Erziehung mit Intuition und Vernunft


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Erziehung mit Intuition und Vernunft

Eltern haben also schon frühzeitig täglich Erfahrungen damit gesammelt, vorauszuahnen, was andere Menschen tun, denken und fühlen. Sie merken, ob etwas gut oder schlecht ist, ohne es immer in vernünftige Worte gießen zu können. Das Gespür zwischen Eltern und Kindern ist vorhanden, schon zwischen der stillenden Mutter und ihrem trinkenden Baby. Und füttert sie es dann mit dem ersten Brei, öffnet sie - ohne es zu merken - den Mund. Denn das Kind tut das dann auch. Bei den schon etwas älteren Kindern wissen wir, wann es Zeit ist, sie still in den Arm zu nehmen, ohne „Predigt“ und Verhör.

„Spiegeln“ nennt Joachim Bauer, Arzt und Psychotherapeut an der Freiburger Uniklinik, diese Fähigkeit zur Einfühlung in andere. Er erklärt, wie ganz spezielle Nervenzellen in unserem Gehirn, die „Spiegelneurone“, ein Gefühl für die Befindlichkeiten unserer Mitmenschen entwickeln. Daher sollte jedes gute oder schlechte Gefühl bei der Erziehung der Kinder Beachtung finden. Elter fühlen es, wie es ihrem Kind geht, was das Beste wäre und was nicht: Meistens liegen Eltern damit genau richtig.

Allerdings ist bei der Kindererziehung dieses Einfühlungsvermögen nicht identisch mit der weitverbreiteten Aufforderung, „einfach spontan“ zu sein: Gerade Eltern sollten bei der Erziehung eben nicht nur „ihrem Bauch folgen“, sich gedankenlos durch den Alltag treiben lassen und spontanen Gefühlsausbrüchen nachgeben. Die Vernunft bleibt bei der Kindererziehung angeschaltet - aber statt „nur vernünftig“ zu sein, nutzen Eltern die Vernunft in der Kindererziehung als Aufseher, damit uns die Intuition bei der Erziehung unserer Kinder nicht auf die falsche Fährte führt.

Denn das, was uns spontan und meist zuverlässig als die richtige Erziehung  für unsere Kinder erscheint, beruht auf „Faustregeln“, wie Gigerenzer es nennt. Das sind keine superdetaillierten Lösungsanweisungen für jedes Problem, sondern Schnellrezepte des Gehirns, die gewährleisten, dass wir in 90 % der Fälle gut zurechtkommen.

Eltern, die diesen Draht zu seinen Kindern nutzen, sollten also nicht das Denken einstellen. Sie werden nur immer weniger abhängig sein von komplizierten Grübeleien, ob etwas jetzt richtig ist oder verkehrt, wird selbstbewusster werden und öfter sagen können: „Wir machen das jetzt mal so, denn ich habe ein sicheres Gefühl, dass es richtig ist. „Zum Beispiel eine Radtour !“