Als Mum ist man so senil wie eine 80jährige

Carla berichtet im 11. Teil ihrer Kolumne vom Vergesslich sein, da man nur noch an sein Kind denkt.


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Carlas Kolumne

Ihr kleiner Mäusemann lässt Carla vergesslich werden. Foto: Privat


Mein altes ICH brauchte keinen Terminkalender. Ich hatte zwar einen – brauchte ihn aber nicht. Einkaufszettel? Für was? Erinnerungszettel für den nächsten Arzttermin? Nein danke. Mein altes ICH konnte sich alles merken. Ich hatte ein tolles Gedächtnis. Was Freunde einmal nebenbei erwähnten, wurde sofort gespeichert und konnte eeeeewig später auch noch abgerufen werden. Ich war wirklich nicht auf den Kopf gefallen. Heute sieht es so aus: Ich lasse die EC Karte sperren nachdem ich eine Stunde lang den Geldbeutel ergebnislos gesucht habe und die arme TeGut-Frau in meiner Panik durch den ganzen Laden hechten ließ, um danach festzustellen, dass er noch in der Einkaufstasche liegt. Ich lege den Autoschlüssel auf die Kante des Kofferraumes und haue diesen mit Schwung zu und zack – Schlüssel im Kofferraum und das Auto schließt sich ab! Schlüssel drinnen, Auto zu, Carla draußen. Ausgeschlossen aus dem Auto! (Zum Glück saß der süße Mäusemann nicht mehr im Auto.) Ich werfe das Rezept vom Kinderarzt in den Postkasten und marschiere mit dem Brief für die KiTa Anmeldung zur Apotheke. Beim anschließenden Versuch das Rezept wieder aus dem Briefkasten zu angeln, zerkratze ich mir den gesamten Handrücken und sehe aus, als hätte ich in einen Löwenkäfig gefasst. Ich schreibe vor jedem Einkauf einen Einkaufszettel, um diesen jedes Mal – aber wirklich definitiv immer! – zuhause auf dem Esstisch liegen zu lassen und die Hälfte von dem was ich wirklich bräuchte zu vergessen… der Zettel wird dann natürlich irgendwann doch in die Hosentasche gestopft, um mitgewaschen zu werden und dabei zu zerfusseln. Ich meckere herum, wer meinen Kulli schon wieder eingesteckt hat und halte ihn selbst in der Hand … Ich setze mich auf den Boden zum Stillen, weil mir das Sitzen auf der Luftmatratze zu niedrig ist. (Über dem Kopf von meinem MC Dreamy konnte man nach dieser Aussage – ja, ich habe das peinlicherweise auch noch verbal geäußert – fast die Fragezeichen schweben sehen.) Ich gehe mit Zahnpasta-Baby-Fingerabdrücken auf der Nase und am Hals aus dem Haus, weil ich statt mich im Spiegel zu checken lieber die Wickeltasche auf Schnuffeltuch und Schnuller überprüfe. (Jetzt weiß ich auch warum mich der nette Verkäufer im H&M so nett angelächelt hat … es war vielleicht doch eher Mitleid.) Mein Hirn beschränkt sich momentan also scheinbar steinzeitmensch-mäßig auf die Rolle der Sammlerin und Versorgerin. Und der Mann meiner Träume ist wie schon immer der Jäger der frisches Fleisch anschleppt?! Meine grauen Zellen scheinen sich verabschiedet zu haben. Sie denken nur noch an meinen süßen Mäusemann. Sie erinnern sich nur noch an wickeln, stillen, Windelsonderangebote und Vorsorgetermine beim Kinderarzt. Naja, ich bin blond … da fällts wenigstens nicht so arg auf.