Bedürfnisorientierte Erziehung: Das bedeutet Attachment Parenting

Erziehung verändert sich. Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt reduziert sich glücklicherweise die Strenge der Eltern. Wer sich heute mit dem Thema Erziehung auseinandersetzt kommt um die aktuell angesagte Richtung nicht herum: die bedürfnisorientierte Erziehung, auch Attachment Parenting (AP).


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Bedürfnisorientierte Erziehung: Körperkontakt ist das A und O


Was bedeutet bedürfnisorientierte Erziehung? Der US-Arzt William Sears prägte den Erziehungsstil Attachment Parenting, der seit den 40er Jahren entworfen und Anfang der 2000er perfektioniert wurde. Die Eltern achten und deuten die Signale des Babys. Körperkontakt und Nähe sind dazu absolut notwendig. Lena Glodde hat sich im Studium intensiv damit auseinander gesetzt und einen praktischen Ratgeber dazu geschrieben. Die 34-Jährige erklärt: "Es geht bei der bedürfnisorientierten Erziehung um die Erfüllung der Grundbedürfnisse des Kindes. Schutz steht im Mittelpunkt. Für ein Baby ist beispielsweise ein Schlaflernprogramm nicht nachvollziehbar. Ein Baby schreit nicht, weil es die Eltern ärgern oder verwöhnt werden will. Es fordert lediglich ein Grundbedürfnis wie Körperkontakt und den Wunsch nach Bindung ein."

Mutter kuschelt mit Baby im Tragetuch


© iStock
Bindungstheorie als Grundlage

Die bedürfnisorientierte Erziehung begründet sich auf der Bindungstheorie. Laut dem Wissenschaftler John Bowlby ist die  Beeinträchtigung der frühen Mutter-Kind-Beziehung ein ausschlaggebender Vorläufer psychischer Störungen. Schon in den 40er Jahren fanden Wissenschaftler heraus, dass Kleinkinder, die längere Zeit z.B. im Krankenhaus allein gelassen worden sind, später Auffälligkeiten zeigen. Lena Glodde erklärt: "Die sichere Bindung zu mindestens einer Bezugsperson ist wirklich überlebenswichtig. Das prompte, angemessene und feinfühlige Reagieren und auf ein Baby und Kleinkind schafft eine sichere Bindung. Eltern müssen dafür sorgen, dass die Grundbedürfnisse erfüllt werden – das ist das wichtigste, was ein Baby im ersten Lebensjahr erfüllt werden soll.“

Das erste Lebensjahr ist das wichtigste

Das erste Lebensjahr steht beim Attachment Parenting nach im Mittelpunkt. "Das erste Lebensjahr ist bei der bedürfnisorientierten Erziehung das wichtigste. Allerdings ist es auch wichtig, weiterhin auf die Grundbedürfnisse des Kindes einzugehen – zum Beispiel für das Kind da zu sein, wenn es emotional aufgewühlt ist. Das Bedürfnis nach Schutz und Begleitung bleibt."

Mütter, die sich die bedürfnisorientierte Erziehung konsequent umsetzen, richten ein Familienbett ein, tragen ihr Baby und stillen ihr Kind bis es etwa vier Jahre alt ist. Kinderwagen, Beistellbett oder Schlaftraining sind tabu. Die Pädagogin sieht diese Art der Erziehung allerdings nicht ganz so streng und ist kein Fan von der Extreme. "Wenn ein Kind fröhlich und friedlich im Kinderwagen liegt oder im eigenen Bett schläft ist das auch völlig okay. Nur, wenn es nicht funktioniert, sollte man umdenken. Wenn das Kind Nähe einfordert, sollte dieses Grundbedürfnis erfüllt werden." Sie findet es besonders wichtig, sich nicht reinreden zu lassen. Insbesondere der Spruch 'Du verwöhnst das Kind viel zu sehr' fällt schnell. Lena widerspricht: "Kinder sind mit einem halben Jahr Alter kognitiv noch nicht in der Lage, mit Kalkül zu handeln. Sie weinen nicht, weil sie wissen, dass sie etwas dafür kriegen."

Das Schöne ist: Mütter und Väter haben immer noch selbst in der Hand, inwiefern sie Attachment Parenting individuell für ihr Kind anwenden. Wie Eltern die bedürfnisorientierte Erziehung tatsächlich umsetzen ist glücklicherweise jedem selbst überlassen.

Schwer beschäftigt :D

Ein Beitrag geteilt von Lena vom Apfelgarten (@der_apfelgarten) am


Lena Gloddes Buch "Clevere Kommunikation mit Kleinkindern – So versteht dich dein Kind" ist im Selbstverlag erschienen und über ihre Webseite Der-Apfelgarten.de erhältlich. Gerade ist auch ihr neuer Ratgeber "Bedürfnisorientiertes Stillen" herausgekommen.


Autorenbild Hella Brunke

von Hella Brunke




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