräterrische Augen-Reiben schon begonnen? Dann lieber etwas früher ganz ruhig und kuschelig werden als später. Das hilft sehr. Und gegen ein Schlückchen hier und ein Löffelchen dort zwischen den „richtigen“ Mahlzeiten ist auch nichts zu sagen. Abwarten, bis der Magen knurrt, hilft niemandem weiter, und „Nein, wir essen in 20 Minuten“ ist eines jener Neins, die in der Welt der Kleinsten überhaupt nicht funktionieren.
„Ja“ zum Baby
Das heißt natürlich nicht, dass Eltern auf antiautoritäre Experimente setzen sollten - zwar können wir in ein dressierendes, programmierendes „Nein“ im Säuglingsalter keine pädagogischen Hoffnungen setzen. Aber ausdrücken, dass uns Großen das eine oder andere überhaupt nicht behagt, dass es uns ärgert oder stört, das dürfen wir mit einer Prise Sanftmut natürlich jederzeit.
Denn anders als die Empfänger für Regelwerke und Benehmenslehren sind die emotionalen Antennen beim Baby längst voll ausgefahren. Es spürt, wenn uns etwas gegen den Strich geht. Und mit stetem Tropfen kommt unsere Botschaft, dass etwas nicht so recht passen will, auch an - aber eben nicht auf Knopfdruck.
Entscheidend ist, dass jedes „Nein“ und jede Botschaft, die das stoppen soll, was uns ärgert oder wovon unserem Kind Gefahr droht, immer eingebettet ist in ein ganz großes „Ja!“: zum Baby als eigener Persönlichkeit und Magnet unserer Liebe und Zuwendung. Denn danach sucht es, und aus dieser sicheren Bindung heraus kann es die Welt entdecken, begreifen, wie sie funktioniert, was in ihr vernünftig ist und was nicht.

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