Eltern sollten sich auf ihre Intuition verlassen

Eltern wollen das Allerbeste für ihr Baby. Warum sie sich dabei auf ihre Intuition verlassen können – und wann Expertenrat sinnvoll ist.


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Intuition ist bei Eltern angeboren

Entspannt und geborgen: Kinder brauchen gelassene Eltern.


© Thinkstock
Alles ist so neu. Manchmal auch ein bisschen fremd. Zu dritt sein, das fühlt sich noch ungewohnt an. Und was gibt es nicht alles zu bedenken: Woher weiß ich, ob mein kleiner Schatz genug getrunken hat? Und: Soll ich nachts wickeln oder lieber nicht? Wieso dreht sich mein Kleiner noch nicht? Darf unser Baby bei uns im Bett schlafen? Die Freundin aus dem Geburtsvorbereitungskurs meint: „Bloß nicht!“ Im Internet steht aber, dass das in anderen Kulturen selbstverständlich ist.

„Solche Unsicherheiten sind normal“, sagt Dr. Mauri Fries, Entwicklungspsychologin und Familientherapeutin aus Berlin. „Gerade in den ersten Tagen und Wochen fragen sich Eltern andauernd, ob sie alles richtig machen.“

Intuition ist Eltern angeboren


Die gute Nachricht: Eltern verfügen über eine intuitive Kompetenz, ihre Säuglinge zu umsorgen. Dieses „Brutpflegeverhalten“ ist tief im limbischen System unseres Gehirns verankert. Weint ein Baby, weckt das in uns unweigerlich das Bedürfnis, ihm Nähe und Schutz zu geben. Und sucht unser Baby Kontakt, reagieren wir automatisch auf die kindlichen Signale und beantworten sie mit Ammensprache, mit überdeutlicher Mimik und intensiver Kommunikation.

„Dieses Verhalten gehört zu unserem evolutionären Erbe. Wir haben es in uns, selbst wenn wir nie zuvor mit einem Baby zu tun hatten oder nicht der biologische Vater oder die Mutter sind“, erklärt Dr. Mauri Fries. „Diese Reaktionen laufen langsamer ab als ein Reflex, aber schneller als ein bedachter Gedanke.“ Wir überlegen nicht lange, sondern handeln aus dem Bauch und reagieren umgehend auf Äußerungen und Appelle des Babys. Und genau das ist richtig und wichtig für seine Entwicklung. Denn nur dann kann es den Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und dem seines Gegenübers herstellen. Nur so kann sich in ihm das schöne Gefühl, die bedeutsame Vorstellung entwickeln: „Ich kann etwas bewirken. Ich werde verstanden.“
Eltern sollten sich von ihrem Bauchgefühl leiten lassen
Im direkten Kontakt mit unserem Baby können wir also darauf vertrauen, dass unser Bauchgefühl uns gut leitet. Und mit der Zeit, wenn wir immer geübter darin sind, unser Baby zu beobachten und wahrzunehmen, klappt es auch immer besser. Das Baby gurrt und strampelt vergnügt, wenn es zufrieden ist und Spaß mit uns hat. Es wendet sein Köpfchen ab, quengelt und macht fahrige Bewegungen, wenn es müde, erschöpft oder hungrig ist. All diese kleinen Botschaften können wir nach kurzer Zeit problemlos „lesen“. „Eltern sind, auch wenn sie es am Anfang manchmal nicht glauben können, die besten Experten für ihr Baby“, sagt die Entwicklungspsychologin Dr. Mauri Fries.
Eltern machen auch mal Fehler
Wie in jeder Beziehung verstehen sich natürlich auch Eltern und Baby mitunter falsch – trotz liebevoller Zuwendung, genauen Beobachtens und fundierter Ratgeber, die uns sagen, wann Babys zahnen oder vielleicht einen Entwicklungsschub machen. Mauri Fries nimmt die Angst davor: „Missverständnisse sind normal und gehören dazu. Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern solche, die merken, wenn etwas nicht stimmt, und die dann kein starres Programm durchziehen, sondern schauen, wie es anders gehen könnte.“

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Woran erkennt man eigentlich, dass man auf Babys Signal die „falsche Antwort“ gegeben hat? „Zum Beispiel, wenn ein schreiendes Baby angelegt wird, es etwas trinkt, aber dann schnell wieder anfängt, zu quengeln und unzufrieden zu sein. Dann hatte das Baby vielleicht keinen Hunger, sondern Langeweile. Und die Eltern müssen geduldig auf ein Neues versuchen, herauszufinden, was der wirkliche Grund für das Schreien ihres Kindes ist“, erklärt der renommierte Bindungsforscher Dr. Karl Heinz Brisch.

Zur Beruhigung: Es sind nicht einzelne Momente, die eine Beziehung prägen, sondern der Alltag ist entscheidend. Kinder bilden sozusagen den Mittelwert ihrer Erfahrungen. Und solange die guten Momente überwiegen, können Kinder ganz gut mit Unsicherheiten ihrer Eltern umgehen.
Stress stört die Intuition
Das ist gut. Denn unsere Feinfühligkeit im Umgang mit unserem Baby wird immer mal wieder beeinträchtigt. Zum Beispiel durch Stress oder Erschöpfung. „So beglückend es ist, ein Baby zu haben, gerade die ersten Wochen und Monate sind kraftraubend. Und wenn die Zeit und Ruhe fehlt, die Batterien wieder aufzuladen, lässt auch die Fähigkeit nach, sein Baby bewusst zu beobachten und seine Signale zu deuten“, weiß Mauri Fries.

Wenn ein Baby dann zu oft keine angemessene Reaktion erfährt, wird es leichter unruhig und schreit mehr, was wiederum bei den Eltern zu größerer Unsicherheit und Hilflosigkeit führen kann. „Eltern sollten deshalb überhaupt keine Scheu haben, sich regelmäßig Unterstützung zu holen, damit sie wieder Energie tanken können“, empfiehlt die Expertin. Erholt und ausgeschlafen ist das Bauchgefühl gleich viel zuverlässiger.
Intuition ist auch fürs Stillen wichtig
Wie wichtig ein gelassener und intuitiver Umgang mit Kindern ist, zeigt sich
auch beim Stillen: Die Produktion der Muttermilch hängt unter anderem von der Ausschüttung des „Glücks- und Bindungshormons“ Oxytocin ab. Anders gesagt: Je entspannter die Mutter, desto besser fließt die Milch. Stresshormone hingegen stören den Milchfluss. Erfahrene Hebammen geben deshalb nicht nur praktische Tipps, wie das Baby richtig angelegt wird, sondern versuchen gleichzeitig, zu beruhigen und den Stress aus der Situation zu nehmen. 
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