… der Schwieger-Tiger

Der Schwieger-Tiger ist eine Spezies für sich. Bei einem Aufeinandertreffen kochen gerne mal Emotionen hoch. Aber was ist eigentlich, wenn man dann mal selbst ein Schwieger-Tiger wird?


(0)

Melden Sie sich in unserer Community an, um Beiträge zu Ihren Favoriten hinzuzufügen.

Jetzt anmelden

Mein altes ICH wurde äußerst ungern den Müttern des Typen vorgestellt mit dem man eben zu diesem Zeitpunkt liiert war. Denn für Mütter stellt man wohl als Frau an der Seite eines Mannes eine Konkurrentin dar. Der Sohn – der ganze Stolz – wird der Mutter durch ein neues und jüngeres Modell Frau entrissen.

So war das auch bei meinem NICHT-Freund und mir.

Vor unserer Zeit fuhr er seine schmutzige Wäsche lieber knappe 300 km quer durch Deutschland, um sie sich von Mutti waschen und bügeln zu lassen. Denn Mutti meint, man braucht auch mit 42 noch keine eigene Waschmaschine. Sie macht diese Arbeit ja gerne für den schon etwas großen Buben. Spätestens mit 24 bekommt der Mäusemann eine Waschmaschine zum Geburtstag geschenkt! Nun ja mittlerweile lädt der Mann meiner Träume seine Dreckwäsche bei mir ab. Wieder ein Stück vom Sohn, welches ich der Mutti stehle. Und noch mehr ein Grund für den Schwieger-Tiger misstrauisch um die Rivalin zu schleichen, welche ihr den Jungen streitig macht. Und dann ist da ja auch noch der Mäusemann. Als Einzelenkelkind richtet sich nun natürlich alle Liebe und Aufmerksamkeit auf ihn. Als frisch gebackene Oma ist der Schwieger-Tiger natürlich besessen davon, Geschenke zu machen und den Mäusi mit allem zu verwöhnen, was es so auf dieser Erde gibt, was Mum jedoch auch wirklich nicht braucht. Sei es ein seltsamer Schaukelelefant, der dem Kind eher unheimlich ist, oder ein quietschgelber Plüsch-Giraffen-Koffer, von dem ich beim ersten Anblick Gänsehaut bekomme und inbrünstig hoffe, dass dieser nicht mit nach Hause genommen werden muss, sondern bei der Oma bleibt … damit man da halt auch was zum Spielen hat! Überfreundlich und doch mit großem Misstrauen begegnet der Schwieger-Tiger also mir als neuem Familienmitglied. Plaudere ich dann mal zu Besuch in Schwiegerstaft mit der Tante ausnahmsweise ungezwungen und frei, sehe ich die Ohren des Schwieger-Tigers immer größer werden. Plötzlich muss sie zufälligerweise in der Nähe etwas suchen, holen, räumen oder wischen. Sie tigert quasi um das Gespräch herum, um natürlich alles haargenau mitzubekommen … denn der Tiger würde wahrscheinlich eher zu Stein erstarren, anstatt freiwillig etwas Persönliches zu fragen, was nicht mit oberflächlichem Geplänkel zu tun hat. Kündigt sich dann auch mal die Schwieger-Familien-Sippe zu Besuch an, renne ich also schon vier Tage im Voraus hektisch durch die Wohnung … backe, putze, räume auf … und bin selbst nach zwei Jahren noch aufgeregt, wenn der Schwieger-Tiger mein Revier betritt. Es muss alles perfekt sein, damit der Schwieger-Tiger doch auch irgendwann mal einen guten Eindruck von mir erhascht, nachdem wir schon des Öfteren aneinander geraten sind. Denn auch wenn ich nur mit Widerwillen nach Schwiegerstaft zu bekommen bin und ich mich am liebsten verstecken würde wenn die Sippe anrückt, ist es doch die Familie und vor allem die Mutter von meinem mc dreamy. Sie hat ihn zu dem gemacht, was er ist … den, den ich liebe … auch wenn sie ihn total verkorkst hat! Und mal ganz unter uns: Mal sehen was für ein grausliger Schwieger-Tiger ich werde, wenn der süße Mäusemann plötzlich mit einer Tussi anrückt!