
Im Interview erklärt Prof. Gerald Hüther, Neurobiologe an der Universität Göttingen, warum Zuwendung und gemeinsame Aktivitäten die geistige Entwicklung von Kindern positiv beeinflussen.
baby&co: Sie sagen, Kinder brauchen ein Gefühl von emotionaler Sicherheit, um lernen zu können. Können Sie das näher erklären?
Prof. Gerald Hüther: Eigentlich kennt das jeder Mensch. Wenn wir uns sicher und geschützt fühlen, sind wir neugierig und offen für neue Erfahrungen und Reize. Wenn wir dagegen Angst haben oder verunsichert sind, blockiert uns das. Bei Kindern passiert dasselbe. Wenn ihnen der Rückhalt durch eine vertraute Bezugsperson fehlt, stehen sie unter Stress, was die Entwicklung ihres Gehirns beeinträchtigt. Im schlimmsten Fall verkümmert die enorme Neugier, Lernfähigkeit und Gestaltungslust, mit der sie auf die Welt kommen.
Eine liebevolle, sichere Bindung an Mama und Papa ist also eine Art
Düngemittel für das Hirn des Kindes?
Ja, die personale Bindung ist sehr wichtig, denn das Kind fühlt sich dadurch angenommen und aufgehoben. Es gibt aber noch eine zweite Form von Verbundenheit, die genauso wichtig ist, weil sie das kindliche Bedürfnis nach Freiheit und Selbstständigkeit befriedigt: das gemeinsame Handeln oder sich um etwas zu kümmern. Solche gemeinsamen Aktivitäten gehörten früher automatisch zum Familienleben. Man versorgte zusammen Tiere und Felder, hackte Holz, backte Brot und so weiter. Kinder erlangten dabei alle Kompetenzen, die sie für ihr kommendes Erwachsenenleben brauchten. Heute müssen Eltern solche gemeinsamen Aktivitäten gezielt gestalten.
Wie kann das im Alltag aussehen?
Betrachten Sie einfach gemeinsam mit Ihrem Kind dasselbe Objekt – ein Bilderbuch oder den Ausblick aus dem Küchenfenster. Jeder wird dabei unterschiedliche Dinge wahrnehmen. Tauschen Sie sich über die verschiedenen Eindrücke aus. Gehen Sie bei einem Waldspaziergang gemeinsam auf Entdeckungstour. Wer findet was? Singen, basteln, bauen und werkeln Sie gemeinsam. Oder kümmern Sie sich gemeinsam mit dem Kind um eine Topfpflanze, ein Haustier oder Ähnliches. Auch die gemeinsame Fürsorge für ein krankes Familienmitglied verbindet. Ziel aller Beschäftigungen ist es, das Kind so oft wie möglich an Aufgaben zu beteiligen, an denen es wachsen kann. Und das im direkten Austausch mit seinen Bezugspersonen, die ihm zeigen, was im Leben zählt.

Wer liebevoll für seine Kinder sorgen möchte, muss auch für sich selbst sorgen. Tipps für ein leichteres und erfüllteres Leben als Eltern:
Etwas zusammen entdecken, erleben, machen – davon profitieren Kinder und Erwachsene. So verschaffen Eltern sich die Freiräume dazu:
Als kleiner Teil von etwas Großem aufzuwachsen, ist ein Geschenk. Diese Perlen liegen in der Familien-Schatztruhe:

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