
Wie eine aktuelle Erhebung des Statistischen Bundesamtes zeigt, ist jede fünfte Familie in Deutschland alleinerziehend - Tendenz steigend. Die wichtisten Fakten der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Europa.
Die Ergebnisse des Mikrozensus 2009, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Europa, sprechen für sich: In Deutschland gibt es immer mehr Alleinerziehende. Im Jahr 2009 war beinahe jede fünfte Familie mit minderjährigen Kindern alleinerziehend; das sind 19 % der deutschen Familien.
Mehr Alleinerziehende in Ostdeutschland und in Großstädten
Wie die Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zeigen, gibt es in Sachen Alleinerziehende in Deutschland regionale Unterschiede. In den neuen Bundesländern ist der Anteil der Alleinerziehenden mit 27% deutlich höher. Im Westen sind 17% alleinerziehend. In Westdeutschland kommt es häufiger durch Trennung oder Scheidung zur alleinerziehenden Familie. In Ostdeutschland gibt es hingegen 54% ledige Alleinerziehende.
In Großstädten sind etwa 26% aller Familien Alleinerziehende (Bundesdurchschnitt: 19%). Je kleiner die Gemeinde, desto weniger Alleinerziehende gibt es. Erklärbar ist dieser Trend unter anderem damit, dass es in Großstädten ein besseres Angebot an Kinderbetreuung und ein dichteres Verkehrsnetz gibt, was Alleinerziehenden den Alltag erleichtert.
Alleine Erziehen ist Frauensache
Kinder alleine zu erziehen ist Frauensache: 90% der Alleinerziehenden in Deutschland sind Frauen. Männer sind, wenn überhaupt, grundsätzlich eher an der Betreuung älterer Kinder zwischen 15 und 17 Jahren beteiligt.
60% der alleinerziehenden Mütter sind erwerbstätig. Dieser Prozentsatz unterscheidet sich zunächst nicht erheblich von dem der Mütter in Paarfamilien (58% berufstätige Frauen). Allerdings arbeiten im Unterschied 42% der Alleinerziehenden in Vollzeit; in Paarfamilien hingegen nur 27%. Mütter, die ihre Kinder nicht alleine erziehen, sind im Vergleich häufiger in Teilzeit beschäftigt.
Jede fünfte alleinerziehende Mutter ist im Rahmen einer Teilzeitbeschäftigung angestellt, weil sie keine Vollzeitstelle finden konnte.
"Etwa 31% aller alleinerziehenden Mütter musste 2009 mit einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 1100 Euro auskommen", erläutert Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Nach wie vor sind viele Alleinerziehende auf unterstützende Zusatzleistungen wie Hartz IV oder Sozialhilfe angewiesen.
Angesichts des erhöhten Armutsrisikos für Alleinerziehende werden Forderungen nach besseren Arbeits- und Betreuungsmöglichkeiten laut. "Dazu gehören u.a. Teilzeit-Qualifizierungsmöglichkeiten für arbeitslose Eltern, der Ausbau von Wohngeld und Kinderzuschlag sowie ein gesetzlicher Mindestlohn nicht unter 8,50 Euro", so DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.
(Quelle: Statistisches Bundesamt)