
Was müssen Gastfamilien beachten
Neben diesen sehr persönlichen Kriterien für oder gegen ein Au-pair gibt es auch noch ein paar harte Fakten: Wer ein Au-pair bei sich aufnehmen will, muss in der eigenen Wohnung bzw. dem eigenen Haus ein Zimmer von mindestens acht Quadratmetern und mit Tageslicht zur Verfügung stellen. Es muss überwiegend Deutsch gesprochen werden, ein Elternteil sollte mit der deutschen Sprache aufgewachsen sein.
Und was ist mit den Kosten? Ein Au-pair aufnehmen ist kein Privileg von Großverdienern mehr. Trotzdem, so Heike Welzel, „sollte man pro Jahr mit Ausgaben in Höhe von 5000 bis 7000 Euro rechnen. Darin enthalten sind das Au-pair-Taschengeld von monatlich 260 Euro, die gesetzlich vorgeschriebenen Versicherungen, die Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr sowie Kost und Logis.“
Zu diesem Betrag können außerdem noch Vermittlungsgebühren für eine Au-pair Agentur und Visagebühren hinzukommen. Gute Nachricht für Familien: Durch neue Steuerregelungen sind Au-pair Kosten für viele künftig noch besser absetzbar als bisher. Bis zu 4000 Euro pro Kind und Jahr können Gastfamilien dann geltend machen.
Je besser die Auswahl vorbereitet wurde, desto eher werden Gastfamilie und Au-pair miteinander glücklich. Überlegen Sie frühzeitig, welche Aufgaben Sie delegieren wollen. Muss dass Au-pair vor allem im Umgang mit Kindern vertraut sein? Sollte es kochen können? Ist es zuständig für den Einkauf und benötigt deswegen einen Führerschein?
In ihrem „Au-pair Ratgeber für Gastfamilien“ empfiehlt Katja Schneidt: „Wenn Sie kleinere Kinder haben, die gerade sprechen lernen, dann achten Sie bei der Auswahl Ihres Au-pairs auf ausreichende Sprachkenntnisse.“ Auch über das Alter sollten sich Gasteltern Gedanken machen. Die Bewerber sind meist zwischen 18 und 25 Jahren alt. Für die Betreuung von sehr kleinen Kindern sollte man eher älteren - und somit vermutlich umsichtigeren - Kandidaten den Vorzug geben.
Zunehmend interessieren sich übrigens auch junge Männer für eine Au-pair Stelle. Warum nicht mal den Jungs eine Chance geben? Gerade für Gastfamilien mit Söhnen oder schon größeren Kindern eine interessante Alternative zum klassischen Au-pair Mädchen.
Vielleicht die schwerste Entscheidung: Aus welchem Land soll unser Au-pair sein? „Die Anzahl der Bewerber aus den klassischen Au-pair Ländern wie den USA, England, Frankreich nehmen drastisch ab“, beobachtet Heike Welzel. „Die Interessenten kommen jetzt vor allem aus Ländern der ehemaligen UDSSR, Südamerika oder Afrika und auch aus weiter entfernten Ländern wie China oder Thailand.
“Wenn das Au-pair zur Einreise nach Deutschland ein Visum benötigt, müssen sich Gastfamilien mindestens drei bis vier Monate vor dem gewünschten Einreisetermin mit einer Agentur in Verbindung setzen. Ein Au-pair aus EU- beziehungsweise EWR-Staaten benötigt kein Visum.
Keine Angst vor dem Papierkrieg! Eine gute Agentur steht den Gastfamilien bei allen Formalitäten zur Seite. Unzählige Internetseiten ermöglichen zwar ebenfalls den direkten Kontakt zu Bewerbern in der ganzen Welt. Doch immer wieder kommt es auf diesem Weg zum Missbrauch der guten Au-pair Idee.
Zum Schutz aller Beteiligten ist es deshalb ratsam, eine Agentur einzuschalten, die einem der großen Dachverbände angeschlossen ist oder das RAL-Gütezeichen trägt. Diese Vermittlungsstellen garantieren, dass die jeweils andere Seite alle wichtigen Bedingungen erfüllt. Ein Service, der Gastfamilien vor bösen Überraschungen bewahrt, so Heike Welzel: „Diese Agenturen kooperieren oft mit Universitäten und Sprachschulen im Ausland. Die Partner vor Ort führen Interviews mit den Bewerbern und treffen eine Vorauswahl. Dort werden auch die Nachweise über praktische Erfahrungen mit Kindern und Deutschkenntnisse überprüft.“
Natürlich ist keine zwischenmenschliche Beziehung zu 100 Prozent planbar: Ist das Au-pair erst mal da, kann sich trotz bestem Willen zeigen, dass die Chemie einfach nicht stimmt. Auch in so einem Fall ist auf der sicheren Seite, wer frühzeitig eine gute Agentur gewählt hat: Sie wird in so einem Fall das Au-pair zügig in eine neue Stelle vermitteln und der Gastfamilie auf Wunsch einen „Ersatz“ suchen.

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