Eltern mit großem Altersunterschied

Zehn oder zwanzig Jahre Erfahrung liegen zwischen ihnen: Eltern mit großem Altersunterschied. Wie erleben sie ihren Alltag mit Kindern? Und wie finden die das eigentlich?


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Altersunterschied bei deutschen Paaren


Die Liebe stellt weniger Fragen als die Menschen um uns. Sie schleicht sich an, nimmt uns gefangen und mit auf ihr großes Abenteuer. Und so kommt es vor, dass auch Herzen zueinander finden, zwischen denen zwanzig Jahre Leben liegen. Laut Statistischem Bundesamt haben sechs Prozent der Paare in Deutschland einen Altersunterschied von mehr als zehn Jahren, zehn Prozent sind genau gleich alt. Und wohl jeder kennt ein Paar, bei dem es so ist. Was ist, wenn "dann noch" Kinder kommen? Wie ist das wohl, für die Kinder und mit den Kindern? Wenn andere fragen "Ist das dein Opa?" -  und gemeint ist Papa? Und wie lebt es sich als Eltern, mit einem so unterschiedlichen Schatz an Lebenserfahrung?

Älterer Mann, jüngere Frau


© Thinkstock
Ältere Väter sind der Normalfall

"Der Anteil der Lebensgemeinschaften, in denen die Frau um mehr als zehn Jahre älter ist, ist insgesamt geringer als ein Prozent", erläutert Matthias Keller vom Statistischen Bundesamt. Eltern mit einem älteren Vater sind also der Normalfall, schon alleine wegen den Gesetzmäßigkeiten der inneren Uhr. Über Jahrhunderte ist so ein Altersunterschied kaum aufgefallen. Die Männer sorgten damals für das Einkommen, sie mussten erst "gesetzt" sein, um eine Familie gründen zu können. Mehr Gleichheit hat mehr Gleichaltrigkeit gebracht.
Mehr Geduld in "Gemischtes-Alter-Familien"

Älterer Mann und jüngere Frau


© Thinkstock
Was reifere Mütter und Väter in eine Familie einbringen, darf man ruhig Weisheit nennen. Psychologen haben es genauer entschlüsselt. Sie erklären es als gewachsene Kompetenz, mit eigenen Emotionen umzugehen. Die Forschung zeigt: Auch mit 50 oder 60 Jahren sind wir noch genauso emotional, die Liebe zum Kind und zum Partner ist innig. Häufig ist im Alltag mehr Zeit, mehr Geduld. Remo Largo, der berühmte Schweizer Kinderarzt und Bestsellerautor, beobachtet: "Den Karrierestress hinter sich zu haben, hat offensichtlich den Blick und das Herz freigemacht. Die Väter lassen das Kind an sich heran. Sie haben das Bedürfnis, sinnliche Erfahrungen zu machen. Was für ein Unterschied zu den Vätern früherer Zeiten!" Es ist diese Geduld und Einfühlsamkeit, die viele an solch "Gemischtes-Alter-Familien" schätzen, und die Kombination aus großer Erfahrung und frischer Spontaneität.
Altersunterschied: Das spricht für spätes Familienglück
Ist es dennoch "irrational", spät Kinder zu bekommen? Solange sie klein sind, berichtet kaum ein Elternpaar von negativen Erfahrungen. Und selbst die emotionalen Wildwasser der Pubertät lassen sich oft leichter durchschiffen als befürchtet - denn auf ihrer Suche nach Identität und Selbstständigkeit müssen sich Kinder ohnehin von uns absetzen, den eigenen Weg finden. Das gelingt mit sehr jungen Eltern mitunter sogar weniger leicht.

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Dass Kinder reife Eltern hatten, das gab es früher auch - nur waren sie das dritte, vierte oder gar fünfte Geschwister. Wesentlicher Unterschied: Heute leben wir als Eltern länger, sind gesünder, es geht uns besser. Für Paare mit großem Altersunterschied bedeutet das heute: Sie sind oft nicht nur alltäglich besonnener, sie müssen es auf lange Sicht auch sein und genauer planen. Sonst könnte es zum Beispiel geschehen, dass mitten in der Ausbildung der Kinder das Geld knapp wird, weil Renten für Rentner bemessen sind und nicht für die Erziehungsjahre. Wer das bedenkt, lässt sich über Rücklagen beraten. Und legt die Sorge dann am besten beiseite, um das Heute zu genießen.

Und dieses Heute hält mit Kindern länger: "Eine Familie gründen", das gehört
zu den ersten Einfällen, die dem renommierten Magdeburger Hirnforscher Prof. Henning Scheich kommen, wenn man ihn nach den Rezepten für einen wachen Geist fragt. Das Zusammensein mit Kindern hält uns agil und flexibel. Und eine Sache von "vernünftig sein" ist beides sowieso nicht: Weder das Abenteuer Liebe noch das Abenteuer Familie.
Ältere Eltern - was bedeutet das für Kinder?
Ältere Väter und Mütter sind lebenserfahrener und achtsamer. Vielleicht finden die Kinder manchmal, dass Mama oder Papa ein wenig zu reif sind für das ganz bunte Leben. Aber insgesamt profitieren sie von der großen Aufmerksamkeit, die sie bekommen. Bei älteren Papas ist es besonders auffallend. Vielleicht liegt das aber nur am direkten Vergleich mit jüngeren Vätern. Es spielt natürlich eine Rolle, dass man sich unbewusst sagt: Dieses Kind ist jetzt deine große Chance, vielleicht bleibt es dein einziges. Das ändert die Prioritäten.

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