Ehrgeiz fördert Gestaltungslust bei Kindern


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Ehrgeiz fördert Gestaltungslust bei Kindern

Kinder erschließen sich die Welt, indem sie ihre eigenen, klugen und oft anarchischen Wege gehen. Das damit verbundene Chaos mögen wir Erwachsene nicht sehr. Und zugegeben: Es auszuhalten, kostet wirklich manchmal Kraft. Aber es lohnt sich! Ein Beispiel: Am Wochenende hatte meine sechsjährige Tochter Carlotta Besuch von ihrem Kindergartenkumpel Ben. In ihrem Zimmer stießen die beiden auf drei alte Luftballons und kamen auf die Idee, sie zu Wasserbomben umzufunktionieren. Der Albtraum aller Eltern. Aber wir beschlossen: „Es ist ein heißer Tag. Unser Linoleumboden hält das aus. Lassen wir sie machen!“ Hinterher dachte ich: Wie gut, dass wir nicht unserem ersten Impuls gefolgt sind und „Nein“ gesagt haben. Denn eigentlich war es beeindruckend, was die beiden in einer Stunde mit ihrem natürlichen Ehrgeiz hinbekommen hatten:
  • Sie überzeugten uns von ihrem Projekt „Wasserbombe“ - wobei ihr wortreiches Plädoyer jedem Anwalt zur Ehre gereicht hätte.
  • Beim Befüllen der Ballons experimentierten sie mit Wasserdruck und Materialdehnung.
  • Sie lösten das Logistikproblem, die gefüllten Ballons heil in den Hof zu bekommen (in einer Metallschüssel).
  • Sie probierten verschiedene Möglichkeiten aus, bis der maximale Spritzeffekt erzielt war.
  • Sie handelten Regeln aus, was erlaubt ist und was nicht.
  • Sie liehen sich von Carlottas Vater zwei Euro, um bei der Drogerie weitere Ballons zu kaufen.
  • Sie wählten passende Ballons aus, bezahlten sie und kontrollierten das Wechselgeld.
  • Auf dem Rückweg zählten sie die Ballons und verteilten sie gerecht untereinander.
  • Nach der Wasserschlacht entsorgten sie vorbildlich die Ballonreste - das allerdings nur aufgrund meiner Ansage, dass sie nie, nie wieder Wasserbomben machen dürften, wenn ich hinterher im Hof nur einen einzigen Ballonfitzel fände.
  • Und das lernte ich an diesem Nachmittag: Kinder können eine enorme Gestaltungslust und Lernfreude entwickeln. Man muss nur den Mut haben, sie Dinge manchmal auch auf ihre Weise tun zu lassen. Ben und Carlotta „arbeiteten“ über eine Stunde an ihrem Projekt, sie diskutierten, organisierten, lösten Probleme. Kurzum: Sie leisteten eine Menge - und hatten Spaß dabei. Klingt ganz so, als könnte man sich - nicht ausschließlich, aber eben auch - mit etwas so Schlichtem wie Wasserbomben ganz prima auf den Ernst des Lebens vorbereiten und seinen Ehrgeiz ausleben. Und das ist doch wirklich eine gute Nachricht.