Erben Kinder ihre Intelligenz wirklich von der Mutter?

Studien sollen bewiesen haben, dass es Mütter sind, die für die Intelligenz der Kinder verantwortlich sind. Väter sollen dagegen keinen Einfluss darüber haben, ob ihr Nachwuchs der nächste Einstein wird. Lässt sich das wirklich so einfach sagen? Wir haben nachgeforscht.


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Vererbt Mama ihre Intelligenz an die Sprösslinge?

Schlau wie Mama? Was steckt dahinter?


© iStock
„Kinder erben ihre Intelligenz von der Mutter“ oder „Intelligenz wird von Mama vererbt“ – gerade finden sich allerhand Schlagzeilen im Internet, die anpreisen, dass nun endlich klar ist, wer für die Intelligenz des Nachwuchses verantwortlich ist. Die Antwort: Die Gene der Mutter bestimmen, wie intelligent die Kinder werden. Väter sollen dagegen nur wenig bis gar keinen Einfluss auf die Intelligenz ihrer Sprösslinge haben. Das ist allerdings nur halb richtig.

Schlau wie Mama?


Meist berufen sich Artikel zu diesem Thema auf ein Blogpost von Psychology Spot, das eine Vielzahl von Studien zu Intelligenz von Kindern aggregiert. Einmal abgesehen davon, dass ein Großteil der zitierten Quellen schon 20 bis 30 Jahre alt ist, ist die Kernaussage des Artikels, dass die Merheit der „Intelligenz-Gene“ auf dem X-Chromosom lokalisiert ist. Da Frauen zwei X-Chromosomen haben, ist es also doppelt wahrscheinlich, dass sie ihre Chromosomen und damit ihre „Intelligenz-Gene“ weitervererben.

Zudem wurde die Existenz sogenannter "konditionierter Gene" entdeckt. Manche Gene – in diesem Fall vor allem solche, die für die Intelligenz zuständig sein sollen – funktionieren nur, wenn sie von der Mutter kommen. Kommen sie vom Vater, werden sie deaktiviert. (Mit anderen Genen funktioniert es genau anders herum.)

Zur Untermauerung dieser These, zitiert Psychology Spot außerdem eine Studie aus Glasgow. Wissenschaftler haben 12.686 Jugendliche zwischen 14 und 22 über Jahre hinweg getestet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das beste Indiz für die Intelligenz der Jugendlichen der IQ derer Mütter sei. Meist wich der IQ der Jugendlichen nur um rund 15 Punkte vom Wert ihrer Mütter ab. Und schon entseht die Schlagzeile, dass Mütter alleine für die Intelligenz des Nachwuchses verantwortlich sind.

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So einfach ist es nicht

Trotz dieser Studien ist der Claim, dass Väter nicht für die Intelligenz ihrer Kinder (mit-)verantwortlich sind, nicht haltbar.

Zunächst einmal ist die Wahrscheinlichkeit, die Intelligenz von der Mutter zu erben, nur für Söhne höher, da diese ihr X-Chromosom zwingend von der Mutter haben müssen. Bei Töchtern sieht die Verteilung dann wieder ganz anders aus.

Frauen besitzen keine zwei identischen X-Chromosomen. Vereinfacht gesagt: Damit Informationen nicht doppelt vorkommen, werden sie auf dem einen Chromosom aktiviert und auf dem anderen deaktiviert. Nur weil die Tochter also das X-Chromosom der Mutter erbt, heißt es also nicht, dass die Informationen darauf auch aktiviert werden müssen, stattdessen könnten auch die Informationen auf dem X-Chromosom des Vaters genutzt werden. So könnte die Tochter also die "Intelligenz-Gene" des Vaters erben und nutzen.

„Konditionale Gene“ könnten hier eine Rolle spielen und die Wahrscheinlichkeit, dass die Gene der Mutter aktiviert werden, erhöhen. Doch sind sie zu wenig erforscht, um finale Aussagen darüber zu treffen.

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Intelligenz ist kompliziert

Wissenschaftler schätzen, dass 40 bis 60 Prozent unserer Intelligenz angeboren, also genetisch bestimmt sind. Der Rest entsteht durch Erziehung, Umwelt, Erfahrungen und individuelle Persönlichkeitsmerkmale.

Und auch hier scheinen die Mütter die Nase vorne zu haben. Verschiedene Studien zeigen, dass die Mutter eine wichtige Rolle für die Intelligenzbildung ihrer Kinder während deren Heranwachsen spielt. Forscher der University of Minnesota haben zum Beispiel nachgewiesen, dass Kinder, die eine besonderes starke Bindung zu ihrer Mutter haben, komplexere Aufgaben lösen konnten und auch nicht so schnell aufgaben, wie andere Altersgenossen.

Aber auch das lässt sich leicht erklären: Mütter sind nun einmal (noch) die Hauptbezugspersonen für den Nachwuchs. Wäre der Vater der Hauptbetreuer, würde das Ergebnis wohl auch nicht anders ausfallen. Was zählt, ist die gute Beziehung zum Kind, die dem Sprössling Sicherheit und Selbstvertrauen gibt, nicht das Geschlecht der Bezugsperson.

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von Nicole Metz




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