… der neue Job und das alleine sein

Carla erzählt im 10. Teil ihrer Kolumne davon, dass sie jetzt alles in Begleitung macht und ihren Mäusemann nach ein paar Stunden schrecklich vermisst.


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Carlas Kolumne - 10. Teil

Ihr kleiner Mäusemann ist Carlas Liebe ihres Lebens. Foto: Privat


Mein altes ICH war gerne allein. Auch in einer Beziehung hatte mein altes ICH stets viel Zeit für sich gebraucht. Einfach mal seine Ruhe haben. Jeden Abend zusammen verbringen war nicht nötig. Nicht mal jeden Abend telefonieren fand mein altes ICH sinnvoll. Man freut sich schließlich mehr aufeinander, wenn man nicht ständig aufeinander hockt. Ruhe? Mein neues ICH kennt das nicht. Jetzt ist Mum 24 Stunden am Tag nicht mehr alleine. Ja, Mum kann auch mit einem weinenden Kind auf dem Arm aufs Klo gehen, bevor Mum sich in die Hose pinkelt. Mit Kind auf dem Arm lässt es sich kochen und backen. Zum Wäsche aufhängen und Staubsaugen nimmt Mum dann doch meist das Tragetuch. Ein Baby kann in der Wippe sitzend einem beim Duschen zusehen, wo Mum es mit Schaum auf dem Kopf bespaßen kann, weil es nicht alleine im Wohnzimmer im Laufstall liegen oder in seinem Bettchen schlafen mag. Einkaufen, Arztbesuche, Rückbildungskurs … alles in Begleitung. Mum ist einfach stets zu Diensten. Zum Trösten, Füttern, Wickeln, Umziehen, Anziehen, Kuscheln, Blödsinn machen … Ich habe quasi den schönsten Job der Welt, aber ohne geregelte Arbeitszeit, ohne gesetzlich vorgeschriebene Pausen und ohne Feiertags- oder Nachtzuschläge, ohne Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, dafür jedoch mit täglicher Nacht-, Früh- UND Spätschicht. Nur abends wenn der Mäusemann im Bett schon schläft, hat mein neues ICH ein wenig Zeit für sich. Zum Kochen, Putzen, Duschen, Essen, arbeiten, Anträge ausfüllen, … ohne Kind auf dem Arm. Aber aus dem Haus kommt man da auch nicht. Und plötzlich fällt einem schnell mal die Decke auf den Kopf und da fühlt Mum sich abends, wenn das Kind schläft, einsam, obwohl Mum gerne alleine ist, nicht mehr alleine ist und doch alleine ist. Klingt komisch, ist aber so. An diesen Tagen ist das Bett besonders kalt, die Kind-bekommt-Zähne-Nacht besonders lang, das Essen irgendwie langweilig, das nörgelige Kind den halben Nachmittag nicht zu erheitern … In diesen Momenten wünscht sich mein neues ICH den NICHT-Freund herbei, der eigentlich mein mc dreamy sein könnte - falls es so einen gibt - um eben nicht mehr alleine zu sein. Denn alleine sein mit einem kleinen Mäusemann und der ganzen Verantwortung, Verpflichtung und Sorgen für diesen, kann echt hart sein. Und außerdem sind die Tage mit dem mc dreamy und dem Mäusemann zu Dritt ja immer sooo schön. So schön, dass man gar nicht mehr gehen möchte, wenn wir bei ihm sind oder ihn eben behalten möchte, wenn er hier bei uns ist. Seit kurzer Zeit bleibt der Mäusemann einmal in der Woche für ein paar Stunden bei seiner Oma. Es fällt mir schwer ihn alleine zu lassen. Doch diese Zeit für mich alleine genießt mein neues ICH. Ich gehe dann nicht ausreiten, relaxen oder Spaß haben … ich gehe arbeiten. Für mich bedeutet dies ein paar Stunden raus kommen in eine „nicht-mummy-Welt“. Das tut mir gut, auch wenn es keine Freizeit ist … es ist meine Zeit. Und wenn mein neues ICH dann zurück kommt, kann Mum es nicht erwarten, den kleinen Schatz wieder in die Arme zu schließen und zu küssen, denn ich habe ihn soooo vermisst … die Liebe meines Lebens!