Der Käsekuchen

Obwohl Käsekuchen Mums allergrößtes ist, verzichtet sie der Gesundheit wegen auf ein ganzes Stück und teilt sich mit dem Mäusi eines. Insgeheim hofft sie, vom Mäusi noch was abstauben zu können, weil der eher lustlos rumstochert. Die Rechnung hat Mum allerdings ohne den Mäusi gemacht. 


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Carlas Kolumne: Der Käsekuchen

Wenn ein Traktor vorbeifährt ist jeder Kummer vergessen, aber nur für den Moment. Bild: privat


Ich liebe Käsekuchen. Guten Käsekuchen. Ohne Rosinen. Sehr saftigen Käsekuchen mit dünnem  Boden. Davon könnte ich täglich drei Stücke essen. Zuweilen mag der Mäusemann auch Käsekuchen. Also backen wir ab und an welchen. Oder wir nehmen mal ein Stückchen vom Bäcker mit, welches wir uns dann teilen. Der Mäusi schafft ja alleine noch lange kein so großes Stück und ich begnüge mich mit dem Rest – gesund ist schließlich was anderes. Also kauften wir eines Tages nach einem hektischen Arzttermine-Vormittag für den Nachmittag beim Bäcker noch ein Stück köstlichen Käsekuchen. Des Nachmittags saßen also der Mäusemann und ich am Tisch mit dem Käsekuchen. Der kleine Knopf stocherte lustlos in dieser verführerischen Köstlichkeit herum. Er pickte ab und an einen Krümel auf und stocherte weiter. Ich nippte mit gierigem Blick auf den Kuchen an meinem Kaffee … Mum also in der Hoffnung der kleine Gourmet würde den Kuchen seiner futterneidischen Mutter überlassen: „Mäusi, magst du den Kuchen nicht essen?! Ich kann dir auch einen Joghurt holen?“ Mäusi: „Nein. Ich mag das.“ - Stocher … stocher … stocher. Mum: „Mäusi, darf ich mal probieren, wie köstlich der Käsekuchen schmeckt!“ Mäusi: „Ja, ich teil mit dir aber ich fütter dich!“ Nun piekte der Mäusemann also winzige Krümel auf die Gabel und hielt sie mir vor die Nase. Welche Gemeinheit. Mum: „Darf ich mir selbst nehmen? Oder gibst du mir mal ein großes Stück?“ Mäusi: „Nein. Das ist mein Kuchen.“ - Hmmm … neue Worte aus dem Schnabel meines Sprosses.         Der Mäusemann schaut aus dem Fenster. In dieser Sekunde packe ich die Gelegenheit beim Schopf und schnappe mir ein kleines größeres Stück vom bereits ziemlich zerstückelten Kuchen. Doch scheinbar habe ich die Auffassungsgabe meines Sohnes unterschätzt. Er dreht sich um, visiert seinen Kuchen an, hebt seinen Kopf, blickt mich an und sagt mit bitter ernstem Ton: „Da fehlt was. Wo ist das Stück?“ Mein Mund ist noch voll. Ich kaue vorsichtshalber nicht weiter, zucke nur mit den Schultern und untermale die Szene mit einem unschuldigen „Hmmm?!“ Doch natürlich riecht der Mäusemann den Braten sofort. „Mama, mach ma den Mund auf!“  - er grabscht nach meinem Kopf und presst seine kleinen Händchen auf meine Backen. Also mache ich brav den Mund auf und mit der Hälfte des Kuchenstücks in den Backen versuche ich zu erklären, dass ich mir nur ein minikleines Stück geschnappt habe. „Tus raus!“ fordert der Mäusi mich auf. „Das geht nicht mehr mein Schatz. Ich habe es doch schon gekaut und jetzt gerade beim Reden auch runter geschluckt!“ Und da passiert es. Dem kleinen Mäusemann schießen die Tränen in die Augen und er beginnt aus Leibeskräften zu schreien, weinen und schluchzen, dass er JETZT SEINEN KÄSEKUCHEN wiederhaben möchte. Sofort! „Immer isst du mir alles weg!“ Der Mäusemann hat es sage und schreibe zwei Stunden durchgezogen, alle Ablenkungsmannöver abzuschmettern um weiterhin auf den Verlust seines Käsekuchens lauthals (!) hinzuweisen. Alle Entschuldigungen und Versprechen, nie wieder heimlich etwas vom Teller zu nehmen, wollte mein Junior nicht hören, doch schließlich fuhr ein Traktor vorbei und die Welt war wieder im Lot. Tage später beim Bäcker bestellte der Mäusemann ganz alleine und selbstständig mit seinem Geld in der Hand eine Brezel. Hierbei erzählte er erneut, dass Mum ihm zu Hause immer alles weg esse. Deshalb esse er die Brezel lieber gleich und halte sie auch gut fest. Der seltsame, verurteilende Blick der Bäckereifachverkäuferin verfolgt mich seitdem stetig.

Und die Moral von der Geschicht: ein Stück Käsekuchen reicht einfach nicht!!