Durchgreifen auch wenn die Eltern der Gast-Kinder zu Besuch sind?


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Durchgreifen auch wenn die Eltern der Gast-Kinder zu Besuch sind?

Am schwierigsten ist es, wenn Eltern und Kinder gleichzeitig zu Besuch sind. „Das ist kompliziert“, sagt Diplom-Psychologin Annette Kast-Zahn (Jedes Kind kann Regeln lernen, Gräfe&Unzer 2007, 17.90 Euro). „Da eigentlich sie für das Verhalten ihres Kindes zuständig sind, würde ich mich lange zurückhalten, ehe ich etwas sage.“ Vor allem, wenn man die Eltern nicht gut kennt. Einer guten Freundin könne man eher sagen, „Hallo, mach da mal langsam etwas“ als einer Mutter, die man nur vom Kinderladen kennt. Wenn allerdings das Kind dabei ist, sich oder andere zu verletzen oder Gegenstände zu zerstören, ohne dass die Eltern reagieren, sollte man ohne weitere Rücksicht auf die Eltern das Kind direkt ansprechen. Und zwar am besten ganz direkt, sagt Holger Wyrwar. „Ein leicht dahingesagtes 'Ach, es wäre schön wenn du das lassen würdest' bringt wenig Erfolg. Am besten funktioniere ein direkter Blick in Augenhöhe und die klare Ansage 'Lass das bitte'.“ Allerdings kann es auch passieren, dass die Eltern die Situation ganz anders einschätzen und ungehalten reagieren. Das muss man dann aushalten, sagt der Pädagoge. „Bei Grundschülern ist es dann ja weit seltener, dass die Eltern mitkommen“, sagt Kast-Zahn. Wichtig sei vor allen Dingen, selbst die Kontrolle zu behalten - was auch immer den Kindern für Streiche einfallen, wie auch immer sie reagieren. „Am besten hat man bei jeder Aufforderung schon im Hinterkopf, was man macht, wenn das Kind einfach 'Nö' sagt“, rät Annette Kast-Zahn. „Wenn die eventuelle Konsequenz schon vorher klar ist, fällt es wesentlich leichter, gelassen zu bleiben, ganz gleich, was passiert.“ Dass es, wenn Freunde zu Besuch sind, zumeist lauter und wilder zugeht als sonst, sei aber normal. Auf keinen Fall dürfe man erwarten, dass Kinder, die gerade ausgelassen mit ihren Freunden spielen, perfekt funktionieren. „Wenn die Kinder mitten im schönsten Herumblödeln stecken, kann es schon passieren, dass die ein oder andere Ansage vielleicht etwas lauter ausfallen muss“, sagt Annette Kast-Zahn. „Die einzige Alternative wäre, gar keinen Kinderbesuch zu erlauben und das kommt ja nun gar nicht in Frage.“