Familiengeld für Teilzeit-Eltern

Mit dem Familiengeld und der Familienarbeitszeit soll die Vereinbarkeit von Kind und Karriere attraktiver gemacht werden, so der Wunsch von Familienministerin Manuela Schwesig. Beide Elternteile sollen dadurch mehr Zeit für die Familie haben – ohne beruflich zurückstecken zu müssen. Was es mit dem Familiengeld auf sich hat, erfahren Sie hier.


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Familiengeld soll Mütter entlasten


Familie UND Beruf unter einen Hut bringen, das ist der Wunsch vieler junger Familien. Sie würden sich die Zeit mit den Kindern und die Arbeitszeit gerne fifty-fifty teilen. Die Realität, d.h. die Chefs, die Kinderbetreuung und die Politik, stehen dem häufig im Weg: Die Frauen bleiben in der "Teilzeitfalle" stecken, sie verdienen schlecht, die nächsten Karriereschritte sind in weite Ferne gerückt. Die Väter dagegen rödeln im Vollzeitjob plus Überstunden, für die Kinder und Familie bleibt unter der Woche keine Zeit. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) macht jetzt einen neuen Vorstoß in Sachen Vereinbarkeit, sie möchte vor allem Frauen dabei helfen, Familie und Beruf in Zukunft leichter zu vereinbaren und nicht automatisch die Betreuerrolle zu übernehmen. Die beiden neuen Zauberwörter lauten "Familienarbeitszeit" und "Familiengeld". Beide meinen ein und dasselbe: Die Väter sollen zukünftig weniger als Vollzeit arbeiten, die Mütter dafür mehr als Teilzeit. 


© iStock
Das Familiengeld im Detail

Wenn beide Elternteile wöchentlich zwischen 28 bis 36 Stunden arbeiten, sollen sie – so der Wunsch der Familienministerin – zwei Jahre lang bis zu 300 Euro im Monat steuerfrei vom Staat bekommen. Dieses Familiengeld soll Familien mit Kindern unter acht Jahren gezahlt werden. Auch Alleinerziehende oder getrennt lebende Elternteile sollen Familiengeld beziehen dürfen. „Ich will den vielen jungen Eltern ein Angebot machen, das sie darin unterstützt, sich gemeinsam und gleich intensiv ums Kind zu kümmern und gleich engagiert im Beruf zu sein, wie sie es sich wünschen“, so Schwesig. „Ich will Väter ermutigen, sich mehr Zeit für ihre Kinder zu nehmen. Und ich will Mütter ermutigen, ihre Chancen im Berufsleben zu ergreifen und ihre Existenzen zu sichern.“

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Wie rechnet sich das Familiengeld?

Bei einem gemeinsamen Netto-Einkommen von 3.400 Euro vor der Geburt des Kindes ist die wahrscheinlichste Variante, dass die Mutter nach der Elternzeit Teilzeit arbeitet und der Vater weiterhin Vollzeit. Damit liegt das gemeinsame Einkommen bei ungefähr 2.800 Euro. Wenn sich beide Elternteile um das Kind kümmern und ihre Arbeitszeit auf 80 Prozent reduzieren, würden sie mit dem Familiengeld zwei Jahre lang 3.100 Euro monatlich verdienen, deutlich mehr also als mit der Variante "Sie Teilzeit – Er Vollzeit". Insgesamt werden die Kosten für das Familiengeld mit einer Milliarde Euro anberaumt.
Wann kommt das Familiengeld?
Ob das Familiengeld wirklich kommen wird, steht momentan noch in den Sternen. Von Seiten der CDU und der Grünen gibt es viel Kritik an dem Modell: zu starr, zu unflexibel und außerdem zu viel "Gießkannen-Prinzip". Damit also mit Sicherheit kein Thema mehr für diese Legislaturperiode. Momentan sieht es so aus, als würde uns die Diskussion um neue und modernere Arbeitszeitmodelle noch einige Zeit begleiten, im Wahlkampf wird sie sicherlich eines der heißen Themen werden.

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Kommentar zum Familiengeld

Momentan ist die Idee nichts weiter als ein Modell, das noch viele Fragen und Ungereimtheiten mit sich bringt. Zum Beispiel: Was passiert nach den zwei Jahren Familienarbeitszeit? Wird die Mutter dann doch wieder zur Vollzeit-Betreuerin und der Vater zum Allein-Verdiener? Und welche Möglichkeiten der Vereinbarkeit haben Familien, deren Kinder älter sind als acht Jahre? Bekanntlich gibt es für kleine Kinder deutlich mehr, qualitativ bessere und flexiblere Betreuungsmöglichkeiten als für Kinder an der Grundschule oder der weiterführenden Schule. Und was passiert eigentlich mit allen, die selbstständig arbeiten? Aber lassen wir mal alle offenen Fragen bei Seite! Es könnte nämlich durchaus passieren, dass ein Modell dieser Art ein langsames Umdenken in den Köpfen bewirkt. Dass Väter, die nach einem Teilzeitjob fragen, in Zukunft von ihren Chefs ernst genommen werden und nicht als arbeitsscheue Exoten gelten. Und dass das Modell nach dem Schneeball-Prinzip viele Follower unter den Vätern bekommt. Dass Frauen wieder als die ernstzunehmenden und verlässlichen Arbeitnehmer angesehen werden, die sie auch vor der Babyzeit waren. Dass Frauen in Zukunft weniger abhängig vom Einkommen ihres Partners sind, dass sie weniger um ihre Rente bangen müssen - und dass dadurch mehr Gleichberechtigung in den Familien einzieht. Somit könnte der Vorstoß der Familienministerin ein wichtiger Schritt für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden. Und von der würden wir alle miteinander profitieren: Mütter, Väter, Kinder, Arbeitgeber und die Politik.

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