KINDERGARTEN
Dialekt im Kindergarten?
In Züricher Kindergärten dürfen die Erzieher ab sofort nur noch Dialekt mit den Kindern sprechen. Migrantenkinder sollen so besser integriert werden.

- Schwyzerdüütsch im Morgenkreis: Durch eine Volksinitiative entschieden die Züricher Bürger, dass Kindergärtner während der Arbeit nur noch Dialekt sprechen dürfen.
"Ja zur Mundart im Kindergarten" heißt die Schweizer Volksinitiative, für die sich in Zürich nun eine klare Mehrheit der Bürger ausgesprochen hat. In der Konsequenz bedeutet das, dass Züricher Kindergärtner ab sofort nur noch im Dialekt mit den Kindern sprechen dürfen.
Dialekt im Kindergarten für bessere Integration
Das überparteiliche Initiativkomitee möchte mit seinem Vorschlag zum einen erreichen, dass "ein sinnvoller und kindgerechter, nachhaltiger Spracherwerb" für Kindergartenkinder gesichert wird. Außerdem sind die Initiatoren der Ansicht, dass mit Schwyzerdüütsch als einzige Unterrichtssprache im Kindergarten "eine optimale sprachliche Integration" von Migrantenkindern erreicht werden kann.
Unterricht in Hochdeutsch führe nicht zu besseren Schulleistungen
Wie die Initiative außerdem betont, sei nicht belegt, dass eine konsequente Kindergartenerziehung auf Hochdeutsch später zu besseren Leistungen in der Schule führe. Bisher setzte man in der Schweiz auf eine flexible sprachliche Regelung des Kindergarten- und Schulunterrichts. Dabei wurde sowohl der Dialekt Schwyzerdüütsch, sowie Hochdeutsch verwendet. Kantons- und Regierungsrat, sowie der Züricher Lehrerinnen- und Lehrerverband und die Schulpräsidien sprachen sich gegen die Initiative aus.
(tat)

Rattenmonster 14.08.11 - 21:40 Uhr
Ich befürchte, dass dem vordergründigen Argument: "Unter anderem sollen so Migrantenkinder besser integriert werden." eher der Hintergedanke anhaftet: ausländische Kindergärtnerinen sollen nicht unsere Kinder erziehen... Solche Ansätze grenzen eher aus als ein in meinen Augen.
Ausserdem, es mag zwar schön sein, wenn die Kinder die lokale Mundart lernen aber wozu, wenn sie es zu hause nicht anwenden? Migrantenkinder profitieren mehr davon in Deutschland hochdeutsch sprechen und schreiben zu lernen, was sie zu hause möglicherweise nicht lernen können, als von einem lokalen Dialekt, der sie höchstens auf der Strasse voran bringt. In der Schule und später im Beruf müssen sie praktisch wieder eine neue Sprache lernen. Geschweige von einem Studium, auf das sie schon mal gar nicht vorbereitet sind und mit den sprachlichen Voraussetzungen von ausländischen Studierenden starten, jedoch keinen Anspruch auf einen Deutschkurs haben. Deutsche Kinder hingegen haben zu hause die Möglichkeit die Nuancen und Unterschiede zwischen Mundart und Hochdeutsch zu erlernen, was Migrantenkindern vielfach nicht möglich ist.
Was ist dann mit den Eltern, die sich nicht wünschen, dass ihre Kinder Dialekt sprechen? Müssen sie dann auf den Kindergarten gänzlich verzichten? Immerhin ist unsere Gesellschaft immer mobiler. Es mag ja ganz reizvoll sein den Dialekt der eigenen Vorfahren zu kennen, aber warum sollte jemandem daran gelegen sein einen wildfremden Dialekt den Kindern beizubringen nur weil man aus beruflichen Gründen umziehen musste?

Kerstin 40+ 14.08.11 - 09:56 Uhr
Ich würde es klasse finden, wenn in Kindergarten nicht nur Hochdeutsch gesprochen wird, sondern zB auch Plattdeutsch. Ich komme aus dem Norden und habe Plattdeutsch früher als Teenie als "peinliche Bauernsprache" gehalten, heute ärgere ich mich, dass ich es kaum spreche. Ich finde schon dass Dialekte mit Identifizierung der Herkunft zu tun haben und vielleicht wäre es auch für ausländische Kinder schön, so noch zusätzlich "dazu zu gehören", warum nicht?

f.j.neffe 07.08.11 - 23:30 Uhr
Ich habe vor vielen Jahren schon Kinderlieder für den Schweizer Kindergarten gemacht. Sie mussten erst ins Schwyzer Dütsch (oder auch ins Italienische) übersetzt werden.
Unser konkretes Wissen über die Schweiz ist doch in aller Regel mehr als dürftig. Migrantenkinder lernen in Hamburg auch ein anderes Deutsch als in Biberach oder Rosenheim. Wichtig ist doch vor allem, dass sich Kinder und ErZIEHer menschlich erreichen und dass es/man sie zum Lernen ZIEHT und nicht drückt. Die Schweiz hat doch bis heute ihre (auch verschiedenen) Dialekte beibehalten. Im Radio spricht man Schwyzerdütsch, nur die Nachrichten und Verkehrsdurchsagen sind Hochdeutsch. Insofern haben die Schweizer eine ganz andere Tradition wie wir.
Uns allen gemein ist, dass wir lernen sollten, uns in der Sprache zu begegnen, die wir mitbringen. Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe