Gemeinsam stark: Worauf es in der Eltern-Kind-Beziehung ankommt

Damit Kinder emotional gefestigt und kompetent ihren Lebensweg beschreiten können, bedarf es einer positiven erzieherischen Grundhaltung. Ein Praxis-Ratgeber in neun Kapiteln, der klar macht, worauf es in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern wirklich ankommt.


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Gelassen, konsequent, liebevoll – so wollen Eltern sein. Ebenso klar ist, dass das inmitten von Trotzanfällen und Hausaufgabenchaos manchmal richtig schwerfällt. Doch daran festzuhalten, ist wichtig. Denn: Eine positive Grundhaltung ist das Kernstück jeder guten Erziehung. Was die Beziehung zwischen Eltern und Kinder sonst noch zu ihrem Gelingen braucht, lässt sich in diesen neun Punkten zusammenfassen:

I. Liebe und Bindung


Die intensive, liebevolle Beziehung zu den Eltern steht an erster Stelle. Das bedeutet nicht, dass man rund um die Uhr verfügbar sein muss. Auch wenn Kleinkinder das fordern, müssen Eltern ein für alle verträgliches Maß finden. Wird das Bedürfnis nach Nähe ausreichend gestillt, entsteht eine stabile seelische Verbindung. Sie wirkt wie ein elastisches Seil, an dem sich Kinder in den ersten Jahren festhalten. Je sicherer sie sich dabei fühlen, umso selbstbewusster werden sie ihre ersten, zweiten und viele weiteren Schritte in die Welt wagen.

Gemeinsam stark: Eltern-Kind-Beziehung


© iStock
Damit das Band hält, sollten Eltern immer auch für sich sorgen. Das bedeutet, die eigenen Grenzen zu kennen und zu reflektieren. Yoga, Radfahren oder Joggen helfen dabei, die innere Balance zu halten. Manche Mütter und Väter setzen auch auf Exklusivzeiten, zum Beispiel einen Abend zu zweit, einen Nachmittag nur mit einem Kind oder ein paar Stunden, die jeder für sich allein verbringen kann. Die wichtige Botschaft, die immer beim Kind ankommen sollte, lautet: „Schön, dass es dich gibt!“
II. Einfühlsamkeit und Geduld
Hat man sich erst mal darauf eingelassen, kann schon das gemeinsame Beobachten von Tieren oder Schaufelbaggern zu einem intensiven Gemeinschaftserlebnis werden. Nach aktuellen Statistiken des Bundesfamilienministeriums sind immer mehr Eltern dazu bereit, viel Zeit ins Familienleben zu investieren. Gut so! Denn es braucht viele Gelegenheiten, um sich in die Gedanken und Gefühle der Kinder hineinzuversetzen und sie in ihrem Erleben zu begleiten. Indem sich Eltern in die Bedürfnisse ihrer Kinder einfühlen, zeigen sie ihnen gleichzeitig, wie man sich verhalten muss, um andere zu verstehen.

Kinder können das erst, wenn sie mit etwa drei Jahren beginnen, sich als eigenständige Wesen zu erleben. Sobald sie diesen Punkt erreicht haben, wollen sie aber auch selbst bestimmen. Wenn sie sich dann übergangen oder irgendwie ohnmächtig fühlen, kann das heftige Trotzstürme auslösen. Kinder leiden unter solchen Attacken am meisten, weshalb es auch keinen Sinn ergibt, sie dafür auszuschimpfen. Lieber solche Ereignisse in Worte fassen und formulieren, was da gefühlsmäßig los war – und den kleinen Wüterich verständnisvoll in den Arm nehmen.

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III. Konsequenz und Klarheit

Bei älteren Kindern kann das Autonomiebedürfnis auch zu einer Art Sendepause führen. So wie beim sechsjährigen Tobias. Dessen Mutter, Christine  Wellmann, erzählt: „Tobi kam von der Schule nach Hause, hat Jacke und Tasche in die Ecke gepfeffert und ist anschließend in sein Zimmer gerannt.“ Ihre Aufforderung, die Sachen ordentlich zu versorgen, habe er einfach ignoriert. Daraufhin sei ihr regelmäßig der Kragen geplatzt. Sie habe geschrien, sich immer mehr aufgeregt. Und jetzt? „Ruhe. Ich habe in einem Workshop gelernt, dass Kinder einen gar nicht wahrnehmen, wenn sie einen nicht sehen. Stattdessen war Tobias ratzfatz in seine Spielwelt abtaucht.“ Was sie gelernt habe, sein eigentlich ganz einfach: „Hingehen, Blickkontakt suchen, klare Anweisungen geben.“ Seither, so die Mutter, habe sich das Familienklima spürbar entspannt.

Allzu leicht passiert es in solchen Situationen, dass Eltern zu viel reden. Erziehungsberater Hans Berwanger nennt das „erklärungsterroristische Ausfälle“. Man will nicht strafen, stattdessen sagt man: „Guck mal, was ich alles für dich mache, da kannst du mir doch auch mal einen Gefallen tun.“ Über die Wirkungslosigkeit solcher Ansprachen wundert sich Berwanger nicht: „Das Akzeptieren von Regeln, Pflichten oder Grenzen ist ja kein Problem des Verstehens, sondern eins von Lust und Unlust – also muss man anders vorgehen.“

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IV. Orientierung und Sicherheit

Der Erziehungsexperte hebt eine Elternfrage hervor, die ihm häufig gestellt wird: „Warum nur ist unser Kind so unzufrieden und ungezogen, obwohl wir ihm fast alles erlauben?“ Er antworte dann immer: „Genau darum!“ Denn: Kinder, die Orientierung vermissen, fühlen sich verunsichert und bindungslos. Sie werden, so Michael Berwanger, die Eltern so lange herausfordern, bis diese endlich die Stärke aufbringen, Regeln und Grenzen nicht nur auszusprechen, sondern auch durchzusetzen.

Ein echter Knackpunkt! Leider merken Kinder sofort, wenn Eltern nicht wissen, wie sie sich in einer bestimmten Situationen verhalten sollen – und spiegeln ihre Version dieses Gefühls wider. Wenn sie dann im Unterricht übermütig werden und herumjohlen oder anfangen, ihren Eltern auf der Nase herumzutanzen, zeigt das nichts anderes, als dass sie sich nach Klarheit sehnen. Je schneller Eltern das kapieren, um so eher kehrt Ruhe ein.
V. Freiheit und Vertrauen
Damit Kinder sich entfalten können, brauchen sie Freiräume. Tanja Pütz, Professorin für Erziehung und Bildung im Kindesalter an der Fachhochschule Kiel, sieht im Gewähren von Freiheit sogar einen wesentlichen Aspekt der Persönlichkeitsbildung: „Ob zu Hause, in der Kita oder in der Schule – Kinder brauchen Wahlmöglichkeiten, und damit die Chance, ihren Bildungsweg mitzugestalten. Sie sollten merken, dass sie etwas bewirken können, indem sie auswählen. Das stärkt das Selbstbild und das Selbstbewusstsein.“

Elterliches Zutrauen in die Fähigkeiten ihres Kindes beflügelt dieses und initiiert weitere Entwicklungsschritte. Fehlt das Vertrauen, bleiben die Kinder fast zwangsläufig hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das zeigt etwa das Beispiel der fünfjährigen Rebekka: Als die Kinder ihrer Gruppe bei einem Kita-Ausflug einfach über einen kleinen Bach sprangen, blieb sie stehen. Als die Erzieherin nach dem Warum fragte, antwortete Rebekka leise: „Ich kann das nicht.“ Es stellte sich heraus, dass ihre Mutter bei ähnlichen Gelegenheiten gewarnt hatte: „Kind, das kannst du noch nicht!“ So schlägt gut gemeinter Schutz in Angst und Mutlosigkeit um.

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Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter, welche vier Dinge ebenfalls wichtig sind für eine gute Eltern-Kind-Beziehung.





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