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IM INTERVIEW

"Meine Mama hat mich geerdet"

Bei den diesjährigen Olympischen Spielen in London ist Profi-Schwimmerin und Medaillen-Hoffnung Britta Steffen (28) Botschafterin der weltweiten Kampagne „Danke Mama“. Im familie.de-Interview erzählte sie uns gemeinsam mit ihrer Mama Ingrid über ihr Mutter-Tochter-Verhältnis, Leistungsdruck und sportliche Förderung.

Britta Steffen und ihre Mutter Ingrid
Die beiden halten zusammen: Britta Steffen und ihre Mutter Ingrid. Foto: Procter & Gamble.

familie.de: Britta, die Olympiade startet in weniger als 5 Monaten. Sind Sie schon aufgeregt?

Britta Steffen: Ich bin auf jeden Fall schon ein bisschen aufgeregt. Aber jetzt stehen erst mal die Trainingslager und die Olympia-Qualifikation auf dem Programm. Eigentlich nehme ich alles Stück für Stück, also hält sich die Aufregung noch in Grenzen.

familie.de: Sie sind für Procter & Gamble die deutsche Botschafterin der Olympia-Kampagne "Danke Mama". Für was sind Sie Ihrer Mutter ganz besonders dankbar?

Britta Steffen: Vor allem bin ich ihr dankbar, dass ich damals mit zwölf Jahren auf die Sportschule gehen durfte. Das ist schon etwas ganz Besonderes, denn es fiel meiner Mutter wirklich schwer, mich gehen zu lassen. Für das Vertrauen, das sie mir diesbezüglich entgegen gebracht hat, bin ich ihr einfach dankbar. Außerdem hat sie mich immer unterstützt. Wenn ich, wie jetzt aufgrund des Studiums und der Schwimmerei sehr wenig Zeit habe, kocht sie schon mal für eine Woche für mich vor, oder wäscht meine Wäsche. So entlastet sie mich sehr. Das finde ich nicht selbstverständlich, dafür bin ich ihr dankbar. Da ist meine Mama einfach eine ganz tolle.

Britta und Ingrid Steffen
Acht Goldmedaillen hat sie schon: Britta Steffen und ihre stolze Mama Ingrid freuen sich auf die Olympischen Spiele in London. Foto: Procter & Gamble.

familie.de: Frau Steffen, wann haben Sie gemerkt, dass Ihre Tochter ein ganz besonderes sportliches Talent hat und wie haben Sie sie unterstützt?

Ingrid Steffen: Britta ist eigentlich immer gerne zum Schwimmen gegangen. Ihre Schwimmlehrerin hat mich gefragt, ob Britta nicht zur Sportschule gehen könnte. Es ist mir sehr schwer gefallen, sie gehen zu lassen. Ich hätte sie lieber bei uns in der Nähe gehabt. Aber sie wollte unbedingt auf die Sportschule. Schließlich haben wir uns gedacht, jetzt beißen wir in den sauren Apfel und lassen sie gehen. Sie soll schließlich glücklich sein. Wenn was aus ihr wird, dann haben wir alles getan, und wenn nicht, dann war es einfach eine neue Erfahrung.

familie.de: Britta, Sie haben früh mit dem Profisport begonnen. Wie stark hat der Sport ihr Leben neben der Schule bestimmt? Hatten Sie überhaupt Zeit, sich wie andere Teenies mit Freunden zu treffen?

Britta Steffen: In den ersten vier Jahren an der Sportschule war ich sehr brav. Der Tag begann mit Schwimmtraining, dann hatten wir Schule. Danach sind wir nochmal von vier bis sechs Uhr geschwommen. Ab und zu hatten wir Zusatztraining zur Rücken-Bauch-Stabilisierung. Dann haben wir in der Mensa gegessen und waren im Internat zum Schlafen. Man hatte auf jeden Fall Rückhalt, ob durch Lehrer oder Freunde. Viel prägnanter war die Erfahrung, dass Mama und Papa nicht da waren. Wenn es dir schlecht geht, können Freunde – gerade mit 12 oder 13 Jahren – nicht wirklich trösten. Da braucht man einfach die Mama. Das war für meine Eltern nicht so schön, wenn das Kind dann mal weinend anrief und sie konnten es nicht in den Arm nehmen. Aber all das haben wir als Familie ganz gut überstanden. Es war immer umso schöner, wenn ich dann mal nach Hause gefahren bin und die körperliche Nähe meiner Eltern hatte.

Britta und Ingrid Steffen
Mutter und Tochter versuchen, sich so oft wie möglich zu sehen. Foto: Procter & Gamble.

familie.de: Frau Steffen, wie haben Sie Ihre Tochter auf dem Weg zur Schwimmkarriere gefördert?

Ingrid Steffen: Wenn es mal nicht so gut gelaufen ist, haben wir telefoniert, oder wir haben Sie am Wochenende besucht. Wir haben immer versucht, sie zu unterstützen, egal was war.

familie.de: Wie bringt man Kindern bei, mit Niederlagen umzugehen?

Britta Steffen: Wenn es bei mir mal nicht so gut lief, habe ich ganz schön gewettert. Mein Lieblingssatz war: "Ich hör‘ jetzt auf mit Schwimmen". Ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie meine Mama dann das Handtuch um meine Schultern gelegt und mich trocken gerubbelt hat. Sie hat mir dann zugeredet: "Ach, das ist doch nicht so schlimm. Dann bist du eben heute mal Zweite. Und das nächste Mal wird es wieder besser." Ich habe weiter geschimpft, aber meine Mutter ist auf meine Worte gar nicht eingegangen, sondern hat mich eher spüren lassen, dass es noch weit mehr gibt, als nur einen Schwimmwettkampf. Dann sind wir nach Hause  gefahren und daheim war Schwimmen kein Thema mehr. Das liebe ich bis heute! Daheim ging es nicht mehr ums Schwimmen, nicht um Leistung. Da war die Familie zusammen und es gab andere Themen. Das war vielleicht auch in vielerlei Hinsicht der Schlüssel für meinen Erfolg. Ich hatte keine Sonderrolle in meiner Familie.  Meine Mama hat mich geerdet und mir zu verstehen gegeben, dass die Schwimmerei wirklich nicht alles ist.

Ingrid Steffen: Wir haben versucht, keinen Druck aufzubauen. "Du musst jetzt …" gab es bei uns nicht. Wir haben Britta lieber mal in den Arm genommen und ihr ein paar gute Worte zugesprochen. Das hilft wahrscheinlich am besten.

familie.de: Britta, mit Mentaltraining haben Sie gelernt, Ihre Tiefpunkte zu überwinden und konstant Ihre Leistung zu steigern. Können Sie uns dazu ein bisschen was erzählen?

Britta Steffen: Ich glaube, ein negativer Zug an meinem Charakter ist, dass ich sehr ehrgeizig bin. Ich versuche immer alles perfekt zu machen und wollte mir früher nie so richtig helfen lassen. Daran habe ich mit meiner Mentaltrainerin gearbeitet und bestimmte Techniken entwickelt. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, sich selbst an bestimmten Akupunkturpunkten zu beklopfen oder zu massieren, wie bei einer Akupressur. Dazu sagt man sich Sätze wie "Ich liebe und akzeptiere mich". Wenn ich heute sauer oder wütend bin, oder Angst habe, entwickle ich eine bestimmte Atemtechnik. So kann man wieder zu sich selbst in den Körper kommen, sich fühlen. Viele bleiben bei Problemen im Kopf. Dadurch entsteht eine Negativspirale, in der man nichts Gutes mehr sieht. Das Belohnungssystem im Gehirn schaltet aus. Und genau das muss man wieder anschalten. Das funktioniert durch die "Klopferei", indem man seinen Kopf oder seine Füße wieder spürt. Es ist eigentlich so, wie meine Mutter gesagt hat: Es ist nur Sport und es gibt noch viele andere Sachen im Leben. Das Wichtigste ist eigentlich, dass man gesund ist und dass man liebe Menschen um sich herum hat. In dieser Beziehung hatte ich bisher ganz großes Glück und das hat mir sehr weiter geholfen.

Britta und Ingrid Steffen
Ein sympathisches Duo: Mama Ingrid hat Britta immer unterstützt, wenn es ihr auch manchmal schwer gefallen ist. Foto: Procter & Gamble.

familie.de: Wie oft sehen sie beide Sie sich?

Britta Steffen: Normalerweise einmal die Woche, aber wenn ich im Trainingslager bin, klappt das nicht. Ich freue mich aber immer sehr, wenn wir sonntags aus dem Trainingslager kommen. Denn dann warten meine Eltern schon in meinem Haus auf mich. (Lacht) Das Feuerchen brennt und das Essen wird warm gehalten. Und dann quatschen wir erst einmal den ganzen Abend. Das ist immer wunderbar.

familie.de: Das klingt sehr gemütlich.

Britta Steffen: Ist es auch!

familie.de: Sie sind mit dem Profi-Schwimmer Paul Biedermann liiert. Wie funktioniert eine Sportlerbeziehung?

Britta Steffen: Eigentlich auch nicht anders wie eine normale Beziehung. Jeder macht sein Ding. Gerade aufgrund der Entfernung hört man sich eigentlich täglich und nimmt sich Zeit dafür. Das ist ein sehr, sehr positiver Aspekt, den ich bei anderen Beziehungen, die räumlich gesehen näher waren, nicht so intensiv gespürt habe. Die Qualität dieser Beziehung ist also eine ganz hohe. Wir haben das Glück, dass wir in den Trainingslagern der Nationalmannschaft immer zusammen sind. Die harten Tage verleben wir also zusammen, und an den schönen, an denen jeder zu Hause ist, haben wir uns leider nur am Telefon. Aber wenn es so sein soll, dann ist es irgendwann auch mal anders. Und wenn nicht, dann hatten wir wenigstens eine schöne Zeit.

familie.de: Wie sieht Ihre Familienplanung aus? Möchten Sie Kinder?

Britta Steffen: Ich glaube, Kinder sind das Schönste auf der Welt. Und wenn mir das Schicksal vergönnt ist, Kinder zu bekommen, dann bin ich sehr glücklich. Und wenn nicht: Mein Bruder hat schon Kinder. Das sind dann eben meine Ersatzkinder.

familie.de: Der Druck ist also nicht so hoch …

Britta Steffen: Überhaupt nicht, nein. (lacht)

familie.de: Die Oma ist erst einmal ruhig gestellt …

Britta Steffen (lachend): Genau, genau … 

Ingrid Steffen (ironisch): Ja, ja, sehr schön.

familie.de: Vielen Dank für das sympathische Interview!

 

Britta Steffen unterstützt zu den Olympischen Spielen 2012 in London die P&G Kampagne "Danke Mama". In diesem Rahmen werden unter anderem weltweit 122 Athleten-Mütter nach London eingeladen, um die Olympischen Spiele London 2012 für sie zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen und ihnen die Möglichkeit zu geben, live bei den Wettkämpfen ihrer Kinder dabei zu sein.

 

(Interview: Tanja Thurner)

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