
Worauf Schwangere und junge Familien bei Tieren achten sollten. Wie sich Tiere schnell an neue Familienmitglieder gewöhnen und richtig in die Familie integriert werden.
Ein Baby stellt eben nicht nur das Leben seiner frischgebackenen Eltern auf den Kopf. Auch Tiere, besonders Hunde und Katzen, spüren, dass mit dem neuen Familienmitglied vieles anders ist als vorher. Deshalb sollte man seine Tiere auf den Familienzuwachs vorbereiten: Hunde, die bisher kaum Kontakt mit Kindern hatten, lassen sich durch Besuche bei befreundeten Familien an das Verhalten von Kindern gewöhnen. Und werdende Mütter können ihren besonders anhänglichen Vierbeinern frühzeitig klarmachen, dass auf ihrem Schoß bald kein Platz mehr sein wird, beispielsweise indem sie sich Bücher auf die Knie legen, sobald das Tier dort Platz nehmen möchte. Ist das Kind dann auf der Welt, kann der Vater aus dem Krankenhaus einen getragenen Strampler mitbringen, damit sich der Hund an den neuen Geruch gewöhnen kann.
Beim ersten Treffen sollte man seinen Vierbeinern Zeit lassen und den Kontakt nicht aufdrängen. Ansonsten ist es förderlich, wenn man Tiere in den neuen Alltag mit einbezieht und bei den Aktivitäten mit Baby dabei sein lässt. Niemals sollte man allerdings einen Hund oder eine Katze mit dem Kind alleine in einem Raum lassen. „Selbst wenn man glaubt, sein Tier hundertprozentig zu kennen, sicher kann man sich nie sein“, sagt der Kemptener Kinderarzt Dr. Rudolf Kappes, der immer wieder Babys und Kleinkinder mit Hundebissen behandeln muss.
Ein Baby kann durch plötzliches Geschrei, heftige Bewegungen oder Ziehen an Schwanz und Ohren selbst beim treuesten Tier heftige Reaktionen provozieren: Knurren, Bellen oder im schlimmsten Fall Beißen. Und selbst sonst liebe Katzen fahren die Krallen aus, wenn man sie bedrängt. Sobald das Kind beginnt, sich selbstständig fortzubewegen, müssen Eltern deshalb extra aufmerksam sein. Korb und Futternapf sind für Kinder tabu. Ebenso sollten Kinder auf keinen Fall mit dem Spielzeug der Tiere spielen und umgekehrt. Zum einen, damit es nicht zu kritischen Situationen kommt, zum anderen aus hygienischen Gründen. Und: „Besonders bei Katzen muss man aufpassen, dass sie sich nicht ins Babybett legen“, sagt Dr. Kappes. Damit es nicht zu Eifersucht kommt, sollte man zudem sooft es geht ausgiebig mit den Tieren spielen.
Nicht selten werden Tiere aber schon während der Schwangerschaft abgeschafft, weiß die Tierexpertin Dr. Claudia Ludwig, die für den WDR die Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ moderiert (jeden Sonntag ab 18.15 Uhr). Als sie mit ihrem ersten Kind schwanger war, bekam sie nicht nur von Bekannten, sondern sogar von einem Gynäkologen den wohlmeinenden Tipp, ihre Hunde und Katzen wegzugeben. In der Tat gehört neben Allergie, Scheidung und Tierhaltungsverbot eine Schwangerschaft zu den häufigsten Gründen, warum Tiere im Tierheim landen, so der Bund gegen Missbrauch von Tieren (bmt). „Traurig für Mensch und Tier“, sagt Claudia Ludwig, „dabei sind Haustiere auch in der Schwangerschaft und mit Babys kein Problem, wenn man es vernünftig angeht.“ Der Meinung ist auch der Kinderarzt Dr. Kappes: „Solange keine Allergie vorliegt, muss man Haustiere nicht abschaffen, wenn sich ein Baby ankündigt. Eines sollte einem aber klar sein: Tier ist Tier und Mensch ist Mensch. Wir erleben bei Hausbesuchen immer mal wieder, dass das Katzenklo unter dem Wickeltisch steht. So etwas geht überhaupt nicht.“
Die Tierexpertin Ludwig wirbt dafür, dass man bei aller berechtigter Vorsicht und Hygiene nicht vergisst, wie beglückend und wohltuend Tiere für eine Familie sein können. In einer Pilotstudie fanden Wissenschaftler zum Beispiel heraus, dass Hunde Kinder in Stresssituationen nachhaltig unterstützen können. „Werden die Kinder in einer verunsichernden Situation von einem Hund begleitet, steigt der Stresspegel deutlich weniger an und sinkt viel schneller als bei Kindern, die keinen Vierbeiner an ihrer Seite haben“, so Prof. Henri Julius von der Uni Rostock. Klara, die mit Minki und Pauline aufwächst, weiß inzwischen schon gut Bescheid: „Am Schwanz ziehen und gegen den Strich streicheln mögen Katzen nicht.“ Auch ihre Mutter freut sich über das entspannte Verhältnis: „Wenn Klara die Katzen ihren Freundinnen vorführen will, muss ich manchmal noch rettend eingreifen, aber sonst klappt es prima.“
Tiere werden besonders dann zum geliebten Familienmitglied, wenn sie wirklich zur Lebenssituation und Befindlichkeit passen. Claudia Ludwig erlebt aber häufiger, dass Eltern, die eigentlich kein Tier wollen, dem Drängen der Kinder nachgeben, dann aber statt des gewünschten Hundes oder der Katze ein vermeintlich pflegeleichteres Meerschweinchen oder Kaninchen anschaffen. „Die Kinder verlieren an diesen Tieren aber oft schnell die Lust, weil man nicht so viel mit ihnen anfangen kann.“ Mit Hunden oder Katzen dagegen können Kinder wirklich spielen, sie werden zu echten Familienmitgliedern. Ludwigs Tipp: Ein Tier sollte immer ein Familientier sein, das allen gehört. Sonst tragen Geschwister ihre Rivalitäten über die Tiere aus. Wenn man sich einen Hund anschafft, sollte man sich vorher informieren, welche Rassen pflegeleicht und kinderfreundlich sind. „Oft sind die Vertreter gemütlicherer Rassen wie Labrador oder ein kleiner oder mittelgroßer Mischling viel besser für Familien geeignet als ein bewegungsintensiver Husky oder ein anstrengender Terrier, für die man einfach mehr Zeit braucht“, sagt Ludwig.
Wenn Tiere gar nicht ins eigene Leben passen, gibt es zum Glück noch viele andere Möglichkeiten, Kindern Kontakt zu Tieren zu ermöglichen: In den meisten Zoos gibt es Streichelgehege, auf Biohöfen darf man oft in die Ställe gehen. Und vielleicht kann man ja das Haustier von Freunden im Urlaub in Pflege nehmen – dann bekommt man ein gutes Gefühl, wie es wäre, selbst eines zu haben.

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