Natürlich gibt es trotzdem immer wieder diese Momente, in denen wir unsere Kleinen in ihren Freiheiten etwas einschränken müssen - einfach, weil es nicht anders geht. Obwohl der Anderthalbjährige lieber selbst tippeln möchte, wird er ruck, zuck in die Karre verfrachtet. Der Supermarkt schließt nun einmal pünktlich und nimmt keine Rücksicht auf neugierige Kleinkinder, die auf dem Weg zum Laden noch Stöckchen sammeln oder auf Steine klettern möchten.
Aber auch diese Erfahrungen sind für Kinder lehrreich und gehören zu einer guten Entwicklung. Sie lernen dabei, mit dem Frust umzugehen, dass sie nicht jedes Spiel zu Ende spielen, nicht jeden Stein erklimmen und nicht jede Rassel haben können. Pippi Langstrumpfs Motto: „Ich mach' mir die Welt, wie sie mir gefällt“ wirkt auf uns schließlich nur deshalb so reizvoll und bezaubernd, weil unser Alltag eben nicht so ist. Wir müssen in der Regel bestimmte Gegebenheiten und Wünsche anderer mitberücksichtigen.
Wer seine Kinder mit dieser Tatsache nicht konfrontiert, hüllt sie in Watte - und tut ihnen ebenso wenig einen Gefallen wie jene, die sie vor jeder Gefahr bewahren wollen. „Kinder bekommen zu wenig von dem, was sie brauchen, wenn sie zu viel von dem bekommen, was sie wollen“, meint der Jugendforscher Prof. Klaus Hurrelmann.
Der Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch formuliert es noch drastischer: „Natürlich ist es nachvollziehbar, Kindern bestimmte Erleichterungen verschaffen zu wollen. Aber der Preis dafür ist allzu häufig, sinnvolle oder notwendige Lebensvorbereitung zu verhindern.“
Rund 1,5 Millionen Kinder verunglücken jedes Jahr in Deutschland. Und die Gefahren lauern überall:
Vorsicht scheint geboten zu sein.
Doch Experten wie der Erziehungswissenschaftler Professor Stefan Aufenanger von der Uni Mainz raten trotzdem davon ab, Kinder allzu sehr zu behüten. Denn genau das steigert das Gefahrenpotenzial nur noch mehr: „Kinder müssen selbst erfahren können, wo Gefahren liegen. Das kann nicht geschehen, wenn man Kinder in Watte packt und sie vor allem schützt. Stattdessen müssen Kinder langsam auf solche Situationen vorbereitet werden.“

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