Eltern geben dem Kind etwas ganz Wichtiges, das es durch sein ganzes Leben begleiten wird: Urvertrauen. Am Anfang hilft die Biologie des Körpers dabei ganz kräftig mit: Während der Geburt wird der Botenstoff Oxytocin im Gehirn der Mutter ausgeschüttet - als Reaktion auf die Weitung des Muttermundes. Man nennt dieses Hormon auch Bindungs- oder Liebeshormon. Viele Frauen berichten von einem glücklichen, fast rauschhaften Zustand und empfinden tief für das kleine Bündel, dass ihnen auf die Brust gelegt wird.
Wenn das Baby dann beginnt zu saugen, erhält die Mutter eine zweite Dosis Oxytocin, weshalb es für die Beziehung zwischen Mutter und Kind so wichtig ist, zu stillen. Beim sogenannten Bonding der ersten gemeinsamen Zeit nach der Geburt, lernen Eltern und Kind sich kennen. Der Blick- und Hautkontakt fördert die emotionale Nähe. Das Baby wird ruhiger und entspannter. Die Folge: Die Mutter fühlt sich selbstsicherer. Dieses Gefühl der Kompetenz beeinflusst die weitere Mutter-Kind-Beziehung positiv. Es ist sozusagen der Startschuss für eine gute Elternschaft.
Obwohl Experten Bonding als bedeutsam eingeschätzen, müssen sich Mütter, die wegen einer schweren Geburt oder einem Kaiserschnitt nicht sofort mit ihrem Baby zusammen sein können, keine Sorgen machen. „Für eine gute Eltern-Kind-Bindung sind die unzähligen gemeinsamen Stunden in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten mindestens genauso entscheidend“, sagt Dr. Carola Bindt, Oberärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Hamburg. „Der Stress, der durch elterliche Schuldgefühle entsteht, ist für das Baby vermutlich schädlicher als die fehlenden zwei Stunden mit der Mutter nach der Geburt.“
Den meisten Eltern gelingt es, sich in den ersten Wochen und Monaten voll und ganz auf den kleinen Menschen einzustellen. Die Wissenschaft kennt auch den Ausdruck „elterliche Intuition“. Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich liebevoll in das Baby einzufühlen, Bedürfnisse zu erkennen und angemessen zu befriedigen. „Aber Beziehungen sind immer voller Schwierigkeiten - unter Umständen auch die Beziehungen der Eltern zum eigenen Baby.“
Es ist überhaupt keine Schande, Schwierigkeiten mit dem Eltern Sein zu haben. Deshalb ist man noch keine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater, sondern man liebt sein Kind genauso von Herzen wie die allermeisten Eltern. „Wir freuen uns, wenn Eltern früh den Weg zu uns finden und nicht erst nach einer jahrelangen Leidensgeschichte“, sagt Carola Bindt. Erste Ansprechpartner bei Problemen mit der Elternschaft sind der Kinderarzt, Frühberatungsstellen oder niedergelassene Kinderpsychiater.

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