Familien-Traditionen stärken das Wir-Gefühl


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Familien-Traditionen stärken das Wir-Gefühl

Das Gefühl, verwurzelt zu sein, entsteht natürlich nicht allein durch das Wissen um die eigene Herkunft oder durch Erzählungen aus der Vergangenheit. Genauso wichtig sind dafür gelebte Familien-Traditionen und schöne Alltagsrituale (zum Beispiel Einschlaf-Rituale)! Woher rührt der enorme Reiz von Traditionen für Kinder? Petra Kunze erklärt ihn so: „Familientraditionen stärken enorm das Wir-Gefühl. Sie sind eine Art verdichtetes Familienleben. Und in ihnen werden die Werte und Normen einer Familie transportiert und weitergegeben. Traditionen sind neben Liebe und Verantwortung füreinander das stärkste Band, das Familien zusammenhält. Sie tragen dazu bei, dass eine Familie die innere Einheit findet, die sie als Gemeinschaft so einzigartig macht.“ Familientraditionen stiften also Identität: Das bin ich. Das sind wir. Hierher gehöre ich.   Vielleicht winken Sie jetzt ab, weil für Sie der Begriff „Tradition“ einfach zu negativ besetzt ist. Zum Beispiel, weil Sie damit so etwas wie Strammstehen, die traditionelle Rolle der Frau am Herd oder andere einengende und begrenzende Verhaltensregeln verbinden - und mit so etwas nun ganz und gar nichts zu tun haben wollen. „In dieser Form gibt es kaum noch Traditionen bei uns. Wir leben heute in einer pluralistischen Gesellschaft, in der jeder seinen individuellen Lebensstil bestimmen darf und unterschiedliche Werte nebeneinander gelebt werden. Gezwungen wird heute niemand mehr. In den meisten Fällen haben in unserer Gesellschaft Traditionen heute eher etwas mit Brauchtum zu tun“, erklärt Petra Kunze. Bräuche helfen Kindern, die Welt für sich zu ordnen Besonders rund um Ostern und Weihnachten gibt es viele Bräuche und Sitten, die Kindern viel Spaß machen - und die sogar  förderlich für ihre kognitive Entwicklung sind. So erklärte die Münchner Psychologin Gudrun Lehmann-Scherf jüngst in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“: „Symbolfiguren wie der Osterhase bringen mehr als Geschenke und bunte Eier. Sie prägen den Geist vom Kindesalter an.“ Die Erklärung der Psychologin: Ein Kind lebt zunächst in einer fest gefügten, kleinen Welt innerhalb der Familie. Aber bald sehnt es sich auch nach dem Unbekannten „da draußen“. Der Osterhase ist nun eine Figur, die aus der großen Welt draußen in die kleine des Kindes hineinkommt, und er bringt nicht nur die Eier, sondern auch noch die wichtige Botschaft, dass das Kind Kontakt zur großen Welt außerhalb der Familie haben und sie begreifen kann. Der Osterhase (und natürlich auch der Weihnachtsmann) erlaubt Kindern, sich einen eigenen Reim auf Dinge zu machen. Wiederkehrende Ereignisse, Feste und die damit zusammenhängenden Bräuche helfen Kindern zudem, die Welt für sich zu ordnen. Sie markieren die Stationen des Jahres. Kinder entwickeln auf diese Weise automatisch ein Verständnis für Zeiträume und Jahreszeiten, für Vergangenheit und Zukunft.

Entwicklungspsychologen bezeichnen den kindlichen Bildungsprozess auch als „Konstruktion von Weltbildern“. Warum dabei Traditionen eine wichtige Rolle spielen, verrät im Grunde schon die Herkunft des Wortes „Tradition“: Es kommt vom lateinischen tradere („hinübergeben“) bzw. traditio („Übergabe, Auslieferung, Überlieferung“). Mit Traditionen, Bräuchen und festen Ritualen geben wir unser Wissen und unsere Kultur an die nächste Generation weiter.