Aufgabe der Eltern: Gesunden Ehrgeiz der Kinder fördern


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Aufgabe der Eltern: Gesunden Ehrgeiz der Kinder fördern

Unsere Aufgabe als Eltern ist es, diese frühe Lust am Gelingen zu erhalten, zu fördern und wie einen kostenbaren Schatz zu hüten und zu pflegen. Pflegen heißt aber mitnichten verwöhnen und verzärteln. Kinder brauchen vielmehr die Möglichkeit, sich einzubringen, sich anzustrengen und auch mal alles in die Waagschale werfen zu können. Dann können sie zeigen, was in ihnen steckt. Aber selbstverständlich ist das heute nicht. „Kindern fehlt es häufig an Aufgaben, die sie fordern, anspornen und ihnen die Chance geben, über sich hinauszuwachsen“, sagt Gerald Hüther. Der Neurobiologe spricht aber auch ganz klar von der schwierigen Balance, die es zu finden gilt: „Wir leben in einer stark auf Konkurrenz und Rivalität ausgerichteten Gesellschaft. Da wird aus Fördern und Fordern schnell strammer Ehrgeiz. Und diesen Ehrgeiz reden wir uns dann als „Zukunftskompetenz“ schön, weil sich mit ihm Macht und Erfolg scheinbar leicht realisieren lassen. Unseren Kindern tun wir mit solch einer Haltung aber keinen Gefallen.“ Intrinsische und extrinsische Motivation   Es ist eben nicht so einfach mit dem Ehrgeiz. Wie wecken wir Lust auf Leistung, ohne unsere Kinder zu kleinen Karrieristen zu erziehen, die sich immer nur mit anderen vergleichen und den Erfolg brauchen? Der Lübecker Schulpsychologe Norbert Hartmann sagt: „Entscheidend ist, ob ein Kind aus sich heraus handelt oder überwiegend fremdbestimmt ist.“ Die Fachworte dafür lauten „intrinsisch motiviert“ und „extrinsisch motiviert“. Kurz gesagt: Ideal ist es, wenn ein Kind eine gute Note schreibt, weil es sich für das Thema interessiert und den Stoff durchdrungen hat. Die Eins ist dann sozusagen die schönste Nebensache der Welt. Problematisch wird es, wenn ein Kind sich nur um der Note willen anstrengt, um damit Lob und Anerkennung von Eltern und Lehrern zu ernten. „Da geht es dann nur um die Reaktion auf die Leistung, und das ist langfristig keine gute Basis“, sagt Hartmann. „Wer seinen Kindern Erfolg wünscht, sollte sich weniger um Noten und andere ,Leistungsbeweise´ kümmern, sondern Interesse  und Begeisterung für die Sache selbst wecken und fördern“, rät Hartmann. Das gelingt zum Beispiel, wenn Eltern eben nicht als Erstes nach der Note fragen, sondern sich erkundigen, worum es in der Klassenarbeit überhaupt ging. Scheinbar eine Kleinigkeit. Aber wenn Eltern sich für die Inhalte und den Lernstoff selbst interessieren, kommt beim Kind die Botschaft an: „Es geht um die Sache und nicht nur um die Ziffer, die der Lehrer unter meine Arbeit geschrieben hat.“ Der an der Uni Marburg lehrende Hochbegabten-Experte Prof. Detlef H. Rost hat festgestellt: „Hochbegabte, von denen man landläufig erwartet, dass sie aufgrund ihres Potenzials ständig Einser schreiben, sind oft zufrieden mit einem Zweier-Zeugnis. Und warum? Dafür müssen sie sich nicht anstrengen, und es bleibt ihnen mehr Zeit und Raum für ihre breit gefächerten außerschulischen Interessen.“ Ehrgeiz zeigt sich eben nicht nur in Supernoten, sondern, wie hier, in der klugen Einteilung der Kräfte.