„Übers Reden reden“ - die Sozialpädagogin und Familientherapeutin Daniela Liebich über elterliche Streitkultur und was Kinder daraus lernen können:
Familie&Co: Das Thema „Kindererziehung“ ist in vielen Partnerschaften ein Reizthema. Woran liegt das?
Daniela Liebich: Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, und entsprechend haben Eltern häufig unterschiedliche Ziele, Prioritäten und Empfindlichkeiten bei der existenziellen Frage der Kindererziehung. Aber häufig ist Eltern ihre unterschiedliche Haltung gar nicht so bewusst. Und im Alltag können diese unausgesprochenen Vorstellungen zu Konflikten führen, die sich dann in „Kleinigkeiten“ entladen.
Familie&Co: Was können Eltern tun?
Daniela Liebich: Metakommunikation betreiben! Dieses so theoretisch klingende Wort bedeutet einfach, über die Situation zu sprechen: Was passiert da mit uns? Warum geraten wir an dieser Stelle häufig in Streit? Welche Gefühle haben wir dabei? Und darauf aufbauend versuchen, den anderen und seine Wünsche wirklich zu verstehen sowie sich selbst über seine Werte und Vorstellungen klar zu werden und sie dem Partner mitzuteilen.
Das funktioniert besonders gut, wenn man Ich-Botschaften formuliert und damit seine Gefühle transparent macht: „Ich schäme mich einfach, wenn die Kinder im Restaurant schmatzen. Deshalb ist es mir so wichtig, dass wir auf gute Tischmanieren achten.“ Solche Gespräche gelingen in einer ruhigen Minute natürlich besser als in der akuten Situation.
Familie&Co: Dürfen Kinder wissen, dass ihre Eltern unterschiedlicher Auffassung sind?
Daniela Liebich: Das können sie gar nicht vor Kindern verbergen. Kinder haben feine Antennen für so etwas. Und das schadet nicht. Im Gegenteil, es bietet die Chance, Kindern vorzuleben, wie man mit Differenzen gut umgehen kann. Sie können dabei zum Beispiel lernen, dass unterschiedliche Meinungen nicht bedeuten, dass man sich nicht mehr lieb hat, sondern dass man in Ruhe darüber sprechen und am Ende einen Kompromiss finden kann.
Familie&Co: Unterschätzen wir manchmal, wie sehr Kinder auch das wahrnehmen, was wir gar nicht direkt zu ihnen sagen?
Danielea Liebich: Auf jeden Fall. Die Art und Weise, wie Eltern miteinander sprechen, prägt ganz entscheidend das Kommunikationsverhalten der Kinder. Schweigen die Eltern, wird auch das Kind zum Schweiger. Sind die Eltern diskussionsfreudig, so wird diese Gesprächskultur für die Kinder selbstverständlich werden. Karl Valentin hat einmal gesagt: „Sie brauchen Kinder nicht zu erziehen, sie machen einem sowieso alles nach.“ Dieser Spruch hat einen wahren Kern.

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